Im Advent

Berliner Weihnachtsmärkte im Test

| Lesedauer: 11 Minuten

Der eine hat die längste Rodelbahn, der nächste Märchenhütten, Engel und Wahrsager. Andere locken mit Elch-Bratwurst, Feuerkünstlern oder Après-Ski-Hütte. Berliner Weihnachtsmärkte im Test.

Seit einigen Tagen sind die ersten Weihnachtsmärkte in Berlin für die Besucher geöffnet.

Und um im vorweihnachtlichen Trubel den perfekten Überblick zu behalten, haben sich die Morgenpost-Reporter Thorsten Briele, Raimon Klein und Franziska Wüst aufgemacht, die zehn große Weihnachtsmärkte am Alexanderplatz, vor dem Roten Rathaus, am Gendarmenmarkt, in der Kulturbrauerei, auf dem Potsdamer Platz, in der königlichen Gartenakademie Dahlem, in Spandau, am Opernpalais, vor der Gedächtniskirche und am Schloss Charlottenburg zu testen.

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Bewertet wurde in den Kriterien Weihnachtsstimmung, Kinderspaß, Musik und Liveprogramm, das Angebot an Geschenken und Kunsthandwerk sowie die Preise – von Null bis maximal fünf Sterne.

In den kommenden Wochen verwandelt sich die Stadt dann quasi in einen riesigen Weihnachtsmarkt, insgesamt werden in der Adventszeit rund 60 Märkte ihre Pforten öffnen. Einige von ihnen bleiben bis ins neue Jahr aufgebaut, andere können nur an den Adventswochenende besucht werden.

Einer der schönsten ist dabei wohl der Markt vor dem ländlichen Herrenhaus in der Domäne Dahlem (domaene-dahlem.de). Ebenfalls nur an den Adventswochenenden öffnet der Umweltweihnachtsmarkt in der Sophienstraße in Mitte ein. Diverse Umweltschutzorganisationen verkaufen dort internationale Öko-Produkte, zudem gibt es Biobratwurst, Mützen und Schals aus Naturwolle sowie Inkakunst aus den Anden zu erwerben (weihnachtsmarkt-sophienstrasse.de).

Und im Postbahnhof am Ostbahnhof gibt es den etwas anderen Weihnachtsmarkt zu finden: Unter dem Motto „Holy Shit Shopping“ präsentieren am 15. Und 16. Dezember 200 junge Künstler eine wilde Mischung an Mode-, Schmuck- und Produktdesign sowie Kunst, Fotografie, Comics und Literatur (holyshitshopping.de). Es muss ja nicht immer besinnlich sein.

Alexanderplatz – Der Partymacher

Groß und laut – das ist der Weihnachtsmarkt am Alexanderplatz. An mehr als hundert Ständen gibt es handgemachtes Spielzeug aus Holz, Metall und Keramik, zudem allerlei Weihnachtsschmuck, Ölbilder, Kerzen und Glückwunschkarten. Wer nach Bratwurst und Glühwein im Warmen feiern möchte, tut das Abends zu Après-Ski-Hits im „Partyhaus vom Nikolaus“. Für Kinder gibt es zahlreichen Fahrgeschäfte und eine Schlittschuhbahn (Leihgebühr drei Euro), Erwachsene können Eisstockschießen spielen (4-8 Personen, ab 15 Euro). Öffnungszeiten: bis 6. Januar montags bis sonntags von 10 bis 22 Uhr, an Heiligabend bis 16 Uhr. berlin.de/orte/weihnachtsmaerkte/weihnachtsmarkt-alexanderplatz

Weihnachtsstimmung *

Kinderspaß *****

Musik/Liveprogramm ***

Preise (Glühwein 3€, Bratwurst 3€, Mandeln 3,50€) *

Geschenkeangebot ****

Fazit: Hübsch und besinnlich geht anders – aber wer es rummelig mag und Fahrgeschäfte haben will, ist hier vollkommen richtig.

