Stadtring A100

Am Dreieck Funkturm droht ab 2015 der Dauerstau

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Isabell Jürgens und Helga Labenski

Foto: Amin Akhtar

Das Autobahndreieck Funkturm im Westen Berlins wird auf einer Streckenlänge von knapp zwei Kilometern umgebaut. Mit dem 50,5 Millionen Euro teuren Projekt soll die Verkehrsführung neu geordnet werden.

In diesem Sommer haben Berliner Autofahrer bereits einen Vorgeschmack darauf bekommen, was passiert, wenn das Autobahndreieck Funkturm zur Baustelle wird. Denn obwohl während der verkehrsarmen Sommerferien asphaltiert wurde, waren Dauerstaus die Regel.

Nun jedoch plant Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) den nächsten und deutlich umfangreicheren Schritt zur „baulichen Optimierung“ des Dreiecks: Seine Verwaltung hat die Kosten für den kompletten Umbau der staulastigen Verbindung zwischen Stadtring und Avus für das Jahr 2015 beim Bund angemeldet.

Der Stadtring A100 zwischen der Anschlussstelle Kurfürstendamm und dem Dreieck Funkturm gilt als die am stärksten befahrene Autobahn Deutschlands. Täglich sind dort in beiden Richtungen mehr als 190.000 Fahrzeuge unterwegs. Auf einer Streckenlänge von 1,9 Kilometern soll nun, so das Ergebnis eines Untersuchungsprojektes, bei dem der geplante Umbau durchgerechnet wurde, die unübersichtliche und schwer verständliche Verkehrsführung komplett neu geordnet werden.

Keine beziehungsweise viel zu kurze Ausfahrten auf der A100

Das geht aus der Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage des Abgeordneten Harald Moritz (Grüne) durch den Staatssekretär für Verkehr, Christian Gaebler, hervor. „Es gibt erhebliche Probleme bei der Verkehrsorganisation durch das örtliche Aufeinandertreffen eines Autobahndreiecks, einer Anschlussstelle und eines Autobahnrasthofs“, so Gaebler.

Der Abstand zwischen Ein- und Ausfahrten sowie Auf- und Abfahrten betrage zum Teil weniger als 100 Meter. Zudem verfügen die Einfahrten „über keine beziehungsweise viel zu kurze Ausfahrten“, so der Staatssekretär weiter. Die Folge der längst nicht mehr zeitgemäßen Verkehrsführung: „Wir verzeichnen hohe werktägliche Stauanteile“, so der Staatssekretär.

Die Kosten für den Umbau sind jedoch erheblich: Rund 50,5 Millionen Euro beträgt nach Angaben des Staatssekretärs der Mehrbedarf gegenüber einer ohnehin in den kommenden Jahren notwendigen Grundinstandsetzung. Denn der bauliche Zustand der Fahrbahn und der Brückenbauwerke ist nach wie vor „schlecht bis sehr schlecht“, heißt es in Gaeblers Ausführungen.

Seit der Freigabe in den 60er Jahren ununterbrochen in Betrieb

Daran haben auch die Asphaltarbeiten im Sommer, die mit 1,8 Millionen Euro beziffert wurden, nichts geändert. Dabei wurden nur Schlaglöcher beseitigt und die Brückenbauten vor eindringendem Wasser geschützt. Doch eine Grunderneuerung hat es auf der knapp zwei Kilometer langen Strecke bisher nicht gegeben. Der Anfang des in den 1960er-Jahren eröffneten Abschnitts der Stadtautobahn A100 ist seit seiner Freigabe für den Verkehr ununterbrochen in Betrieb.

Die geplante räumliche Trennung von Autobahndreieck und Anschlussstelle sowie die Neuordnung der Verkehrsströme in diesem Bereich führe „zu Verbesserungen des Verkehrs hinsichtlich Kapazität, Sicherheit, Eindeutigkeit und Begreifbarkeit“, wirbt Gaebler für den Komplettumbau der Strecke. Der Aus- oder gar Neubau der Bestandsanlage dagegen sei wirtschaftlich nicht sinnvoll und löse zudem die Stauprobleme nicht.

Mindestens genau so wichtig ist aber ein weiteres Argument: „Wenn wir neu bauen, kann der Verkehr während der Bauphase relativ ungehindert weiter über die alte Strecke fließen“, so Senator Müllers Sprecherin Daniela Augenstein. Aufgrund dieser beiden entscheidenden Vorteile sei der Umbau jetzt zum Bundesverkehrswegeplan 2015 angemeldet worden.

Bund wird Auftraggeber der Bauarbeiten

Wie Gaebler ausführte, liegen die geplanten neuen Strecken nahezu komplett auf Arealen, die bereits im Flächennutzungsplan als Autobahn beziehungsweise übergeordnete Hauptverkehrsstraße ausgewiesen sind. Zum Teil sind jedoch auch Flächen der Bahn betroffen.

