Den meisten Berlinern wird die Szene bekannt vorkommen: Man steht am Bahnhof vor dem Ticketautomaten, da wird man plötzlich angesprochen: „Interesse an einem Fahrschein? Ich brauche ihn nicht mehr. Gilt noch den ganzen Tag. Zum kleineren Preis, natürlich.“
Das kann ein schnelles Schnäppchen sein – oft wird es allerdings zur Straftat. Mehr als 200 Mal pro Monat erstattet die S-Bahn Strafanzeige gegen Fahrgäste, die mit einem gefälschten oder manipulierten Fahrausweis erwischt wurden. Dem Unternehmen gehen nach eigenen Angaben so jährlich Millionen Euro an Einnahmen verloren. Bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) kam es 2013 zu insgesamt 1334 Anzeigen, die entsprachen einem Gegenwert von 26.000 Euro. Der tatsächliche Schaden sei deutlich höher. „Die Gefahr, erwischt zu werden, ist groß. Und das bei einem geringen Mehrwert. Das sollte man sich gut überlegen“, sagt S-Bahn-Sprecher Ingo Priegnitz.
Auch hier gilt: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Betroffene machen sich des Betrugs und der Urkundenfälschung schuldig. Selbst wenn die geprellten Fahrgäste glaubhaft versichern, nicht mit böser Absicht gehandelt zu haben, erstattet die S-Bahn grundsätzlich Anzeige. Dies sei notwendig, um die polizeilichen Ermittlungen nach den Betrügern einzuleiten. „Die Täter sind oft in Banden organisiert“, sagt Priegnitz. Dass Fälschungen vorliegen, sei für Laien meist nicht erkennbar. Die Betrüger nutzen vor allem die Unkenntnis von Touristen und Gelegenheitsfahrern. Zudem sind viele in Internetauktionshäusern wie Ebay aktiv und bieten dort höherpreisige Zeitkarten an.
Insgesamt lag der Anteil der Schwarzfahrer bei der S-Bahn 2013 bei 4,5 Prozent, bei der BVG bei knapp vier Prozent. Die S-Bahn reagiert und will demnächst 80 statt wie bisher 72 Kontrolleure einsetzen.





