Vorzeigeland

Familienpolitik - Was Skandinavier in Berlin erleben

Schweden gilt als Vorbild in Sachen Familien, Bildung und Gleichstellung. Aber was erleben Skandinavier, wenn sie nach Berlin ziehen? Ein Report aus Kreuzberg und Steglitz.

„Als ich meinem Chef gesagt habe, dass ich schwanger bin, ist er mir vor Freunde um den Hals gefallen“, sagt Anna Zakrisson in ihrer Kreuzberger Wohnung. „Später hat er mir noch eine Gehaltserhöhung gegeben.“ Was sich anhört wie Ironie, ist tatsächlich so passiert.

Aber nicht in Deutschland, sondern in Schweden.

Design-Klassiker aus hellem Holz stehen neben bunten Vasen und Bücherstapeln vor weißen Wänden. Das Parkett glänzt, vor dem Fenstern hängen keine Vorhänge. Ob bei Familie Listrup in Steglitz oder Familie Zakrisson in Kreuzberg – schon auf den ersten Blick bestätigt sich eines der hartnäckigsten positiven Vorurteile über Schweden: Das mit dem Einrichten, das können sie einfach. Den von der Berliner Bohème so häufig nachgeahmten skandinavischen Einrichtungsstil findet man in beiden Familienwohnungen. Ebenso lange Tafeln mit etlichen Stühlen. „In Schweden geht man nicht so häufig aus. Ein Großteil des Lebens spielt sich im heimischen Wohnzimmer ab“, sagt die 33-jährige Anna Zakrisson und bittet, Platz zu nehmen.

Vom Vorzeigeland in die Versagerstadt

Vor einem Jahr ist die Stockholmerin gemeinsam mit ihrem deutschen Mann Ben Zakrisson und der damals vierjährigen Tochter Luzie von Schweden nach Berlin gezogen. Man könnte sagen: Vom Vorzeigeland in die Versagerstadt. Denn Berlin macht in Sachen Bildungspolitik vor allem Schlagzeilen mit Fehlendem – Kita-Plätze, Lehrkräfte, gesundes Schulessen. Den schwedischen Wohlfahrtsstaat hingegen zieht man gerne als fehlerfreies Bildungs-Vorbild heran. Hier klappt alles, heißt es: Schon ab dem ersten Lebensjahr gebe es einen sicheren Platz in der Kita.

Nebenbei erziehe kein Land so geschlechtsneutral. Mutter und Vater seien beiden berufstätig. Die Sache mit der Gleichberechtigung sei hier europaweit am besten umgesetzt. Statistiken sprechen für die positiven Annahmen. Wurden in Deutschland im Jahr 2012 beispielsweise nur rund 21 Prozent der Führungspositionen von Frauen besetzt, sind es in Schweden immerhin 36 Prozent. Tendenz steigend. Die Geburtenziffer des skandinavischen Landes ist mit 1,94 Kindern pro Kopf aber trotzdem wesentlich höher als die deutsche, die zuletzt bei 1,36 Kindern pro Kopf lag. Die schwedische Familie, so scheint es, bekommt alles unter einen Hut: Doppelte Berufstätigkeit und den Nachwuchs.

Fragt man die Kreuzberger Zakrissons, was sie sich aus vier Jahren, die sie gemeinsam in Schweden verbracht haben, beibehalten haben, sagen sie sofort: „Das Familienbild.“

„Die Erziehung unserer Tochter teilen wir uns auf“, sagt Ben Zakrisson. „Dass Erziehung nicht Frauensache, sondern Aufgabe der Eltern ist, ist in Deutschland leider immer noch ein sehr moderner Gedanke. In Schweden ist das Tradition.“

Als der 33-jährige gebürtige Hesse mit seiner Tochter das erste Mal zu den Großeltern ins heimische Deutschland geflogen sei, sei der Opa erstaunt gewesen, dass sein Sohn die Enkelin allein wickeln konnte. „Das war ein Augenöffner für meine Eltern“, sagt Zakrisson: „Erziehung ist Frauensache, das hatten sie nicht anders gekannt. Aber nun finden meine Eltern es toll, dass Anna und ich die Erziehung zu gleichen Teilen übernommen haben.“ Während des Interviews kümmert sich ein Tablet-PC um die fünfjährige Tochter. Geräusche dringen vom nahen Sofa herüber. Immer wieder ruft die Kleine: „Papa, guck mal!“ Und Papa steht auf, erklärt der Tochter das PC-Spiel.