Gesamtnote 3

Rotes Rathaus – Der Kinderfreundliche

Die „Berliner Weihnachtszeit“ hat vor allem für Familien viel zu bieten. Unübersehbar und wohl auch der Höhepunkt ist das 50 Meter hohe Riesenrad (Erwachsene sechs, Kinder drei Euro). Neben drei Karussells können die Kleinen im Streichelzoo auch Ponyreiten und mit einer Mini-Eisenbahn durch einen verschneiten Märchenwald fahren (zwei Euro). Zudem gibt es rund um den Neptunbrunnen eine Eislaufbahn (Leihgebühr vier Euro). Auf der Marktgasse im Altberliner Stil bieten zahlreiche Handwerker und Händler ihre Waren an. Geöffnet ist der Markt bis 29. Dezember montags bis freitags von 12 bis 22 Uhr, sonnabends und sonntags von 11 bis 22 Uhr, Heiligabend geschlossen. berlinerweihnachtszeit.de

Weihnachtsstimmung ****

Kinderspaß *****

Musik/Liveprogramm ***

Preise (Glühwein 3€, Bratwurst 3€, Mandeln 3€) ***

Geschenkeangebot *****

Fazit: Mit sehr vielen Fahrgeschäften ein Markt für Kinder. Dazu schöne Stimmung und Stände, an denen man Geschenke findet.

Gesamtnote: 2

Schloss Charlottenburg – Der Prunkvolle

An den Hütten vor dem angestrahlten Charlottenburger Schloss ist es leicht, in besinnliche Stimmung zu kommen. Drei Engel, die täglich über den Platz laufen, verzaubern die Besucher zusätzlich. Auf der Bühne treten verschiedene Chöre auf. Der linke Teil des Geländes ist speziell für Kinder mit Karussell und kleinen Achterbahnen ausgestattet. Zudem findet ein weiterer Teil des Marktes in beheizten Ständen statt. Weiterer Höhepunkt: die nach eigenen Angaben größte Weihnachtskrippe Berlins mit überlebensgroßen Figuren. Geöffnet ist der Markt bis 26. Dezember montags bis donnerstags von 14 bis 22 Uhr, freitags bis sonntags von 12 bis 22 Uhr, Heiligabend geschlossen. wvdsc.de

Weihnachtsstimmung *****

Kinderspaß *****

Musik/Liveprogramm ***

Preise (Glühwein 3€, Bratwurst 3€, Mandeln 3€) ***

Geschenkeangebot ****

Fazit: Drei Engel für einen Weihnachtsmarkt – damit kann man nur gewinnen. Und das Schloss bietet die perfekte Weihnachtsfilmkulisse

Gesamtnote: 1

Kulturbrauerei – Der Nordische

Auf dem „Lucia Weihnachtsmarkt“ im Herzen Prenzlauer Bergs liegt skandinavisches Flair. Zu schwedischer Musik kann man an den rund 60 Ständen isländischen Glühwein und Schwedenpunsch mit Wodka trinken. Auch die Speisen sind nordisch geprägt: Nach der würzigen Elch-Bratwurst isst man gerne eine leckere finnische Waffel. Der im Vergleich etwas kleinere Markt besticht durch seine besinnliche Atmosphäre mit alternativem Warenangebot. Die kleinen Besucher können Bungee-Trampolin springen, Kettenkarussell fahren oder Armbrust schießen. Geöffnet ist der Markt bis 22. Dezember montags bis freitags von 15 bis 22 Uhr sowie sonnabends und sonntags von 13 bis 22 Uhr. lucia-weihnachtsmarkt.de

Weihnachtsstimmung *****

Kinderspaß ****

Musik/Liveprogramm ***

Preise (Glühwein 3€, Bratwurst 2,50€, Mandeln 4€) ****

Geschenkeangebot ****

Fazit: Sticht durch sein skandinavisches Flair, heimeliges Ambiente im Innenhof und das spezielle Gastronomieangebot hervor

