Berlin-Mitte

Erzbistum startet Wettbewerb für Bischofskirche St. Hedwig

Die Sankt-Hedwigs-Kathedrale auf dem Bebelplatz in Berlin-Mitte muss dringend saniert werden. Nun sollen Architekten Vorschläge für einen Umbau erarbeiten. Es geht vor allem um „das Loch“.

Foto: Michael Brunner

Das Erzbistum Berlin startet an diesem Freitag einen Architektenwettbewerb für die Sankt-Hedwigs-Kathedrale auf dem Bebelplatz in Mitte.

Es geht um eine „Neugestaltung des Innenraums und des baulichen Umfelds“, sagte Rainer Maria Kardinal Woelki. Das 1774 geweihte Gotteshaus ist eines der historischen Wahrzeichen Berlins. Es wurde im Zweiten Weltkrieg stark zerstört und bis 1963 – innen in moderner Form – wiederaufgebaut.

Die Bischofskirche sei rund 50 Jahre nach der letzten umfassenden Renovierung dringend sanierungsbedürftig, so Woelki. Ein Anlass sind marode Elektrik, feuchte Fundamente und verschmutzte Wände. Die letzte umfassende Renovierung liegt 50 Jahre zurück, als der Wiederaufbau der bombenzerstörten Kirche abgeschlossen wurde. Chor und Orchester erhielten dabei provisorische Standorte, die als unbefriedigend gelten. Doch außer diesen Erfordernissen geht es vor allem um „das Loch“.

„Am Altar habe ich das große Loch vor mir“

Der Begriff beschreibt eine Besonderheit, die sonst keine Bischofskirche in Deutschland aufweist. Es ist eine rund acht Meter große Öffnung im Zentrum des Baus, umgeben von einem Geländer. Vor dem Hauptaltar der Kathedrale führt dort eine Treppe in die Unterkirche zu einem weiteren Gottesdienstbereich mit Altar, der von Grabkapellen umgeben ist. Dort ruhen die Berliner Bischöfe und der seliggesprochene Dompropst Bernhard Lichtenberg (1875-1943), der seinen Protest gegen die Judenverfolgung mit dem Leben bezahlte.

Die Treppenanlage hat keinen Vorläufer im ursprünglichen Konzept der Hedwigskirche. Sie stammt vom renommierten Düsseldorfer Nachkriegs-Architekten Hans Schwippert (1899-1973), der den Wiederaufbau leitete. Sie sollte der Oberkirche im Untergeschoss einen zusätzlichen Raum erschließen, erklärt Jan Krieger, der das bauhistorische Gutachten für die Sanierung erstellte.

Von Anbeginn stieß Schwipperts Konzept auf Kritik. Nun erhält sie durch Kardinal Rainer Maria Woelki neuen Nachdruck. „Am Altar habe ich das große Loch vor mir“, klagt der Berliner Erzbischof. „Und die Gottesdienstgemeinde ist links und rechts in zwei Lager geteilt.“ Damit verhindert es das Raumkonzept nach Woelkis Worten geradezu, die liturgische Reform des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) umzusetzen, der zufolge sich die Gläubigen um den Altar versammeln.

Beim Denkmalschutz gute Karten

Mit diesem theologischen Argument hat das Erzbistum gute Karten. „Wenn es nur nach dem Denkmalschutz ginge, würde die architektonische Rarität unangetastet bleiben“, betont Rudolf Lückmann, der den Architektenwettbewerb im Auftrag des Erzbistums organisiert. Bei Kirchenbauten sieht das Berliner Denkmalschutzgesetz jedoch vor, dass auch theologische Kriterien berücksichtigt werden müssen.

Vom Wettbewerb, an dem sich zunächst Architekten aus aller Welt beteiligen können, erhofft sich Kardinal Woelki nun „kreative Lösungen“. Er ist nach eigenen Bekunden „offen für eine Fortschreibung der jetzigen Lösung und für eine Neukonstruktion“.

Zum Sanierungsprojekt gehört auch das benachbarte Bernhard-Lichtenberg-Haus. Dort soll nach den Worten von Diözesancaritasdirektorin Ulrike Kostka ein „Ort der Begegnung“ von Kathedralbesuchern und ausgegrenzten Menschen entstehen. Als Beispiel nannte sie arme und reiche sowie behinderte und nichtbehinderte Menschen. Damit wolle das Erzbistum dem Beispiel der Patronin der Kathedrale, der heiligen Hedwig von Schlesien (1174-1243), folgen, die für ihr soziales Engagement verehrt wird.

„Wir wollen ein möglichst transparentes Verfahren“, verspricht der Kardinal. Einen „Fall Limburg“ soll es nicht geben, versichert er in Anspielung auf das umstrittene Diözesanzentrum von Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst.

Entscheidung soll am 30. Juni 2014 fallen

Der Architektenwettbewerb ist zunächst für alle Vorschläge offen. Für die zweite Phase ab März 2014 werden daraus 15 Beiträge ausgewählt. Die Entscheidung soll am 30. Juni 2014 fallen.

Der Fachjury gehören zehn Architekten an, die Erfahrungen mit Kirchenbauten vorweisen können, unter ihnen die frühere Kölner Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner. Unter den Sachpreisrichtern sind außer Woelki auch Berlins Landeskonservator Jörg Haspel, die bisherige Vorsitzende des Bundestags-Kulturausschusses, Monika Grütters (CDU), und der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD).

Die Preisgelder belaufen sich auf insgesamt 270.000 Euro. Der Kostenumfang der Baumaßnahmen hänge vom ausgewählten Konzept ab und sei derzeit noch nicht zu beziffern, sagte Woelki. Das Projekt solle jedoch vor allem durch Spenden, Stiftungen und staatliche Fördermittel finanziert werden, so der Kardinal. Er sicherte zugleich zu, das Vorhaben solle „so offen und transparent wie möglich“ umgesetzt werden.