Berliner Perlen

Edle Weine aus Griechenland gibt es in Charlottenburg

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Martin Schwarz
Inhaber Christos Tziolis stammt selbst aus einer Weinbauerfamilie.

Inhaber Christos Tziolis stammt selbst aus einer Weinbauerfamilie.

Foto: Martin Schwarz

Seit 25 Jahren ist Christos Tziolis eine Instanz für griechischen Wein in Berlin. Ein Besuch in seinem Charlottenburger Laden „Cava“.

Berlin. Udo Jürgens hat ihm 1974 ein musika­lisches Denkmal gesetzt: dem griechi­schen Wein. Doch ähnlich wie in Deutschland, wo in den ­vergangenen 25 Jahren junge Winzer neue, geschmacksintensive Wege beschritten haben, hat sich der Weinanbau in Griechenland enorm entwickelt. So ist es kein Zufall, dass genau zu jener Zeit, im Jahr 1997, der aus dem mittelgriechischen Thessalien stammende Christos Tziolis seine Weinhandlung „Cava“ unweit des schönen Gierkeplatzes in Charlottenburg eröffnet hat.

Denn damals war sich der aus einer Weinbauernfamilie stammende – sein Urgroßvater war Winzer – und bereits in den 1970er-Jahren nach Deutschland ausgewanderte Grieche sicher, dass das mit den neuen griechischen Weinen keine Alltagsfliege ist. „Die jungen Leute knieten sich damals ins Winzergeschäft hinein. Man muss hart arbeiten, von allein passiert nichts. So entdeckten sie alte griechische Rebsorten wieder neu“, sagt Tziolis. Er kann heute von sich behaupten, nicht nur die beste und größte Auswahl an griechischen ­Weinen Berlins, sondern ganz Deutschlands im Angebot zu haben. Und das gelingt ihm, weil er mit vielen wichtigen Winzern einen direkten Kontakt hält und auch mit kleinen Produzenten zusammenarbeitet, wenn deren Qualität stimmt.

Beim Besuch im „Cava“ sollte man allerdings offen sein für Neues, denn die meisten griechischen Rebsorten, vor allem die autochthonen – also jene, die es nur an bestimmten Hängen in Hellas gibt –, sagen einem nichts. Oder haben Sie schon einmal von Agiorgitiko gehört, eine der ältesten roten Rebsorten der Welt? Oder von der ebenfalls roten Xynomavro? Oder die weiße Rebsorte Assyrtiko, die ursprünglich von der ­Kykladeninsel Santorin kommt?

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Christos Tziolis arbeitet auch mit kleinen Winzereien zusammen

Sollte Sie jetzt ein Gefühl der Überforderung beschleichen – keine Bange, Herr Tziolis und seine kundigen Mitarbeiter wissen Bescheid. Denn sie kennen selbstverständlich nicht nur die griechischen edlen Tropfen: „Wenn ich nur über die Weine aus meiner Heimat Bescheid wüsste, wäre ich nur ein halber Weinexperte“, sagt Tziolis. Und so hat er nichts dagegen, wenn Neulinge seinen schlicht eingerichteten, aber atmosphärischen Laden betreten und sich über internationale Weine an die Auswahl herantasten. Wenn man also den Geschmack eines Chiantis schätzt, dann sind im „Cava“ etliche Weine vorrätig, deren Geschmack in die Chianti-Richtung geht, die aber immer auch ihren eigenen Charakter mitbringen. Andere Kunden sind im Urlaub auf den Geschmack gekommen und fragen nun hier nach den Rebsorten nach.

Kommen wir zum Retsina, dem aus der weißen Rebsorte Savatiano ­gewonnenen, mit Harz versetzten Wein, der sich auch in unseren Breitengraden großer Beliebtheit erfreut und nur in Griechenland hergestellt werden darf. Die Qualitätsunterschiede des Retsinas sind beträchtlich. Das durfte der Autor im Urlaub auf der Insel Samos selbst feststellen. Dort wurde für wenig Geld ein Retsina kredenzt, der mit seiner trotz des Harzes unglaublichen Frische weit von der Massenware in deutschen Supermärkten entfernt war. Das hat auch einen organisatorischen Grund: „Seit 1934 sind die Winzer auf Samos genossenschaftlich organisiert, unterstützen sich gegenseitig und können so auch faire Preise garantieren“, sagt Tziolis. „Eigentlich halte ich von Genossenschaften nicht viel, aber diese ist gut.“ Und natürlich hat er exquisiten Retsina in den Regalen.

Außerdem bietet das „Cava“ auch diverse andere griechische Spezialitäten an: von hervorragendem Olivenöl über Honig, Wurst, Kapern, Feta bis Oliven – „die Sorte Koroneiki ist die beste, wunderbar fruchtig und mild“, sagt der Fachmann. Tziolis vertreibt auch stärkeren Alkohol. Kreta-Urlauber sind oft überrascht, wenn ihnen auf der Insel ein Raki serviert wird, der nicht wie der namensgleiche türkische Schnaps nach Anis schmeckt, sondern wie ein Trester. Außerhalb von Kreta heißt dieses Getränk Tsipouro, die Auswahl in der Weinhandlung „Cava“ braucht sogar den Vergleich mit dem italienischen Grappa nicht zu scheuen. So ist Christos Tziolis nicht nur Weinexperte, sondern auch ein prima Repräsentant und Werber für seine Heimat.

Weinhandlung Cava Schustehrusstr. 20, Charlottenburg, Tel. 342 03 68, Mo.–Fr. 12–19 Uhr, Sbd. 10–16 Uhr, www.cava-griechischerwein.de

Weinhandlungen in Berlin – eine Auswahl

  • Suff Naturweine und eine Auswahl an internationalen Tropfen. Oranienstr. 200, Kreuzberg, Tel. 614 21 48, Mo.–Do. 13–19.30 Uhr, Fr. 11–19.30 Uhr, Sbd. 11–17 Uhr, www.suffberlin.de
  • Inofilos Andreas und Sonja Buxbaum importieren die Weine und Spirituosen für ihren griechischen Weinladen. Schliemannstr. 35, Prenzlauer Berg, Tel 41 20 34 06, Mo.+Di. 13–20 Uhr, Mi.+Do. 13–19 Uhr, Fr. 11–20.30 Uhr, Sbd. 10–19 Uhr, www.inofilos.de
  • Viniculture Ein anspruchsvoller Weinladen. Grolmanstr. 44, Charlottenburg, Tel. 883 81 74, Mo.–Sbd. 12–19 Uhr, www.viniculture.de
  • Weinmichel Junge und gestandene Winzer. Bayerischer Platz 8, Schöneberg, Tel. 40 04 87 97, Mo.–Fr. 12–20 Uhr, Sbd. 10–18 Uhr; Berkaer Str. 40, Schmargendorf, Tel. 40 04 87 97, Mo.–Fr. 11–19 Uhr, Sbd. 10–18 Uhr, www.weinmichel.net
  • Wein & Glas Compagnie Mehr als 30 Jahre vinophile Erfahrung. Prinzregentenstr. 2, Wilmersdorf, Tel. 235 15 20, Mo.–Fr. 10–18.30 Uhr, Sbd. 10–16 Uhr, www.weinundglas.com
  • 8greenbottles Der Laden in Prenzlauer Berg ist eine Empfehlung für Liebhaber von Naturweinen. Senefelderstr. 34, Prenzlauer Berg, Tel. 95 60 37 02, Di.–Fr. 15–20 Uhr, Sbd. 12–20 Uhr, www.8greenbottles.de