Dekoration

Der Trend im Advent geht zum Kranz in Curry

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Laura Fölmer

Foto: © JÖRG KRAUTHÖFER

Seedatteln und glitzernde Eichhörnchen: „Anything goes“ im Vorweihnachts-Trubel. Wo und wie die Berliner Gesellschaft in diesem Jahr ihren Adventskranz dekorieren lässt.

Ein Duft aus Tanne, Kerzenwachs und Gewürzen steigt einem in die Nase, wenn man die „Villa Harteneck“ in Grunewald betritt. Hochbetrieb herrscht zum ersten Advent und die Mitarbeiter von Frank Stüve arbeiten im Akkord. In dem herrschaftlichen Gebäude von 1911, in dem sich jeden Sonnabend die Westberliner Gesellschaft trifft, um sich neue Inspirationen für die Inneneinrichtung zu holen, weihnachtet es – und zwar in jedem Raum.

Eine von Stüves prominenten Kunden ist Schauspielerin Ursula Karven, die zufällig während des Interviews in dem Laden, der mehr wie ein stilvoll eingerichtetes Wohnhaus aussieht, vorbeischaut und den Weihnachtsschmuck begutachtet.

„Toll, was der Frank so im Angebot hat“, sagt die Wahlberlinerin. Dann bespricht sie noch ein paar Details bezüglich ihrer neuen Lampen, die Stüve in ihrem Wohnzimmer integrieren soll, und verabschiedet sich. Der Weihnachtsschmuck ist wohl erst beim nächsten Besuch dran.

Karamell- und Curry-Töne besonders begehrt

„In diesem Jahr sind Karamell- und Curry-Töne besonders im Trend, bei den Kerzen oder in den Schleifen“, erklärt Frank Stüve, gelernter Florist und Chef der „Villa Harteneck“. „Hinzu kommt die Kombination ,Grün mit Grün’, was zunächst abwegig klingt, aber ganz wunderbar aussieht. Grüne Kerzen in einem Tannengesteck sehen sehr edel aus.“

Wer bei Stüve seinen Adventsschmuck kauft, muss ein wenig tiefer in die Tasche greifen. Was aber genügend Kunden tun, sagt der gebürtige Niedersachse. Für die Weihnachtszeit seien die Menschen bereit, Geld auszugeben, auch wenn der Kranz nur vier Wochen auf dem Wohnzimmertisch steht.

Etwas kosten lassen sich auch viele Berliner Hotels ihre Weihnachtsdekoration. Das „Waldorf Astoria“ am Potsdamer Platz hat „Florale Welten“ damit beauftragt, das Haus zu schmücken. „Wir sind gerade in der absoluten Hochphase“, sagt Felicitas Krüger, Assistentin der Geschäftsführung.

„Man kann schon sagen, dass wir täglich in zwei Hotels sind, um dort zu schmücken.“ Besonders stolz ist das Unternehmen darauf, auch außerhalb Berlins von Hotels engagiert zu werden, beispielsweise in Binz auf Rügen. Auch das „Grand Hotel“ in Ahrenshoop an der Ostsee hat sie gebucht – genau wie das „Ellington“ an der Nürnberger Straße.

,Anything goes’ bei der Weihnachtsdekoration

Für den Weihnachtsschmuck vieler Prominenter sind auch das Ehepaar Brise und Christian Koch zuständig, die das Traditionsunternehmen „Blumen Koch“ in vierter Generation führen. „Es gibt da so einen Friseur, der bei uns seine Blumen bestellt“, sagt der Geschäftsführer und Inhaber geheimnisvoll.

Auch viele Schauspieler, Wirtschaftsvertreter und Künstler seien gern gesehene Kunden. „Wir vertreten zwar den Standpunkt ,Anything goes’, aber ich kann sagen, dass gerade Beige und Brauntöne bei uns im Trend liegen.“ Was Koch selber bei sich im Wohnzimmer zur Adventszeit stehen haben wird, weiß er noch nicht.

Im Vorweihnachts-Trubel sei noch keine Zeit dafür gewesen. „Aber dann nehmen wir einfach irgendwann nach der Arbeit ein wenig mit nach Hause und sind bei einer schönen Flasche Rotwein kreativ für unser eigenes Zuhause. So ist das bei uns Floristen eben.“

Auch Frank Stüve weiß noch nicht genau, wie er zu Weihnachten seine Wohnung gestalten möchte. In seinem Job geht es ja aber sowieso eher darum, die Wohnungen und Häuser seiner Kunden zu verschönern. Die Weihnachtsbäume zu schmücken lässt sich jedoch kaum einer der Kunden nehmen.

Seedatteln, Zimtstangen und Olivenzweige als Baumschmuck

„Da geht es auch nicht immer um ein stimmiges Konzept. Der Baumschmuck ist meist eine gewachsene Sammlung, die aber nicht weniger schön ist, als aufeinander abgestimmter Schmuck“, sagt der Experte, der ansonsten ganz genau weiß, welche Accessoires zu welcher Einrichtung passen.

Um seinen Kunden etwas Besonderes zu bieten, benutzen er und sein Team nicht nur traditionelle Materialien für den Schmuck, sondern verarbeiten auch außergewöhnliche Dinge wie Seedatteln, Zimtstangen, asiatische Kiefer und Olivenzweige – und manchmal sogar bunte, glitzernde Figuren.

„Ich glaube, wenn man einem Konzept folgt, dann ist nichts kitschig“, sagt Stüve und lacht. „Da kann auch ein bunter Vogel oder ein glitzerndes Eichhörnchen im Adventsgesteck sitzen – und es sieht gut aus.“