Grüne Technologien

"Die moderne Version des Goldrauschs heißt Start-up"

Das Projekt Startup4Climate will ökologische Unternehmensgründungen in Berlin fördern. Der Betreiber des CleanTech-Inkubators in Berlins Partnerstadt Los Angeles ruft zur Zusammenarbeit auf

Foto: Cleantech LA Incubator

Wenn der Berliner Serienerfinder Hans Constin zum Kaffeetrinken von Friedenau nach Potsdam fährt, kostet ihn das nur 25 Cent für eine Kilowattstunde Strom. Constin ist dann mit seinem KickTrike unterwegs, einem elektrisch betriebenen Lastendreirad, dessen Akku er zuvor an einer Steckdose aufgeladen hat.

Das KickTrike ist ein Fahrzeug für ein urbanes Umfeld: sicherer als der Hipster-Elektroroller Segway, der auf nur zwei Rädern unterwegs ist, und mit der Möglichkeit, Lasten zu befördern. Zwei große Plastikboxen finden auf dem Dreirad Platz – der Wocheneinkauf für eine Familie, wie der Erfinder sagt. "Es lässt sich mit einem Handgriff zusammenlegen und mit in die Wohnung nehmen", sagt Constin. "Das KickTrike ersetzt im Kiez ein Auto", findet Constin, der "Erfinder" als seinen Beruf angibt.

Das Projekt "Startup4Climate" will Initiativen wie KickTrike fördern und ihre Gründer vernetzen. Diese Initiative für nachhaltige Unternehmensgründungen stellte sich bei einer Veranstaltung des Borderstep Institute und der IHK Berlin im Ludwig-Erhard-Haus vor.

IHK fordert Cluster für Green Economy

Henrik Vagt, bei der IHK für Umwelt und Technologie zuständig, bezeichnete nachhaltige Gründungen als wesentlichen Teil der Berliner Wirtschaft. Sechs Prozent der Beschäftigten entfallen bereits auf diesen Sektor. "Die moderne Version des Goldrauschs heißt Start-up", sagte er. "Und Berlin hält einige Goldadern bereit."

Aus der Sicht der IHK sollten die Standortqualitäten Berlins ausgebaut werden, damit die "Goldsucher" nicht weiter ziehen. "Wir müssen Startups eine Infrastruktur bieten, um sie in Berlin halten zu können."

Der Wirtschaftsstandort Berlin muss sich als einer der nachhaltigsten entwickeln", sagte Vagt. "Es reicht nicht, wenn Leuchttürme leuchten, sie müssen auch sichtbar werden und in Stadt Anwendung finden." Ferner brauchen wir ein regulatives Umfeld, das Innovation fördert und fordert. Vagt sprach sich für den Aufbau eines Cluster für Green Economy aus.

Erfolgreicher Brutkasten für Öko-Start-ups

Fred Walti, der Geschäftsführer des CleanTech-Inkubators aus Berlins Partnerstadt Los Angeles, unterstrich, dass nachhaltige Innovation einen globalen Marktplatz erfordere und appellierte zur Zusammenarbeit der beiden Partnerstädte. Los Angeles scheint bei der Förderung nachhaltiger Unternehmen schon ein Stück weiter als Berlin. Der "Brutkasten" für ökologische Start-ups weist gut zwei Jahre nach seiner Gründung bereits einige Erfolge auf.

In 25 Monaten gingen aus dem je zur Hälfte privat und öffentlich finanzierten Inkubator 28 Start-ups für ökologische Projekte hervor. Business Angels und Wagniskapitalgeber investierten insgesamt 23 Millionen Dollar in die Gründungen. So entstanden 280 Arbeitsplätze. Eine Firma schaffte den gewinnbringenden Verkauf, ein Unternehmen machte einen Jahresumsatz von zehn Millionen US-Dollar. Der Grundstein für den Innovations-Campus wurde in Los Angeles bereits gelegt. Walti lud Berliner Gründer zu dessen Eröffnung im Jahr 2015 in die kalifornische Metropole ein.

Serienpreis für das KickTrike von 2000 Euro

Nach der Veranstaltung in der IHK steigt Constin wieder auf sein KickTrike und rollt lautlos nach Hause. Von dem Gefährt gibt es bislang nur zwei Prototypen, einer werde momentan auf einer Messe im südkoreanischen Seoul ausgestellt, sagt Constin stolz. Mit dem anderen fährt er durch Berlin. 3000 bis 4000 Euro solle das umweltfreundliche Gefährt einmal kosten. Drei Versionen sind geplant: für eine Höchstgeschwindigkeit von sechs, 25 und 45 Stundenkilometer – die schnelleren Modelle sind wie Mofas mit einem Versicherungskennzeichen ausgestattet.

© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.