Gesamtnote: 1

Opernpalais - Der Märchenhafte

Auf dem „Nostalgischen Weihnachtsmarkt“ stehen vor allem Stände mit Kunsthandwerk. Wer noch ein Geschenk braucht, ist am Opernpalais also richtig. Zudem gibt es ein Festzelt für 160 Personen und auf einer Bühne täglich Live-Musik – zum Beispiel von der Ehrengarde der Feuerwehr oder dem Bolli-Pop Orchester. Für kleine Besucher stehen Karussell, Märchenhütte und Streichelzoo bereit. Was stört ist allerdings die Baustelle, die sechs Verkaufsstände von dem Rest des Marktes abtrennt. Öffnungszeiten: bis 26. Dezember montags bis donnerstags von 12 bis 21.30 Uhr, freitags und sonnabends von 11 Uhr bis 22.30 Uhr, sonntags von 11 bis 21.30 Uhr, Heiligabend geschlossen. berliner-weihnacht.de

Weihnachtsstimmung **

Kinderspaß ***

Musik/Liveprogramm *****

Preise (Glühwein 3€, Bratwurst 2,50€, Mandeln 3€) ****

Geschenkeangebot ****

Fazit: Viel Kunsthandwerk, mit Märchenhütte, Wahrsager und großem Bühnenprogramm auch ein abwechslungsreicher Markt

Gesamnote: 2

Weihnachtsmarkt Spandau – Der Gemütliche

Der Weihnachtsmarkt in Spandau feiert dieses Jahr sein 40. Jubiläum. Direkt in der Altstadt gelegen ist er vielleicht der gemütlichste in Berlin – und der leckerste. An rund 250 rustikal dekorierten Ständen gibt es eine Fülle an Leckereien: von der klassischen Bratwurst über gebratene Mandeln bis zu Kartoffelpuffern. Am Wochenende wächst der Markt auf 400 Stände an. Darüber hinaus gibt es auf der großen Bühne ein abwechslungsreiches Programm und wieder den beliebten Kinderweihnachtsmarkt. Geöffnet ist der Markt bis 23. Dezember montags bis donnerstags sowie sonntags von 11 bis 20 Uhr, freitags bis 21 Uhr und sonnabends bis 22 Uhr. www.partner-fuer-spandau.de

Weihnachtsstimmung ***

Kinderspaß ****

Musik/Liveprogramm *****

Preise (Glühwein 2,50€, Bratwurst 2,50€, Mandeln 3€) *****

Geschenkeangebot **

Fazit: Hier kann man in schöner Atmosphäre wirklich richtig satt werden. Der Familien-Rabatt am Mittwoch ist ein weiteres Plus

Gesamtnote: 2

Gendarmenmarkt – Der Anspruchsvolle

Der „Weihnachtszauber“ bietet ein vielfältiges Programm aus Bühnenshow, Live-Handwerkskunst und Gastronomie. Vor den Stufen des Konzerthauses Berlin sorgen auf einer großen Bühne Akrobaten, Feuerkünstler, Chöre sowie Musik- und Tanzgruppen für die Unterhaltung. Im Handwerkszelt kann die Arbeit von Holzschnitzern, Flachsstickern oder Hutmachern beobachtet werden. Wer gehobener speisen möchte, besucht die beheizten Restaurantzelte wie Lutter & Wegner oder La Bar A Vin Lafayette. Ab 14 Uhr kostet der Markt einen Euro Eintritt. Öffnungszeiten: bis 31. Dezember montags bis sonntags von 11 bis 22 Uhr, Heiligabend bis 18 Uhr, Silvester bis 1 Uhr. gendarmenmarktberlin.de

Weihnachtsstimmung *****

Kinderspaß *

Musik/Liveprogramm *****

Preise (Glühwein 3€, Bratwurst 3€, Mandeln 3,50€) *

Geschenkeangebot *****

Fazit: Großes Bühnenprogramm, exzellente Gastronomie, Familien ärgern sich aber über hohe Preise und fehlende Fahrgeschäfte

