9.20 Uhr: Michelle Obama am Holocaust-Mahnmal erwartet

„Dichter kommen Sie nicht dran“, sagt der Polizist an der Absperrung des Holocaust-Mahnmals an der Ecke Hannah-Arendt-Straße in Berlin-Mitte. Hier wird in einer halben Stunde die First Lady Michelle Obama mit dem Ehemann der Bundeskanzlerin, Joachim Sauer, erwartet. Ein paar Kamerateams haben sich schon aufgebaut, in der Sonne schwitzen die dunkel uniformierten Beamten bereits.

Michelle Obama absolviert am Mittwoch teilweise ein eigenes Programm. So wird die First Lady die Mauer-Gedenkstätte und das Holocaust-Mahnmal besuchen. Die Kinder sollen im Sony-Center Kinofilme schauen. Die Morgenpost-Reporter sind dabei und berichten.

9.34 Uhr: Michelle Obama verlässt das Hotel Ritz-Carlton

Die First Lady macht sich auf den Weg. Durch den Seitenausgang verlässt sie das Hotel Ritz Carlton am Potsdamer Platz. Michelle Obama sagt: „Hi, how are you doing?“, lächelt, winkt, und verschwindet durch den Seitenausgang, so wie ihre Töchter.

Während ihr Mann Barack Obama politische Gespräche führt, informiert sich die First Lady über die deutsche Geschichte.

9.36 Uhr: Radfahrer müssen Umleitung nehmen

Von Michelle Obama noch keine Spur. Die Polizei, hier Beamte aus Hamburg, müssen dafür alle zwei Minuten von der Sperrung überraschten Radfahrern erklären, wie sie nun zum Tiergarten, zur S-Bahn oder Richtung Reichstag kommen.

10.00 Uhr: In Begleitung von Obamas Halbschwester durch das Stelenfeld

Die First Lady war so kurz am Stelenfeld, dass kaum jemand es wahr nahm. Zumal es keine Absperrungen gab. Schaulustige sind enttäuscht, Journalisten und Kamerateams auch.

Für Passanten kaum zu entdecken, hat Michelle Obama das Denkmal für die ermordeten Juden Europas besucht. Sie ging ein Stück durch das wellenförmige Feld mit rund 2700 Betonstelen. Begleitet wurde sie von ihren Töchtern und Barack Obamas Halbschwester Auma.

Am Holocaust-Mahnmal tut sich etwas. Ein Fahrzeug-Konvoi hält auf der Westseite des Stelenfeldes an der Ebertstraße.

10.10 Uhr: First Lady wird an Mauer-Gedenkstätte erwartet

Zwischen der Eberswalder Straße und der Bernauer Straße in Prenzlauer Berg ist bereits massiv Polizeipräsenz zu sehen. Die Brunnenstraße ist in Richtung Bernauer für den Autoverkehr gesperrt. Hier wird in den nächsten Minuten Michelle Obama eintreffen, um sich die Mauer-Gedenkstätte anzusehen.

Derzeit flanieren nur ein paar Touristen und Schülergruppen über die Bernauer Straße. Vom Besuch der amerikanischen First Lady scheinen sie nichts zu wissen.

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Noch können Schülergruppen in den Innenbereich der Mauer-Gedenkstätte. Die Polizei wird diesen Bereich aber bald räumen. Auch das Besucherzentrum ist bereits geschlossen worden. Ein Sprecher der Berliner Polizei sagt, er wisse auch noch nicht wann genau und über welche Straße die Autokolonne mit Michelle Obama hier ankomme. „Ich kann nur sagen, dass sie hier in der Ackerstraße ankommen.“

10.40 Uhr: Michelle Obama besichtigt Mauer-Panorama

Bevor es nach Prenzlauer Berg geht, machte Michelle Obama Station am Checkpoint Charlie in Kreuzberg. Dort hat sie das Mauer-Panorama des Künstlers Yadegar Asisi besichtigt.

Die Gattin des US-Präsidenten wurde bei diesem Abstecher in das 15 Meter hohe und 60 Meter breite Rundbild ebenfalls von ihren Töchtern Malia und Sasha begleitet.

