Raed Saleh hat einen ganz besonderen Bezug zu Weihnachten, den nicht viele vorweisen können. Denn der heutige Chef der SPD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus wurde nur eine halbe Autostunde entfernt von Bethlehem geboren – der Geburtsstadt Jesu. Raed Saleh erzählt das gerne. Denn er ist ein bekennender Weihnachtsfan. Die Bewahrung der weihnachtlichen Tradition ist ihm eine Herzensangelegenheit. „Wir müssen diese Tradition weitergeben, damit Weihnachten nicht zu einem Konsum- und Kommerzfest verkommt“, sagt er.
Dabei hatte Raed Saleh in seiner frühen Kindheit, trotz der Nähe seines Geburtsortes zu Bethlehem, zunächst nicht viel mit Weihnachten zu tun. Denn der gebürtige Palästinenser ist Muslim. Weihnachten – das war für seine Familie zunächst nicht viel mehr als das Fest der Touristen, die einmal im Leben die Geburtskirche Jesu Christi sehen wollten. Doch weil die Verhältnisse im Westjordanland alles andere als feierlich waren, war Salehs Vater bereits in den 60er-Jahren als Gastarbeiter nach Deutschland gezogen. 1982, der kleine Raed war fünf Jahre alt, holte der Vater die Familie nach – und schon wenige Jahre später entdeckte der muslimische Junge aus den Palästinensergebieten seine Begeisterung für das liturgisch gesehen zwar nicht wichtigste, aber mit Abstand populärste Fest des Christentums.
Für manche mag das ein Widerspruch sein. „Ja, es gibt sogar Muslime, die ihren Kindern verbieten, mit ihren christlichen Mitschülern Weihnachten zu feiern“, sagt Saleh. Sie täten ihren Kinder aber keinen Gefallen. Im Übrigen werde Jesus auch im Islam geehrt, nur eben nicht als Sohn Gottes, sondern als einer der Propheten. Bei Weihnachten gehe es zudem nicht nur um Religion, sondern auch um Tradition. Und diese Tradition, so sagt Saleh, und da ist er wieder ganz Politiker, verbinde und könne eine Gesellschaft zusammenhalten.
Mitfeiern als Zeichen des Respekts
Seine eigenen Eltern hatten jedenfalls keinerlei Berührungsängste mit Weihnachten. Im Gegenteil. Für sie sei das Mitfeiern ein Zeichen des Respekts vor der christlichen Religion gewesen. Und so sagte sein Vater, als Raed mit fünf Jahren Jahren fragte, ob er beim Krippenspiel der örtlichen Gemeinde mitmachen dürfe: „Ja, natürlich darfst du.“
Von da an war Raed Salehs Begeisterung geweckt. Und vor allem seine damalige Grundschullehrerin führte den jungen Raed an die Tradition und die Rituale heran. Wenn Saleh von der damaligen Zeit berichtet, sieht man ihn noch heute als kleinen Jungen vor sich. Das gemeinsame Basteln der Weihnachtsdekoration, das Anzünden der Kerzen, das gemeinsame Singen der Advents- und Weihnachtslieder prägen ihn bis heute. In dem Dienstwagen, den er als Fraktionsvorsitzender gestellt bekommt, müssen die CDs der Schlagersängerin Helene Fischer, die er sonst gerne hört, in den Tagen vor Heiligabend Weihnachtsmusik weichen. „Meinen Fahrer ärgert das“, sagt Saleh. Aber da müsse er durch.
Die Begeisterung der Kinder im Hause Saleh steckte auch die Eltern an. In den ersten Jahren, als die in Deutschland noch relativ frisch angekommene Familie auch zu Hause Weihnachten feierte, verpackte der kleine Raed seine Geschenke in Zeitungspapier. Seinem Vater habe er eine Packung Zigaretten geschenkt. Einem seiner Brüder eine Haarbürste. „Das waren immer kleine Sachen, wir hatten als Großfamilie ja nicht viel Geld“, erinnert sich Saleh. Seine Lehrerin habe ihm damals eine Mundharmonika geschenkt. Richtig spielen könne er darauf zwar nicht. „Aber ich habe sie heute noch.“
Beigeisterung weitergegeben
Später konnte Saleh seine eigene Begeisterung für das Weihnachtsfest weitergeben – er begeisterte andere. In seiner Jugend habe er, als leitender Angestellter bei Burger King, über die Weihnachtsfeiertage zwar häufig arbeiten müssen. „Ich habe aber immer dafür gesorgt, dass der Laden ordentlich geschmückt war“, sagt der heutige Spitzenpolitiker. Einige Kollegen hätten Tee mitgebracht, andere Weihnachstollen. „Wir haben es uns gemütlich gemacht.“
Seit vier Jahren hat Saleh selbst Kinder, zwei Söhne. Es sind Zwillinge – und auch sie hat er längst mit seiner Freude an Weihnachten und die vorweihnachtlichen Zeit angesteckt. Auch als Politiker versucht er, den Geist des Festes weiterzutragen. Für seine Kolleginnen und Kollegen im Bürgerbüro backt Saleh Weihnachtskekse, und er hat die Schirmherrschaft des Hilfsprojektes „Weihnachten für alle“ übernommen. Dabei packen die Mitglieder von Spandauer Sportvereinen und deren Freunde Weihnachtspäckchen für Bedürftige.
Das Fest selbst verbringt Raed Saleh so wie die meisten Deutschen – im Kreis der Familie. Das Handy ist ausgeschaltet, der Polit-Betrieb zumindest für ein paar Tage weit weg. „Dann ist Zeit zum Nachdenken, zum Lesen und für viel Ruhe“, sagt Saleh. Mit dem Kochen des Weihnachtsmahls wechselt er sich jedes Jahr mit seiner Frau ab. Dieses Jahr ist er an der Reihe. Was es Leckeres geben wird, steht noch nicht fest. Und die Geschenke? „Ich bin jedes Jahr zu spät dran“, sagt Raed Saleh. Zwei Geschenke habe er aber schon. Etwas Handwerkliches „für den Klaus“ – gemeint ist der scheidende Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit – und für seine Frau.





