Kardinal Rainer Maria Woelki hat am Freitag eine von 2800 Katholiken unterzeichnete „Petition“ zur Reform des Erzbistums Berlin entgegen genommen. Ein Initiativkreis überreichte ihm die Unterschriften im Erzbischöflichen Ordinariat. Sie wurden seit Herbst 2013 in Berlin, Brandenburg und Vorpommern gesammelt. Woelki hatte die Reform vor gut einem Jahr eingeleitet.

„Große Strukturen führen in der Pastoral (Seelsorge) meist zu Anonymisierung, Heimatlosigkeit und Identitätsverlust“, heißt es in dem Brief, den die Initiative unter Leitung des früheren katholischen Zentralkomitee-Präsidenten Prof. Hans Joachim Meyer am Freitag an Woelki übergab. Die Unterzeichner forderten mehr Mitsprache bei dem Prozess.

Die Petition wendet sich vor allem dagegen, die derzeit 105 Kirchengemeinden bis 2020 zu rund 30 Großpfarreien zusammenzulegen. Stattdessen plädieren die Unterzeichner für kooperierende Gemeinschaften von Pfarreien, die in ihrem gegenwärtigen kirchenrechtlichen und finanziellen Status verbleiben. Woelki hatte dagegen bereits eingewandt, dass solche Pfarreiengemeinschaften mehr Verwaltungsaufwand mit sich brächten als Großpfarreien.

„Konstruktives Gespräch“ gewünscht

Der Kardinal dankte bei der Übergabe für das Engagement des Initiativkreises. Er sicherte ihm zu, dass die Anliegen in die Koordinierungsgremien der Reform eingebracht würden. Der Erzbischof betonte zugleich, es gehe auch um ein neues Verständnis kirchlichen Lebens. Schon jetzt seien viele Pfarrgemeinden, Schulen und Caritas-Einrichtungen dabei, Konzepte für ein gemeinsames Engagement zu entwerfen.

Als Vertreter der Initiativgruppe sagte der frühere Präsident des Zentalkomitees der deutschen Katholiken, Hans Joachim Meyer, die Petition solle zu einem „konstruktiven Gespräch“ beitragen. Die Unterstützer teilten die Sorge um die Zukunft des Erzbistums. Allerdings fragten sie sich, „ob der Weg der Umstrukturierung zu 30 Großpfarreien gelingen kann“. Die meisten Katholiken erlebten Kirche „in konkreten Gemeinden“. Die bereits vor zehn Jahren erfolgten Gemeindefusionen hätten dazu geführt, dass sich „nicht wenige Menschen“ abgewandt hätten.

An dem Treffen nahm auch der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse teil. Er erklärte anschließend, es gehe den Kritikern um eine andere Vorstellung über Weg und Ergebnis des Reformprozesses. Er müsse von den Erfordernissen der Gemeinden ausgehen, „nicht von der Zahl der zur Verfügung stehenden Priester“.

Meyer sprach sich auch für einen „synodalen Gesprächsvorgang“ über die Reform aus. Zugleich würdigte er die Veranstaltungen der Stabsstelle, von der die Reform koordiniert wird. Deren Leiter Markus Weber gab an, an den bisher 120 Diskussionen hätten sich mehr als 6000 Katholiken beteiligt.

KNA/dpa/sei