10.50 Uhr: Sicherheit an Gedenkstätte wird verstärkt

Das Dach des Dokumentationszentrums Gedenkstätte Berliner Mauer wird von einem Security-Mann geräumt. „You have to leave now, Sir!“, sagt er. Männer mit schwarzen Sonnenbrillen bewachen das Gebäude. Die Polizeipräsenz wird hier jetzt noch stärker. Der erste Hubschrauber ist zu sehen. Selbst in mancher Garageneinfahrt stehen Polizeiwagen an der Bernauer Straße.

Die Spannung steigt. Keiner kommt jetzt mehr über die Bernauer Straße im Bereich der Gedenkstätte. Ein kleiner Junge wird von einem Polizisten höflich darauf hingewiesen, um den ganzen Block zu gehen. Auch eine Jugendliche wenige Sekunden später läuft jenem Polizisten in die breit ausgestreckten Arme. Sie versteht die Welt nicht mehr, als auch sie gebeten wird, den Umweg zu nehmen.

Als Polizisten Passanten erklären, dass es im Augenblick kein Durchkommen gibt, schießt ein Radfahrer in hohem Tempo und unbemerkt durch alle hindurch. Gelächter von den Passanten. Der Radfahrer klingelt anerkennend.

11.10 Uhr: Neugierige Anwohner auf den Balkonen

Obwohl die Anwohner im Voraus aufgefordert wurden, die Fenster zu schließen, haben sich einige schon auf ihren Balkonen in Stellung gebracht. Die First Lady der USA Ist schließlich nicht alle Tage zu Besuch. Das will man sich nicht entgehen lassen.

Eine Frau mit einem großen Blumenstrauß geht in den Innenbereich der Mauer-Gedenkstätte. Ist der zur Begrüßung der First Lady gedacht? Eigentlich unpassend an so einem historischen Ort. Eher wird der Strauß Michelle Obama übergeben, damit sie ihn zum Gedenken niederlegen kann.

Ein Security-Mann zerstört alle Hoffnung der rund 50 wartenden Schüler vor der Mauer-Gedenkstätte, einen Blick auf Michelle Obama werfen zu können: „Das dauert noch mindestens eine Stunde, bis sie kommt. Und wir sperren das Gebiet hier weiträumig ab.“ Derweil wird der Sicherheitsabstand auf 50 Meter vergrößert.

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11.30 Uhr: Michelle Obama ist an der Mauer-Gedenkstätte

Niemand hat sie gesehen. Michelle Obama hat sich in einem Pulk von Begleitern unsichtbar gemacht. Erst als die Gruppe im Besucherzentrum der Gedenkstätte Berliner Mauer verschwindet, geht ein enttäuschtes Raunen durch die Menge. „Verdammt, hier sieht man ja gar nix“, sagt eine sichtlich geknickte Schaulustige.

11.50 Uhr: Malia Obama lauscht aufmerksam den Erklärungen

Die First Lady und ihre beiden Töchter steigen auch auf die Aussichtsplattform des Besucherzentrums. Ein Mann erklärt ihnen die Geschichte und deutet in alle Himmelsrichtungen. Aus rund 50 Metern Entfernung rufen Fans „welcome to Berlin“.

Obamas älteste Tochter Malia (14) hört aufmerksam zu, was der Guide über den Mauerstreifen seit zehn Minuten erzählt. Michelle und Sasha (12) halten sich im Hintergrund. Von der Aussichtsplattform haben die Obamas einen guten Blick über das Areal. Unten warten Schaulustige.

Am Rundgang nimmt auch der Ehemann der Kanzlerin, Joachim Sauer, teil. Später wollten Michelle Obama und er Rosen in die Hinterlandmauer stecken.

Die ersten Schülergruppen und Schaulustigen vor der Absperrung gehen wieder. „Hier gibt es nichts zu sehen. Nicht einmal winken kann sie“, sagt ein Mädchen.

11.57 Uhr: Shoppingtour am Potsdamer Platz möglich

Das Damenprogramm der Obamas sieht laut Fernsehsender N24 so aus: Nach der Mauer-Gedenkstätte werden Michelle Obama mit den Töchtern Malia und Sasha den Reichstag besichtigen und danach bei der Rede Barack Obamas am Brandenburger Tor dabei sein.

Am Nachmittag steht angeblich eine Shoppingtour an. Dafür sollen die Potsdamer Platz Arkaden komplett abgesperrt werden. Eventuell gehen die Kinder auch noch ins Kino.

