Religion

Warum es den Advent gibt und Lila die Farbe der Saison ist

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Foto: Fabio Frustaci / dpa

Advent beginnt mit dem Sonntag, der dem 30. November am nächsten liegt. Doch was feiern Christen in dieser Zeit? Und warum ist Lila in der katholischen Kirche die Farbe der Saison?

Am heutigen Sonntag beginnt nicht nur der Monat Dezember, wir feiern auch den 1. Advent. Und auf unseren Adventskränzen zünden wir heute die erste Kerze an. Doch welche Bedeutung kommt dieser Zeit vor Weihnachten zu?

Mit dem ersten Adventssonntag beginnt das neue Kirchenjahr. Christen feiern in der Adventszeit bis Weihnachten das Kommen Gottes in die Welt.

Nach dem christlichen Glauben wurde Gott in Jesus von Nazareth als Mensch geboren. Jesus Christus wird damit zur Brücke zwischen Gott und den Menschen. Das ist der Kern der christlichen Heilsbotschaft. Advent, abgeleitet vom lateinischen „adventus“ für Ankunft, und Weihnachten entstanden als christliche Feste erst im 4. bis 5. Jahrhundert.

Advent beginnt mit dem Sonntag, der dem 30. November am nächsten liegt. Das Konzil von Trient (1545-1563) schrieb vier Wochen Adventszeit vor. Darin hat jeder Sonntag eine andere Bedeutung.

Der erste Advent zum Beginn des Kirchenjahres steht für den Einzug Jesu in Jerusalem. Advent war ursprünglich eine Zeit des Fastens und der Buße. Heute ist sie geprägt von Weihnachtsmärkten und geschmückten Einkaufsstraßen. Die Aktion „Alles hat seine Zeit“ der evangelischen Kirche soll der Verlängerung des Advents aus kommerziellen Gründen entgegenwirken.

Im Advent steht die Farbe Lila im Vordergrund

Was hat die Latzhose der Frauenbewegung in den 80er-Jahren mit der Stola eines katholischen Priesters in der Adventszeit gemeinsam? Beide sind lila! Die beabsichtigten Farbwirkungen allerdings sind – milde gesagt – gegensätzlich. Violett ist einerseits die Farbe der Revolte gegengesellschaftliche Zwänge, andererseits die liturgische Farbe der Keuschheit und des Fastens.

Der Karlsruher Farbdesigner Alfred Schleicher kommt sofort ins Schwärmen: „Das ist die Farbe, über die man am meisten sagen kann!“, meint der ehemalige Vorsitzende des Bundes Europäischer Farbdesigner. Durch die Mischung von Rot, das für Körperlichkeit und Aktivität steht, mit kaltem, schweren Blau ergeben sich vielschichtige Variationen.

Hunderte Lila-Töne sind denkbar, die ganz unterschiedliche Empfindungen hervorrufen können. So wirkt Lila auf viele als Farbe des Geistigen. „Das liegt an dem Anteil der kostbarsten aller Farben, dem Purpur“, sagt Schleicher. Und daran, dass nur wenige Dinge in unserem natürlichen Umfeld violett sind. Deshalb bedeutet die Farbe einen so starken Kontrast zu allem Körperlichen.

Lila zählt fast nie zu den Lieblingsfarben

Die katholische Tradition, Violett als Symbol von Buße und geistlicher Vorbereitung in Advents- und Fastenzeit zu wählen, findet Schleicher nur logisch. „Wir werden bei dieser Farbe sehr aufmerksam auf uns und das, was über uns hinausweist.“ Den Priestern empfiehlt er allerdings, in der Fastenzeit lila Gewänder nicht zu häufig zu tragen. Denn Violett könne schnell traurig wirken. Kinder erfassen dies intuitiv und zählen Lila fast nie zu ihren Lieblingsfarben.

In der katholischen Kirche ist Lila dagegen nie aus der Mode gekommen. Jedes Jahr ist es in der Adventszeit und der Fastenzeit die Farbe der Saison – seit mindestens 750 Jahren. Denn Papst Innocenz III. führte zu Beginn des 13. Jahrhunderts einen verbindlichen Farbenkanon ein, der sich in Rom entwickelt hatte. So wurde etwa festgelegt, rote Gewänder an Märtyrer-Festtagen und Pfingsten, schwarze bei Totenmessen zu tragen, erklärt Eduard Nagel, früherer Mitarbeiter des Liturgischen Instituts in Trier. Violett steht seit damals für Buße und Umkehr.

Reiches Brauchtum

Um die Zeit vor Weihnachten hat sich in den vergangenen Jahrhunderten ein reiches Brauchtum entwickelt: Dazu gehören Adventskalender und -kränze sowie besondere Speisen, Süßigkeiten und Kirchenlieder.

Die beiden in Deutschland heute am weitesten verbreiteten Bräuche, Adventskranz und -kalender, sind noch relativ jung. Der Hamburger Theologe Johann Hinrich Wichern ließ 1839 in dem von ihm gegründeten „Rauhen Haus“, einem Heim für verwahrloste Jugendliche, einen großen Holz-Kranz aufhängen. Dieser trug für jeden Tag bis Weihnachten eine Kerze. Adventskalender wurden erstmals um die Jahrhundertwende in München in größerer Auflage produziert.

( EPD/KNA/dpa/sei )