Gesamtnote: 1

Gedächtniskirche – Der Internationale

Mit rund 170 kleinen Ständen findet der Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz dieses Jahr zum 30. Mal statt. Der Rundgang um die Kirche führt vor allem an Wurst- und Glühweinbuden vorbei, es gibt polnische Spezialitäten, ein warmer „Glühweingarten“ und ein Kinderkarussell. Durch das viele internationale Publikum ist der Weihnachtsmarkt vor der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche einer der abwechslungsreichsten in der Hauptstadt. Geöffnet sind die Stände bis 1. Januar täglich von 11 Uhr bis 21 Uhr, freitags und sonnabends bis 22 Uhr, Heiligabend von 11 bis 14 Uhr, Silvester von 11 bis 2 Uhr und an Neujahr von 13 bis 21 Uhr. schaustellerverband-berlin.de/weihnachtsmarkt-berlin.html

Weihnachtsstimmung ****

Kinderspaß **

Musik/Liveprogramm **

Preise (Glühwein 3€, Bratwurst 3€, Mandeln 3,50€) ****

Geschenkeangebot **

Fazit: Mit den vielen Besuchern aus aller Welt ist der Markt etwas Besonderes. Im Mittelpunkt steht aber Essen und Trinken

Gesamtnote: 3

Potsdamer Platz – Der Aktionsreiche

Ob Rodeln auf der 70 Meter langen Kunstschneebahn (Snowtube für 1,50 Euro pro Fahrt) Schlittschuhlaufen oder Eisstockschießen auf der 5 mal 30 Meter großen Bahn – dieser Weihnachtsmarkt ist für aktive Besucher genau das Richtige. Entlang der Alten Potsdamer Straße bis zum Marlene-Dietrich-Platz stehen die winterlichen Buden inklusive Handwerkermarkt im starken Kontrast zu den modernen Hochhäusern . In der Salzburger Schmankerl-Hüttn mit Platz für 230 Personen wird täglich von 19 Uhr bis Mitternacht eine Après-Ski-Party gefeiert – tanzen und mitsingen selbstverständlich erlaubt. Geöffnet ist der Markt bis 26. Dezember täglich von 10 bis 22 Uhr, an Heiligabend bis 16 Uhr. winterwelt-berlin.de

Weihnachtsstimmung ***

Kinderspaß *****

Musik/Liveprogramm *****

Preise (Glühwein 3€, Bratwurst 3€, Mandeln 3,50€) ***

Geschenkeangebot **

Fazit: Wintersportfans kommen hier voll auf ihre Kosten. Wer es besinnlich mag, sollte lieber woanders seinen Glühwein trinken

Gesamtnote: 3

Königliche Gartenakademie Dahlem – Der Pflanzliche

Hier dreht sich auch in der Vorweihnachtszeit alles um Pflanzen. Die Stimmung in den Gewächshäusern ist sehr gemütlich – und sie sind eine gute Alternative für alle, die lieber im Warmen in Weihnachtsstimmung kommen wollen. Es gibt eine große Auswahl an festlicher Dekoration, Gestecken und Schmuck zu kaufen – und natürlich auch Tannenbäume. Pause machen können Besucher in dem ruhigen Café oder im Außenbereich, dort stehen freitags bis sonntags Hütten mit Glühwein und Bratwurst bereit. Geöffnet sind die Gewächshäuser bis 23. Dezember Montags bis sonnabends von 11 bis 17.30 Uhr, sonntags von 11 bis 17 Uhr. koenigliche-gartenakademie.de

Weihnachtsstimmung ****

Kinderspaß

Musik/Liveprogramm *

Preise (Glühwein 2,50€, Bratwurst 2,50€, Mandeln gibt es nicht) ****

Geschenkeangebot *****

Fazit: Dieser Markt ist mal etwas ganz anderes – ein wunderschöner, Platz für eine ruhige und vor allem grüne Adventszeit.

Gesamtnote 2

Fotos: Sergej Glanze, Amin Akhtar, Massimo Rodari, Jörg Krauthöfer, Jochen Loch, dpa, Reuters.