Cindy aus Marzahn hat den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) offenbar Glück gebracht. „Für 'nen 40-Euro-Gutschein mach ich fast alles“, warb die schrille TV-Entertainerin etwas anzüglich auf Plakaten und im Internet. Rund 10.000 Berliner sind ihrem Aufruf bisher gefolgt und haben ein neues Jahres-Abo für den öffentlichen Nahverkehr abgeschlossen.

Nicht zuletzt durch diese Werbeaktion, die am 31. Dezember zu Ende geht, hat die BVG derzeit so viele Stammkunden wie noch nie: Rund 373.000 Fahrgäste haben ein Ticket-Abo, das sind 28.000 mehr als noch vor einem Jahr (plus 8,1 Prozent). Auch das zweite große Nahverkehrsunternehmen der Stadt, die Berliner S-Bahn, kann auf einen neuen Rekord verweisen. Die Bahn-Tochter hat aktuell 195.000 Stammkunden in ihrer Datei.

Wie die BVG wirbt auch die S-Bahn mit einem 40-Euro-Einkaufsschein um Neukunden. Wird das Abo online abgeschlossen, gibt es bei ihr sogar noch einen 15-Euro-Reisegutschein obendrauf. Bis Mitte Dezember hat die Werbekampagne dem Unternehmen immerhin 4500 zusätzliche feste Kunden beschert. Trotz zweier Preiserhöhungen in den vergangenen beiden Jahren haben die Unternehmen damit 568.000 feste Ticket-Bezieher, ein neues Allzeit-Hoch.

Immer mehr Berliner verzichten auf das Auto

Die Zahlen verdeutlichen einen wichtigen Mobilitätstrend in der Bundeshauptstadt. Immer mehr Berliner verzichten auf das eigene Auto und nutzen öffentliche Verkehrsmittel, um ans Ziel zu kommen. Laut BVG werden inzwischen 27 Prozent aller Wege in der Stadt mit Bahnen und Bussen zurückgelegt. Damit liege Berlin bundesweit an der Spitze. Auch in den absoluten Zahlen macht sich das bemerkbar. So rechnet die BVG mit 950 Millionen Fahrgästen in diesem Jahr, ebenfalls ein neuer Bestwert. Auch die S-Bahn will, wie berichtet, 2013 ihren Vorjahresrekord von 395 Millionen Fahrgästen übertreffen.

Trotz der eingeräumten Preisnachlässe sind feste Ticket-Bezieher für die Verkehrsunternehmen besonders wichtig. Sichern sie ihnen doch für stabile, über das gesamte Jahr fest planbare Einnahmen. Da es sich bei den Stammkäufern zudem meist um Berufstätige mit festen Wegen zur Arbeit oder nach Hause handelt, gibt es zudem verlässliche Daten zum Verkehrsbedarf. Auf dieser Basis können die Busse und Bahnen gezielter und damit effektiver eingesetzt werden.

Die Abonnenten wiederum profitieren von einem Preisnachlass von bis zu 26 Prozent gegenüber dem Kauf von Einzeltickets. Allerdings müssen sie in Berlin im Vergleich zu anderen Großstädten besonders viele Fahrten zurücklegen, bevor sich ein Abo für sie rechnet. So kostet etwa eine Monatskarte für den Tarifbereich AB (Stadtgebiet Berlin) im Jahres-Abo aktuell 57,50 Euro. Bei einem Preis von 2,60 Euro für das Einzelticket rechnet sich das Abo also erst ab der 23. Fahrt im Monat. Etwas günstiger ist das Verhältnis für den Tarifbereich ABC (Berlin und Umland). Dort liegt der Abonnent bereits ab der 20. Fahrt im Monat im Plus. In anderen Verkehrsverbünden rechnen sich Abonnements teilweise schon ab der 16. monatlichen Nutzung von Bus oder Bahn.