Bislang ist alles offen, eine Entscheidung steht noch aus – und dennoch bewegt der geplante Umbau der katholischen St. Hedwigs-Kathedrale in Berlin bereits die Gemüter. Zum Abschluss der ersten Phase eines Architektenwettbewerbs sitzt in dieser Woche eine hochkarätige Jury zusammen. Denkmalpfleger, Architekten, Kunsthistoriker und Bischöfe sollen aus mehr als 160 Entwürfen 15 auswählen, die in einer zweiten Phase „weiter konkretisiert und bearbeitet werden“.

Anfang Juli sollen die Preisträger bekanntgegeben werden, verspricht das Erzbistum Berlin. Fest steht bislang offenbar nur eines: Das Bauvolumen und die damit verbundenen Kosten für den Umbau im Innenraum der Kirche sind noch völlig offen. Dafür, dass der Finanzaufwand nicht ausufert, soll schon die Jury sorgen, in der neben dem Berliner Erzbischof Rainer Maria Woelki und seinem Würzburger Amtsbruder Friedhelm Hofmann etwa Senatsbaudirektorin Regula Lüscher und der oberste Denkmalpfleger der Hauptstadt, Jörg Haspel, sitzen.

Äußere Gestalt der Berliner St. Hedwigs-Kathedrale bleibt wohl erhalten

Die äußere Gestalt von Berlins ältestem und wohl bekanntestem katholischen Gotteshaus wird voraussichtlich nicht angetastet. „Wir hoffen auf einen Entwurf, der viele überzeugen wird“, sagt der Sprecher des Erzbistums, Stefan Förner. Schon unter dem Vorgänger Rainer Maria Woelkis, Erzbischof Georg Sterzinsky, war im damals hoch verschuldeten Erzbistum die Rede von notwendigen Sanierungen oder gar einem Umbau der Bischofskirche. Nicht nur die Technik ist überholungsbedürftig. Vor allem fehlt es in der Kirche schlicht an Platz. So ist etwa seit der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg die Sakristei in einer Kapelle untergebracht. Im Ausschreibungstext für den Architektenwettbewerb ist von einer „Überforderung“ der Kirche die Rede.

Mittlerweile ist die Bischofskirche Ort zahlreicher Veranstaltungen mit überregionaler Bedeutung. So kam beispielsweise vor gut einem Jahr, Ende Februar 2013, zum Rücktritt von Papst Benedikt XVI. das Bundeskabinett in St. Hedwig zum Gottesdienst zusammen. Die Kathedrale steht im Herzen der Hauptstadt – die Politik hat somit kurze Wege. In Zeiten von Verschwendungsvorwürfen gegen den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz van Elst und eines Papstes Franziskus, der sich den Armen zuwendet, ist ein teurer Kirchenumbau allerdings schwer öffentlich zu vermitteln. So forderte in dieser Woche der Diözesanrat einen Umbau „mit Augenmaß“.

Kirche Treffpunkt für Katholiken aus Ost- und West-Berlin

Dabei erinnerte das oberste Laiengremium daran, dass die Kirche zu DDR-Zeiten ein Treffpunkt für Katholiken aus Ost- und West-Berlin und „heimlicher Platz der deutschen Einheit“ gewesen sei. Und er fordert eine Beteiligung an der Diskussion. Dabei geht es erst einmal nicht ums Geld, sondern um die künftige Gestalt des Innenraums. Woelki hält den heutigen Zustand für nicht mehr zeitgemäß. Schließlich soll sich die Gemeinde um den Altar versammeln können. In der Mitte des Raums klafft aber eine große Öffnung zur Unterkirche. Eine Folge des letzten Umbaus durch den Architekten Hans Schwippert Anfang der 1960er-Jahre, der „die maßgeblichen Beschlüsse für die Liturgie nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil noch nicht berücksichtigen“ konnte, wie es in der Ausschreibung heißt.

Die Gemeinde sitzt in dem nüchtern gestalteten Innenraum also nicht vor dem Altar, sondern links und rechts von der Unterkirche mit schrägem Blick auf Prediger und Altar. Einzig die Orgel und der Chor stehen dem Altar direkt gegenüber. Vermutet wird, dass sich eine Schließung der Unterkirche auch positiv auf die Akustik auswirken könnte. Förner betont allerdings, es gebe keine Vorgabe an die Architekten, den zentralen Zugang zur Unterkirche aufzugeben. Es bleibe abzuwarten, welche Entwürfe die Planer einreichten, um das „Vermächtnis der Vergangenheit für die Zukunft zu erhalten“.

Die St. Hedwigs-Kathedrale war der erste katholische Kirchenneubau Berlins nach der Reformation. Modell für den 1773 geweihten klassizistischen Kuppelbau war das römische Pantheon.

epd