Denk ich an Weihnachten...

Bei Designerin Nanna Kuckuck ist der Strand das Geschenk

Modedesigerin Nanna Kuckuck zieht es zum Fest in den Urlaub. Meistens geht es in die Sonne – doch in diesem Jahr feiert sie mit ihrer Familie an der Ostsee.

Foto: Reto Klar

Es gibt Momente, die so überraschend sind, dass sie eine einzigartige Magie entwickeln. Einen solchen Moment erlebte Nanna Kuckuck vor einigen Jahren am Heiligabend. Sie war mit Mann und Sohn nach Marrakesch gereist. Das Hotel lag etwa drei Kilometer außerhalb der Stadt auf einer Anhöhe. Nach dem Dinner erkundete die Modedesignerin mit ihrem Sohn das Hotel. Sie fuhren mit dem Fahrstuhl bis aufs Dach und entdeckten einen Jacuzzi. Während zu Hause der Schnee fiel, setzten sie sich bei milden 20 Grad in das blubbernden Wasser und blickten auf die märchenhafte Skyline von Marrakesch. "Dazu Tausende Sterne am Nachthimmel, das war sensationell, wie in einem Film", sagt Nanna Kuckuck. Weihnachten im Whirlpool – das sei etwas Besonderes gewesen.

Seit zehn Jahren verreist die Familie zu Weihnachten. Meer, Sonne, Palmen – an den Feiertagen suchen die Drei Ruhe und Entspannung. Egal, wo sie hinkommen, in jedem Hotel stehe ein Weihnachtsbaum im Foyer, mit großer Sicherheit kreuze auch ein Weihnachtsmann auf, sagt Nanna Kuckuck. Und oft gehe es noch romantischer zu als zu Hause, mit Kerzenlichtern in schicken, verglasten Restaurants und Palmen am Pool, die mit meterlangen Lichterketten umwickelt wurden.

Ägypten, Portugal, Tunesien oder Marokko sind ihre bevorzugten Weihnachts-Ziele. Hauptsache ans Wasser, "das ist die totale Entspannung". Ein Golfplatz sollte auch in der Nähe sein, denn das ist der zweite wichtige Erholungsaspekt für die Familie. "Es ist ein bisschen wie Spazierengehen mit Sport", sagt die Nanna Kuckuck. Man sei die ganze Zeit beieinander und könne in aller Ruhe quatschen. Auf die vier Stunden auf dem Golfplatz folgen am Abend Spiele. Am liebsten "Die Siedler von Catan" – das Spiel ist immer im Gepäck. Dafür gibt es nur Kleinigkeiten zur Bescherung. Die Reise ist das Geschenk – so ist die Vereinbarung für alle. "Natürlich hält sich keiner so richtig daran", sagt Nanna Kuckuck. Von ihrem Sohn habe sie zum Beispiel in den vergangenen Jahren immer eine selbst gemalte Maske bekommen. Davon könne sie jetzt schon eine kleine Ausstellung machen.

Abstrakte Kunst am Baum

Aufgewachsen ist Nanna Kuckuck eher mit einem traditionellen Weihnachtsfest. Geprägt allerdings von einer Künstlerfamilie: Die Mutter ist Malerin, der Vater Bildhauer. Später zieht der Vater nach New York, und sie bleibt mit ihrer Mutter in Berlin. Sie wohnen in Charlottenburg, Steglitz, Neukölln. Die Schule aber wechselt sie nie. Von der ersten Klasse bis zum Abitur besucht Nanna Kuckuck die Wald-Schule am Eichkamp, wo jeder Jahrgang in seinem eigenen Häuschen unterrichtet wird. Nach dem Abitur macht sie eine Ausbildung zur Modedesignerin im Lette-Verein und startet in die Welt der Fashion-Kollektionen. In New York macht sie ihre ersten beruflichen Schritte. Mit ihrer Kollektion geht sie von Boutique zu Boutique, um Aufträge zu bekommen. Das klappt auch – der Grundstein ist gelegt. Doch dann fällt in Berlin die Mauer. "Auf einmal passierte etwas in Berlin, etwas viel Spannenderes als in New York", erzählt sie. Sie geht zurück, mietet eine Laden und besucht Modemessen. Ihr Leben spielt sich jetzt zwischen Atelier und Messen ab.

Bis sie 18 Jahre alt ist, wohnt sie bei ihrer Mutter. Zusammen beziehen sie eine Fabriketage. Ihr Zimmer ist allein 40 Quadratmeter groß, zu erreichen mit einem Fahrstuhl. Die Räume sind sechs Meter hoch, fast genauso riesig und prächtig ist jedes Jahr der Weihnachtsbaum. Tage vor dem Fest geht die große Bastelaktion los. "Da haben wir eine echte Verwüstung angestellt, überall lagen Schnipsel auf dem Boden", erinnert sich Nanna Kuckuck. Auch die Kunstwerke sind etwas Besonderes. Die Mutter liebt die abstrakte Malerei, abstrakt ist auch der Baumschmuck. Mit kleinen Skulpturen behängen die Beiden ihren Weihnachtsbaum. Einen Teil der Bastelarbeiten nehmen sie am Heiligen Abend zu Nanna Kuckucks Großeltern mit.

Jahrelang eingespielte Rituale

Dort gibt es jahrelang eingespielte Rituale. Während ihre Mutter und der Opa Schach spielen, schmückt sie mit der Oma den Baum mit den "Objekten". Die Geschenke kommen wenig später unter den Baum. Sie sind ein Teil des Fests, aber nicht das Wichtigste. Einmal, so erinnert sich Nanna Kuckuck, habe sie einen großen Stoffhund mit langen Schlappohren gesehen. "Ich dachte nie, dass ich ihn kriege", sagt sie. Und dann liegt das Plüschtier unter dem Weihnachtsbaum. Für eine Stereoanlage muss sie in einem Jahr auf ihr Geburtstagsgeschenk im Oktober verzichten. Dafür bekommt sie am Heiligabend die ersehnte Anlage. "Ich habe mich wie eine Schneekönigin gefreut", sagt Nanna Kuckuck.

Mit dem Tod der Großeltern und der Mutter enden die Festrituale. Ein neue Weihnachts-Ära beginnt: die des Reisens. Das "wilde Basteln" aber bleibt. Mit ihrem Sohn hat die Modedesignerin dieses Jahr ein Ast-Objekt an die Decke gehängt, von dem goldener Schmuck und Glasgehänge aus der eigenen Produktion herabhängen. In der gesamten Wohnung sind Lichterketten verteilt.

Die Koffer stehen schon wieder bereit. Dennoch ist in diesem Jahr alles ein bisschen anders. Es geht nicht in die Wärme, sondern mit Freunden in ein Haus an die Ostsee. Das hat einen einfachen Grund: Im Frühjahr hat Nanna Kuckuck eine Reise nach Sri Lanka geplant. "Deshalb haben wir in diesem Jahr etwas in der Nähe gesucht", sagt sie. Lange ausgedehnte Strandspaziergänge, Fondue-Essen, "Die Siedler von Catan" spielen oder Scharade – das wird ihr Fest sein. Vor allem aber mit Ruhe und Entspannung.

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