Die genauen Pläne für den Neubau möchte die Senatsverwaltung indes noch nicht öffentlich machen. „Wir haben zwar eine Vorzugsvariante erarbeitet“, sagt Sprecherin Augenstein. Jedoch werde diese nun erst einmal vom Bund als Auftraggeber der Bauarbeiten im kommenden Jahr geprüft. „Erst dann wird endgültig festgelegt, wie die neue Strecke verlaufen wird und wie die Zeitabläufe konkret gestaltet werden“, sagte die Sprecherin weiter.

Verkehrschaos wegen Filmpremiere am Potsdamer Platz

Ein erstes Verkehrschaos erlebten Berlins Autofahrer am Montag in der Innenstadt. Weil am Abend im Cinemaxx am Potsdamer Platz der zweite Teil der Fantasy-Trilogie „Der Hobbit“ mit vielen Hollywoodstars Europa-Premiere feierte, wurde bereits ab 7 Uhr morgens die Fahrbahn der Potsdamer Straße in Richtung Reichpietschufer von drei Fahrstreifen auf eine Spur verengt.

Betroffen von der Teilsperrung waren somit auch Busspur und Fahrradstreifen. Das Nadelöhr am Potsdamer Platz führte zu kilometerlangen Staus auf der Leipziger Straße und reichte zurück bis zur Danziger Straße in Pankow. Autofahrer berichteten, dass der Verkehr auf der Magistrale zwischen 7 und 8 Uhr spätestens ab Mollstraße völlig zum Erliegen gekommen war.

Eine Baustelle auf der Prenzlauer Allee verschärfte das Chaos für Berufstätige aus dem Nordosten Berlins zusätzlich. Wegen einer Havarie wurde die Fahrbahn der Prenzlauer Allee stadteinwärts von zwei Fahrspuren auf eine verengt. „Die größten Probleme gab es im Berufsverkehr, danach hat sich die Lage etwas entspannt“, sagte eine Polizeisprecherin.

1200 Limousinen für Ehrengäste und über tausend Fans

Auch wenn so eine Filmpremiere für Berlin natürlich gut sei, habe er kein Verständnis dafür, dass die halbe Stadt darunter leiden müsse, schimpfte ein Taxifahrer, der namentlich nicht genannt werden wollte. „Für Leute, die morgens zur Arbeit wollen, ist das doch schrecklich.“

Die Senatsverkehrsverwaltung als Genehmigungsbehörde verteidigte die Sperrung. Sie sei notwendig geworden, weil zu der Premiere am Potsdamer Platz allein 1200 Limousinen mit den Ehrengästen vorfahren sollten. „Zudem wurden 1500 bis 1800 Fans erwartet“, sagte Sprecherin Daniela Augenstein. „Bei so einem Andrang ist das eine Frage der Sicherheit.“

Dass schon morgens die Fahrbahn für das abendliche Ereignis verengt wurde, begründet die Verkehrsbehörde mit erforderlichen Aufbauarbeiten. Wegen des großen Aufgebots an Fahrzeugen sei zudem die sonst übliche Anfahrt der Premierengäste über die schmale Bellevuestraße/Potsdamer Platz nicht vertretbar. Tatsächlich drängten sich bereits mittags jugendliche Fans an den Absperrgittern am Cinemaxx, um sich einen Logenplatz am roten Teppich zu sichern.

ADAC warnt vor Verkehrskollaps wegen Dauerbaustellen

Die Sperrung sei mit vielen Beteiligten abgesprochen worden, sagte Daniela Augenstein. Nicht nur Polizei und Bezirksamt, sondern auch Verkehrsverbände wie der Fahrradclub ADFC seien beteiligt gewesen. „Das ist eine Frage der Abwägung“, so die Sprecherin. Die Europa-Premiere eines so populären Films sei selbst in Berlin ein großes Ereignis.

Jörg Becker vom ADAC Berlin-Brandenburg ist jedoch mit der Sperrung keinesfalls einverstanden. „Es stellt sich die Frage, ob so etwas auf der letzten noch funktionierenden Ost-West-Achse vertretbar ist“, sagte Becker. Vor allem sei unverständlich, dass gleich zwei Spuren für die Premiere abgeriegelt wurden. Der Senat müsse mehr Verantwortung zeigen, forderte der ADAC-Vertreter, „zumal wir mitten im Weihnachtsgeschäft sind und der Wirtschaftsverkehr von solchen Sperrungen auch betroffen ist“.

Schon seit Wochen warnt der Automobilclub vor einem Verkehrskollaps wegen vieler Dauerbaustellen in Berlin. Nach ADAC-Angaben behindern derzeit rund 90 Baustellen den Verkehr in der City. „Wir erwarten deshalb von der Verkehrslenkung Berlin, weitere Sperrungen auf ein Minimum zu reduzieren“, sagte Becker. Der tödliche Unfall auf der Nord-Süd-Trasse der S-Bahn habe sicher das Chaos verstärkt, vermutete er. Dies zeige aber, wie sehr die Genehmigung von Baustellen in Berlin „auf Kante“ ausgelegt sei, so Becker.

Foto: © JÖRG KRAUTHÖFER / JÖRG KRAUTHÖFER