Geradezu jungenhaft sehen sie aus. Kurze, dunkelblonde Haare, der eine in Karohemd und hellgelber Strickjacke, der andere mit grauem Sweatshirt. Stil: Internatsschüler. Oder zumindest aus gutem Hause. Doch die beiden jungen Männer, nach denen die Kölner Polizei im September mit Bildern einer Überwachungskamera fahndete, sind offenbar Verbrecher. Sie gehören mutmaßlich einer international tätigen Bande von Juwelier-Räubern an, die nun von der Polizei zerschlagen werden konnte. Vier Männer der achtköpfigen Gruppe wurden am vergangenen Freitag in Berlin festgenommen – kurz bevor sie in der Hauptstadt offenbar ein weiteres Mal zuschlagen wollten.

Köln, Ende September. Der junge Mann mit der Strickjacke betritt einen Edel-Juwelier in der Domstadt. Er gibt sich als Kunde aus, lässt sich teure Armbanduhren zeigen. Wenig später kommt der andere junge Mann mit dem Sweatshirt in das Geschäft, bedroht mit einer Pistole die Angestellte, rafft mit seinem Kollegen die ausliegenden Uhren zusammen, dann flüchten beide. Von 300.000 Euro Beute ist danach in der örtlichen Presse die Rede.

Doch der Juwelierladen war mit einer Videokamera ausgerüstet. Die beiden jungen Männer waren völlig unmaskiert und wurden von den Kamera in gestochen scharfer Qualität aufgezeichnet. „Wir hatten gute Bilder, mit denen sind wir sehr schnell an die Öffentlichkeit gegangen“, erklärt eine Sprecherin der Kölner Polizei. Die Bilder, die inzwischen von der Polizei nicht mehr veröffentlicht werden, hätten sehr bei der Fahndung geholfen.

Raubüberfälle auf Juweliere in ganz Europa

Doch auch der Ablauf des Überfalls half den Ermittlern. Junge, gut angezogene Männer, einer gibt sich als Kunde aus, der Bewaffnete kommt dann dazu und räumt alles ab, dazu noch völlig unmaskiert – mit diesem Muster sei man nach und nach auf weitere Fälle in ganz Europa gestoßen, hieß es in Köln. Eine Ermittlungskommission bei der Kölner Polizei wurde gegründet.

Aschaffenburg, Heilbronn, Düsseldorf, Dortmund, Karlsruhe, Paris, Luxemburg. Diese Orte bringt die Kölner Polizei mit der Räuberbande in Verbindung. Mit dem Schlag gegen die Tätergruppe seien weitere Überfälle der Bande „in ganz Europa verhindert“ worden, sagte der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers am Dienstag. Insgesamt legen die Ermittler der straff organisierten Räuberbande elf Taten in ganz Deutschland und im westeuropäischen Ausland zur Last: drei Überfälle auf Juweliere in Aschaffenburg, Köln und Luxemburg mit hoher Beute sowie weitere acht Fälle, in denen Überfälle scheiterten oder aber die Räuber in den Tatvorbereitungen stecken geblieben waren.

Polizei ergreift Räuberbande am Berliner Zoo

So stand offenbar auch Berlin auf der Liste der Räuberbande, deren Mitglieder laut Polizei aus Litauen und Russland stammen. Der Zugriff auf die 20, 25, 31 und 42 Jahre alten Männer am vergangenen Freitag fand demnach statt, bevor die vier Männer hier einen weiteren Juwelier überfallen konnten. Das war laut Polizei bei der Bande geplant. Nähere Auskünfte zu diesen Plänen und dem möglichen Ziel will die Polizei jedoch nicht geben.

Der Zugriff sei durch eine Berliner Sondereinheit am Freitag in einem Hotel in der Nähe vom Bahnhof Zoo erfolgt, hieß es. Die vier Männer wurden danach nach Köln gebracht, wo sie nun wegen schwerem Raub in Untersuchungshaft sitzen. Unter ihnen ist offenbar auch der mutmaßliche Chef der Bande, ein 42-jähriger Litauer.

Polizei spricht von „sehr gewaltbereiten“ Tätern

Zwei Tage zuvor seien zwei weitere Mitglieder der Bande in Wiesbaden festgenommen worden, hieß es. Bereits im Sommer waren noch zwei mutmaßliche Täter in Aschaffenburg verhaftet worden, die aber erst später der Bande zugeordnet werden konnten.

Bei den Bandenmitgliedern handele es sich um „sehr gefährliche, sehr gewaltbereite“ Täter, sagte die Kölner Kriminaldirektorin Heidemarie Wiehler. Innerhalb der Bande gab es demnach eine „Führungsebene“, deren Mitglieder die Überfälle organisierten. Ausgeführt wurden die Verbrechen dann meist von Tätern jugendlichen Alters.