Stefan Franzke ist ein offener und kommunikativer Mann, der entspannt plaudert und gern lacht. Dass er so schnell in Berlin ankommen würde, hat ihn dennoch überrascht. Keine sechs Monate ist der neue Geschäftsführer der Wirtschafts- und Technologieförderung Berlin Partner erst im Amt und fühlt sich schon zu Hause. „Ich habe die Berliner von Anfang an als offen und positiv empfunden“, sagt der Niedersachse. „Die große Mehrheit freut sich über den Wandel, der in dieser Stadt stattfindet und ist Innovationen gegenüber positiv eingestellt.“
Das und die gute Organisation seiner Mitarbeiter hätten ihm geholfen, schnell Fuß zu fassen in der Hauptstadt. Nun kann die Familie nachkommen. Das Terrain ist vorbereitet und eine schöne Altbauwohnung in Charlottenburg gefunden. Dort wollen sie in diesem Jahr zum ersten Mal in Berlin Weihnachten feiern. „Das ist für uns ein symbolischer Schritt, um als Familie hier anzukommen“, sagt Franzke. „Wir wollen mit Blick auf die Zukunft feiern.“ Er sei bereits aus seiner Übergangswohnung rübergezogen, seine Frau, eine Lehrerin, und die neunjährige Tochter ziehen zum Beginn des zweiten Schulhalbjahres Anfang Januar um.
Zur Einstimmung gab es am 1. Adventssonnabend ein Schrottwichteln unter Freunden. Mit zwölf Erwachsenen und acht Kindern. Eine lustige Aktion, die sich mit wilder Würfelei bis in den Abend hingezogen habe und bei der man gerade in Umzugszeiten gut ein paar Sachen loswerden könne, so der 44-Jährige mit einem fröhlichen Lachen. Die Wichtelei ist relativ neu unter den Weihnachtsritualen von Familie Franzke, wurde aber begeistert integriert. Wie sollte es auch anders sein bei jemandem, der seine Arbeitskraft der Innovation widmet, viel gereist ist und einen peruanischen Schwiegervater hat.
Franzke mag Rituale, die einen durchs Leben begleiten, muss sie aber nicht zwanghaft ausüben, wie er sagt. Eine gewisse Bodenständigkeit sei wichtig, um Neues schaffen zu können, und Rituale könnten dabei helfen, die Bodenhaftung nicht zu verlieren, sagt er. Neuerungen und Bewährtes gehörten zusammen, wenn man sich entwickeln will, wie Ying und Yang. So sehe er übrigens auch Berlin, es sei schön, beide Seiten in einer Stadt so nah beieinander zu erleben.
Familie als Rückzugsort
Das Neue an Weihnachten ist in diesem Jahr die Umgebung. Das Weihnachtsessen steht fest, seit sich das Ehepaar Franzke kennt. Seit 13 Jahren gibt es Heiligabend Nudelauflauf. Das Rezept der Großmutter steht in runder Mädchenschrift in einer schon etwas abgegriffenen braunen Kladde, die Stefan Franzke zum Gespräch in sein Büro im Ludwig-Erhard-Haus mitgebracht hat. Seine Frau hat als Jugendliche mit der Rezeptesammlung angefangen, gemeinsam haben sie sie weitergeführt. So entstand eine bunte Mischung aus handschriftlichen Einträgen und Zetteln, eingeklebten Rezepten aus Illustrierten und Computerausdrucken von Chefkoch.de. Stefan Franzke kocht leidenschaftlich gern, vorzugsweise nimmt er sich die aufwendigeren Gerichte am Wochenende vor. „So bekomme ich den Kopf frei und kann nebenher mit meiner Tochter Quatsch machen.“
Viel Zeit hat der erklärte Familienmensch neben seiner Arbeit nicht. Er achte darauf, wenigstens die Wochenenden frei zu haben, sagt er. Was nicht immer gelinge, in einer Stadt wie Berlin, die so vieles zu bieten habe. Da müsse er Präsenz zeigen und sehr gut organisiert sein. Die Familie kenne ihn nicht anders. Er habe schon immer viel gearbeitet. Seine spielerische Seite hat er darüber nicht verloren. Der schlanke Manager wirkt trotz seines leicht ergrauten Bartes auch im eleganten Businessanzug entspannt, lebensfroh und fast ein bisschen jungenhaft. „Ich kann abschalten und nehme meinen Beruf nicht mit nach Hause“, sagt Franzke. „Die Familie erdet mich und holt mich auch mal wieder runter.“
Als Jugendlicher habe er der Mutter beim Gänse braten gut zugeschaut. „Ich kann eine Gans rupfen, ausnehmen und zubereiten“, sagt er stolz. Neben der Straßenmeisterei seines Vaters im ländlichen Sarstedt bei Hannover hätten die Mitarbeiter Schafe, Enten und Gänse gehalten. Ein bisschen wie auf dem Bauernhof. Das Gänseklein mit Kartoffelbrei, das es im Elternhaus immer am Heiligen Abend gab, hat Franzke allerdings nicht übernommen. Wohl aber die Gans, die am 1. Weihnachtstag auch bei ihm jedes Jahr auf den Tisch kommt. „Als Jugendlicher bin ich an Heiligabend mit meiner Schwester nach der Mitternachtsmesse immer feiern gegangen. In der einzigen Kneipe, die dann im Ort noch offen hatte“, erzählt er. „Die Feiertage haben wir dann gemütlich zu Hause mit den Eltern verbracht, mit Schach und Gesprächen am Kamin das Jahr ausklingen lassen.“
Die Familie hat für Franzke ihre Bedeutung als Rückzugsort und Kraftquell behalten. Die Weihnachtsrituale gehören dazu. Das Singen unterm Weihnachtsbaum genauso wie der tschechische Märchenfilmklassiker „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“. Eine große Tanne mit Bienenwachskerzen soll die erst halb möblierte Altbauwohnung schmücken. Dekoriert in Rot oder Gold – da lässt Franzke sich jedes Jahr von seinen Frauen überraschen und strahlt schon jetzt, wenn er sie sich in den hohen Räumen vorstellt.
Er hat noch nie im Altbau gelebt und schwärmt von dem denkmalgeschützten Haus mit seinem Stuck und den Holzböden. Genau so wollten sie in der Berliner Innenstadt leben. Auf die geliebte Gartenarbeit verzichtet er da gern, schließlich sei es ja nicht weit zum Lietzensee und zum Tiergarten, wo er zweimal die Woche seine Runden läuft. Die Tradition und ein Neubeginn, diese Verbindung gefällt Stefan Franzke. Klar, dass er sich auf Weihnachten 2014 besonders freut.




