Im Rennen um den künftigen Betrieb der S-Bahn hat sich die Deutsche Bahn offenbar auf ein Bietermodell geeinigt. Sie will den Zuschlag für den Betrieb des S-Bahn-Netzes in einem Konsortium zusammen mit Siemens und dem Hersteller Stadler erhalten. Auf der kommenden Aufsichtsratssitzung am 30. Januar will die Deutsche Bahn das Modell nach Angaben der „Süddeutschen Zeitung“ vorstellen. Dabei würden die Hersteller eine Leistungsgarantie von 40 Jahren übernehmen.
Bislang hat die Deutsche Bahn mit verschiedenen Modellen ihr Interesse an der S-Bahn bekundet. Doch angesichts der starken Konkurrenz aus Frankreich, Großbritannien und Hongkong sieht sie mit einem Konsortium wohl bessere Chancen als mit dem bisherigen Modell: mit der S-Bahn-GmbH ins Rennen zu gehen, die dann die Züge bei einem Hersteller kauft.
Zurzeit verhandelt der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB), der die Vergabe des ersten Teilnetzes der S-Bahn vornimmt, mit den Interessenten über die Formulierung der Ausschreibung. Erst danach können die Interessenten Angebote für den Betrieb der S-Bahn abgeben. Bis zum Ende des Jahres soll eine Entscheidung fallen, damit die dringend benötigten neuen S-Bahn-Wagen bestellt werden können.
S-Bahn-Ausschreibung hinkt Zielen hinterher
Bereits jetzt liegt die S-Bahn-Ausschreibung hinter den Zielmarken zurück. So hatte Verkehrssenator Michael Müller (SPD) noch Anfang 2012 erklärt, dass er die Vergabe bis zum Herbst 2014 abschließen will. Nach einer Klage der Deutschen Bahn musste das gesamte Verfahren dann jedoch im April 2013 komplett neu gestartet werden. Benötigt werden für die fünf Linien etwa 190 Doppelwagen, die je nach Ausstattung zwischen 600 Millionen und einer Milliarde Euro kosten.
Fahrzeughersteller gehen davon aus, dass Entwicklung und Bau eines Triebwagens für das spezielle Berliner S-Bahn-Netz mindestens 44 Monate dauern. Demnach könnten wohl erst ab 2019 neue S-Bahnen in nennenswerter Zahl geliefert werden. Bis dahin müssten weiter Züge alter Baureihen fahren. Die Ertüchtigung der Oldtimer würde nach Schätzungen bis zu 100 Millionen Euro kosten, die wohl das Land Berlin zusätzlich aufbringen muss.
„Die Trennung von Fuhrpark und Betrieb ist sinnvoll“
Der künftige Betreiber soll ab Dezember 2017 mit neuen Wagen auf den Ringbahnlinien S41 und S42 sowie ihren Zubringern fahren. Die Deutsche Bahn, die die Strecken derzeit betreibt, hatte im Oktober bestätigt, in der engeren Wahl zu sein. Auch der britische Anbieter National Express sowie der in Hongkong ansässige Konzern MTR hatten ihre Teilnahme signalisiert.
In der Landespolitik wurde die Konsortiumslösung der Bahn positiv aufgenommen. „Das hört sich gut an“, sagte der S-Bahn-Experte der CDU, Oliver Friederici. „Die Abgabe einer Funktionsgarantie ist richtig“, lobte auch der SPD-Verkehrsexperte Ole Kreins. „Die Trennung von Fuhrpark und Betrieb ist sinnvoll“, sagte der Verkehrsexperte der Grünen, Stefan Gelbhaar.





