Trotz vieler Baustellen und häufig drangvoller Enge in den Bussen und Bahnen ist der öffentliche Nahverkehr in Berlin so gefragt wie noch nie. So rechnet die S-Bahn Berlin GmbH für 2013 mit einem neuen Bestwert. „Es zeichnet sich ab, dass wir den Vorjahresrekord von 395 Millionen Fahrgästen übertreffen werden“, sagte S-Bahn-Chef Peter Buchner der Berliner Morgenpost. Da es in diesem Jahr keine Fahrgastzählung gab, sei man allerdings auf Schätzungen angewiesen. Konkret messen lasse sich die wachsende Nachfrage jedoch anhand der Stammkunden.
Demnach hat die S-Bahn bis Ende Oktober 195.000 Jahreskarten-Abonnements verkauft, das sind knapp drei Prozent mehr als vor einem Jahr. „Der Zuwachs freut uns besonders, weil viele Stammkunden erst zu uns gekommen sind, als wir im Rahmen unserer Entschuldigungsaktion die Abos zu günstigeren Konditionen angeboten hatten“, so Buchner. Als Ausgleich zu den vielen Zugausfällen und Verspätungen hatte die S-Bahn von 2009 bis 2011 den Abonnenten Freifahrtmonate angeboten. Eine solche Regelung gab es in den letzten beiden Jahren nicht mehr.
Auch die BVG gewinnt Fahrgäste
Erst zu Wochenbeginn hatte die BVG-Vorstandsvorsitzende Sigrid Nikutta mitgeteilt, dass das landeseigene Verkehrsunternehmen in diesem Jahr mehr Fahrgäste befördern wird. Sie rechnet mit einem Anstieg auf rund 950 Millionen Fahrgäste (2012: 937 Millionen). Auch bei der BVG ist die Zahl der Abonnenten gestiegen, auf nunmehr rund 373.000. Damit besitzen in Berlin insgesamt 570.000 Menschen eine Jahreskarte oder ein Monatskarten-Abo für öffentliche Verkehrsmittel, rund 120.000 mehr als noch vor drei Jahren.
Durch den anhaltenden Kundenzuwachs können die Verkehrsunternehmen über den Ticketverkauf auch mehr Geld einnehmen: Die BVG wird in diesem Jahr erstmals mehr als 600 Millionen Euro aus dem Fahrkartenverkauf erwirtschaften. Die S-Bahn hat in den ersten zehn Monaten dieses Jahres knapp 310 Millionen Euro eingenommen. Hochgerechnet aufs Jahr bedeutet dies, dass der bisherige Einnahmerekord – 363 Millionen Euro im Jahr 2012 – voraussichtlich um etwa zehn Millionen Euro übertroffen werden kann. Damit könnte die Bahn-Tochter das Jahr erstmals seit Jahren ohne finanziellen Verlust beenden.
S-Bahn-Chef begrüßt automatische Preiserhöhungen
Trotz der positiven Entwicklung bei den Einnahmen unterstützt S-Bahn-Chef Peter Buchner den Vorstoß der BVG, die Ticketpreise künftig einmal pro Jahr automatisch zu erhöhen. „Ich halte das für einen sinnvollen Vorschlag. Die Fahrgäste müssen sich in angemessener Weise an den Kosten für einen qualitativ hochwertigen öffentlichen Nahverkehr beteiligen“, sagte Buchner. In einer wachsenden Stadt wie Berlin sei es zudem sinnvoller, das Angebot auszuweiten als es aus finanziellen Gründen zu reduzieren. Wie berichtet, hatten Berlins Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD), der zugleich Aufsichtratsvorsitzender der BVG ist, und BVG-Chefin Sigrid Nikutta zu Wochenbeginn gefordert, die Fahrpreise ohne vorherige politische Debatte anhand der Teuerungsrate einmal pro Jahr anzuheben.





