Ende September erkranken mehr als 80 Kinder an der Heinrich-Roller-Grundschule in Prenzlauer Berg am Noro-Virus. Ist das Schulessen Schuld daran? Neueste Labor-Ergebnisse zeigen, dass die Erkrankung möglicherweise durch ein Lebensmittel des Caterers ausgelöst wurde. Das meldet die Senatsverwaltung der Gesundheit.

Ein Koch des Anbieters ist ebenfalls erkrankt. Abschließende Untersuchungen stehen jedoch noch aus. Vorfälle wie diesen soll es in Zukunft aber nicht mehr geben.

In allen Bezirken läuft derzeit eine Ausschreibung von bisher nicht gekanntem Ausmaß. Die Mittagessen von 360 Grundschulen wird neu vergeben. Es geht um 88.000 Mahlzeiten täglich. In einigen Bezirken ist die Bewerbungsfrist bereits abgelaufen, in anderen endet die Ausschreibung in den kommenden Tagen. Doch es zeichnet sich bereits ab, dass deutlich mehr Caterer auf den Berliner Markt drängen und damit die Auswahl für die Schulen größer wird.

20 Caterer haben Berliner Bewerbungsunterlagen abgefragt

Nach Angaben des Verbandes der Berliner und Brandenburger Schulcaterer haben mindestens 20 Caterer Bewerbungsunterlagen in den Bezirken abgefragt. Bisher waren die Schulen auf sechs große und zehn sehr kleine Caterer aufgeteilt. „Die sechs großen Anbieter haben über 90 Prozent der Essen hergestellt“, sagt Rolf Hoppe, Sprecher des Verbandes. Sicher sei, dass sich auch Caterer beworben hätten, die bisher in Berlin noch nicht tätig waren. Mit den neuen Bedingungen werde der Markt offenbar interessanter, so Hoppe.

Während bisher der Preis pro Essen nicht mehr als zwei Euro kosten durfte und der günstigste Anbieter den Zuschlag erhielt, ist in der neuen Ausschreibung nun ein Festpreis von 3,25 Euro vorgesehen. Die Auswahl erfolgt über die Qualität. Nach den Ferien wird es in ganz Berlin zu Massenverkostungen kommen, bei denen Lehrer, Eltern und Erzieher das Essen bewerten können.

In Friedrichshain-Kreuzberg hat sich Neuausschreibung gelohnt

Für Friedrichshain-Kreuzberg steht schon fest, dass sich die Neuausschreibung gelohnt hat. Hier endete die Bewerbungsfrist in der vergangenen Woche. „Für uns ist es hervorragend gelaufen“, sagt Bildungsstadtrat Peter Beckers (SPD). Schlimmer als bisher hätte es auch kaum kommen können. Die katastrophale Situation in Friedrichshain-Kreuzberg war schließlich der Anstoß, der zu der zügigen Gesetzesänderung für ganz Berlin geführt hatte. Bei der Ausschreibung des Schulessens vor etwas mehr als einem Jahr hatte sich in diesem Bezirk nur noch ein einziger Caterer beworben.

Die anderen Anbieter hatten sich angesichts des Dumpingpreises verweigert. Es war nicht mehr möglich, vernünftiges Essen zu liefern. Nun würden für 30 Schulen in seinem Bezirk Angebote von 23 Anbietern vorliegen, sagt Schulstadtrat Beckers. An drei Tagen sollen sich die Bewerber vom 21. Oktober an den Kunden bei zentralen Testessen präsentieren. „Die Schüler können in Zukunft mit einem qualitativ hochwertigen Mittagessen rechnen“, sagt Beckers.

Hohe Anforderungen könnten kleine Caterer überfordern

Zu Einzelheiten über die Bewerber dürfen sich die Bezirke aufgrund des laufenden Verfahrens nicht äußern. Verbandssprecher Hoppe betont, dass die Anforderungen in den Ausschreibungen sehr hoch seien. Einige kleine Anbieter könnten damit überfordert sein und in Berlin möglicherweise nicht mehr antreten, so Hoppe. Dafür würden sich große neue Anbieter von außerhalb für Berlin interessieren.

Vorgeschrieben ist durch die Ausschreibung beispielsweise, dass mindestens 15 Prozent der Lebensmittel aus ökologischem Anbau stammen muss. Formfleisch, Geschmacksverstärker und künstliche Aromen sind verboten. Zudem müssen die Caterer ein professionelles Konzept zur Gefahrenabwehr und für das Beschwerdemanagement vorlegen. Denn beschleunigt hatte die Essensreform der Sodexo-Skandal im Herbst 2012. Bundesweit waren 10.000 Kinder, die in den Schulen von dem Großcaterer beliefert wurden, am Noro-Virus erkrankt. Der Virus wurde schließlich in chinesischen Erdbeeren nachgewiesen, die im Schulessen verwendet worden waren.

Schulessen soll in Berlin besser kontrolliert werden

Künftig soll das Essen besser kontrolliert werden. Für die bezirksübergreifende Qualitätskontrolle sind zusätzliche Stellen geschaffen worden. „Wir haben gute Rahmenbedingungen geschaffen, mit denen die Qualität des Schulmittagessens besser wird“, sagt Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). Ob sich tatsächlich die Anbieter beworben haben, die sich die Schulen wünschen, wird sich erst beim Testessen herausstellen. Bis dahin müssen die Bezirke prüfen, ob alle Bewerbungsunterlagen die Anforderungen erfüllen.

Eltern befürchten indes, dass die kleinen regionalen Caterer bei der EU-weiten Ausschreibung auf der Strecke bleiben könnten. Auf die Bedürfnisse der einzelnen Schule könne in der zentral vorgegebenen Musterausschreibung keine Rücksicht genommen werden, sagt Erika Takano-Forck vom Landeselternausschuss. Einige Schulen hätten zudem Angst, dass sie ihren bewährten Caterer verlieren könnten. Die Essenskommissionen von Lehrern, Eltern und Erziehern, die die Angebote verkosten, treffen nicht die Entscheidung. Die Bezirke sind jedoch gehalten, sich nach dem Votum zu richten. Schüler dürfen zwar Mittesten, aber aus rechtlichen Gründen keine Punkte vergeben.

Ein Problem sieht die Elternvertreterin bei der Ausstattung. Laut Ausschreibung seien die Bezirke für die Einrichtung der Schulkantinen zuständig, doch die hätten dafür nicht genügend Geld.

Florentine Anders