12.20 Uhr: Besuch an der Berlin Mauer ist beendet

Michelle Obama verlässt die Gedenkstätte Berliner Mauer. Erste Limousinen und Vans setzen sich in Bewegung. Für die rund 200 Schaulustigen bleibt der Eindruck eines Nicht-Spektakels und der Blick auf schwarze, gepanzerte Fahrzeuge „made in USA“.

An der Bernauer Straße löst sich alles auf. Ein Secret-Service-Beamter reicht einem Berliner Polizisten die Hand: „Thank you, Sir!“, sagt er. Die Absperrungen werden aufgehoben. Der Trubel ist vorbei.

Zuvor hatte die First Lady Michelle Obama den Innenraum der Gedenkstätte Berliner Mauer rund zehn Minuten besichtigt. Jetzt verlässt sie mit ihren Töchtern und der Entourage das Gelände, schlendert hinaus auf die Straße.

An der Bernauer Straße sind etwa 200 Meter Mauer erhalten. Die Gedenkstätte erinnert an die Opfer des DDR-Grenzregimes. Die Obamas ließen sich historische Aufnahmen zeigen und steckten rote und gelbe Rosen in Spalten der Hinterlandmauer. Dadurch blickten die Kinder auf den früheren Todesstreifen.

12.40 Uhr: Zwischen Michelle Obama und Künstler Asisi hat es „gemenschelt“

Der Künstler des „Mauer-Panoramas“ am Checkpoint Charlie, Yadegar Asisi, zeigt sich vom Besuch der First Lady beeindruckt. „Es hat wirklich gemenschelt“, berichtete er am Mittag nach der Visite in einem Telefonat mit der Nachrichtenagentur AFP. „Es war eine sehr gelöste Atmosphäre, wir haben fast eine Stunde miteinander geredet.“

Um die strengen Vorgaben des Protokolls habe sich keiner geschert, sagte Asisi. Er hoffe, dass die Obamas eine lebendige Erinnerung an die Zeit der Teilung Berlins mit nach Washington nehmen.

Mit von der Partie waren auch Obamas Halbschwester Auma und der Mann von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Joachim Sauer. „Herr Sauer hat Geschichten erzählt, und Frau Obama hat viele Fragen gestellt“, sagte der in Wien geborene Asisi.

Auch die beiden Präsidententöchter Sasha und Malia hätten großes Interesse an der Berliner Mauer gezeigt: „Die kleine Sasha sagte: Das ist ja sehr traurig.“

In seinem Werk am früheren Grenzübergang zwischen Ost- und West-Berlin hat Asisi ein Panorama des Alltagslebens auf beiden Seiten der Mauer entworfen.

13.30 Uhr: Mittagspause im Hotel am Potsdamer Platz

Nach dem Besuch des Holocaust-Mahnmals, des ehemaligen Grenzübergangs Checkpoint Charlie und der Gedenkstätte Berliner Mauer sind zumindest die Obama-Töchter Sasha und Malia erst einmal für eine Pause ins Hotel Ritz Carlton am Potsdamer Platz zurückgekehrt.

Hartnäckig halten sich die Gerüchte, dass die Damen der Familie Obama noch einkaufen gehen und ins Kino wollen.

15.30 Uhr: Michelle und Töchter schwänzen Rede

Michelle und die Töchter haben sich die Rede des US-Präsidenten gespart. Das sei das Letzte was sie wollten, entschuldigte sie Barack Obama in seiner Rede am Brandenburger Tor. Sie würden vielmehr Berlin erkunden. Doch offenbar war ihnen die Hitze zuviel. Demnach fuhren sie nach dem Besuch des Reichstags in das Hotel zurück, um sich dort auszuruhen. Zwischenzeitlich gab es Gerüchte, dass Mutter und Töchter in den Potsdamer Platz Arkaden einkaufen gehen wollten. Das scheint sich aber nicht zu bestätigen.

18.00 Uhr: Ein Nachmittag im Hotel

Michelle Obama hat offenbar den ganzen Nachmittag in ihrer Suite verbracht. Offenbar wegen der brütenden Hitze in Berlin. Zuvor hat sie in Berlin das Holocaust-Mahnmal, die Mauer-Gedenkstätte Bernauer Straße und den Checkpoint Charlie besucht.

18.45 Uhr: Gemeinsam zum Bankett

Gemeinsam mit ihrem Mann fährt Michelle Obama ins Schloss Charlottenburg zum festlichen Bankett.

BM