Schweden ist die deutsche Zukunft

„Wenn man wie selbstverständlich davon ausgeht, dass die Frau die Kinder erziehen soll, empfinde ich das auch als beleidigend für den Mann. Soll er das etwa weniger gut können?“, fragt Anna Zakrisson. „Man entzieht dem Vater seine Kinder. Der lebt sein Leben dann nur um zu arbeiten und stirbt irgendwann überarbeitet und unglücklich.“ Ben Zakrisson grinst. „Ja, aber ist doch so“, verteidigt sich seine Frau. Anna Zakrisson ist Diplom-Biologin und im letzten Jahr ihrer Promotion. Ihr Mann ist Drehbuchautor. Beide arbeiten von Zuhause aus. So können sie, wenn Luzie um 16 Uhr aus dem Kindergarten kommt, für sie da sein. „Ich glaube, dass sich das schwedische Familienmodell hier langfristig auch durchsetzen wird. Deutschland hat nur fast zehn mal so viele Einwohner wie Schweden, es ist klar, dass Veränderungen hier länger brauchen“, sagt Ben Zakrisson. Er glaubt, was Kinderbetreuung angehe, sei Schweden die deutsche Zukunft.

Dass die Geschlechtergleichstellung in der skandinavischen parlamentarischen Monarchie so gut umgesetzt ist, hat aber nicht nur ideelle, sondern auch ökonomische Gründe, meint Jens Listrup: „Als in den Siebzigern die Sozialleistungen ausgeweitet wurden, kostete das den Staat viel Geld. Frauen sollten also nicht nur die Chance bekommen, genauso zu arbeiten wie die Männer, sondern sie mussten auch arbeiten, um Schweden wieder aufzubauen.“ Listrups Familie stammt aus Südschweden. Vor zwei Jahren zog die Familie von Helsingborg nach Berlin-Steglitz. „Dass Schweden für die Deutschen so eine Art Traumland ist, habe ich schon gemerkt, als man mich beim Bewerbungsgespräch gefragt hat: Sie kommen doch aus Schweden, warum wollen sie dann nach Deutschland?“

Seine Frau Charlotte stimmt ihm nickend zu, auch sie hat die Frage häufiger gehört. „Es ist unglaublich leicht, Schwede in Berlin zu sein. Man ist sofort beliebt.“ Nach Deutschland zu ziehen, war für die Listrups vor allem eine berufliche Entscheidung: „Unser Arbeitgeber Ikea funktioniert nirgendwo auf der Welt besser als in Deutschland“, sagt der Vater von drei Töchtern. „Die Filialen hier schneiden in Sachen Kundenzufriedenheit und Effizienz weltweit am besten ab.“ Jens Listrup ist Geschäftsführer des Ikea-Einrichtungshauses in Waltersdorf. Seine Frau arbeitet als Teamleiterin bei Ikea in Spandau.

Der Chef freute sich über die Schwangerschaft

„Ich kenne zu Hause keine Schwedin, die nicht arbeitet“, sagt Anna Zakrisson an ihrem langen Esstisch. „Ich kenne auch keine schwedische Frau, die gerne Hausfrau wäre.“ Als ideal gelte es, in Schweden ein selbstbestimmtes, unabhängiges Leben führen zu können – mit Kind. Anna Zakrisson wurde in den ersten Wochen ihrer Promotion mit Luzie schwanger. Ihr Chef im Labor hat sich gefreut. Später hat sie vor ihrer Elternzeit noch eine Gehaltserhöhung bekommen. Was für deutsche Ohren absurd klingt, lässt sich leicht erklären: In Schweden ist eine Schwangerschaft sehr viel arbeitgeberfreundlicher als in Deutschland. „Das Mutterschaftsgeld stammt hier, genauso wie das Elterngeld später, ausschließlich vom Staat, nicht vom Arbeitgeber“, sagt Zakrisson.

In Berlin hat die junge Mutter, anders als in Schweden, mehrere Freundinnen und Bekannte, die nicht berufstätig sind. „Ich glaube, dass die meisten von ihnen zwar arbeiten wollen, es aber nicht können. Weil ihr Kind entweder keinen Kita-Platz bekommen hat oder das Kind noch zu jung ist, um in die Kita zu gehen.“ In Schweden hat der Nachwuchs berufstätiger Eltern nach dem vollendeten ersten Lebensjahr Anspruch auf einen Platz im Kindergarten, der dort förskola (deutsch: Vorschule) heißt. Nach drei Jahren förskola in Schweden hat Luzie aber auch in Berlin sofort einen Betreuungsplatz bekommen. In einem schwedischen Kindergarten. „Wir haben uns erst einige deutsche Kinderläden angesehen und uns dann entschieden, Luzie in die Kita der schwedischen Victoria-Gemeinde in Wilmersdorf zu schicken.“ Hier werden die Kinder nach schwedischem Ideal erzogen. Voraussetzung für die Aufnahme ist, dass mindestens ein Elternteil schwedischer Herkunft ist.

In Luzies Zimmer steht ein Baumhaus aus unbehandeltem Birkenholz. Eine blaugelbe Flagge hängt an der Wand und auf einem Regalbrett reihen sich Kinderbücher von Astrid Lindgren. Luzie wächst zweisprachig auf. „Wir möchten zwar gerne in Berlin bleiben, aber mir ist es trotzdem wichtig, dass meine Tochter auch Schwedisch spricht“, sagt Anna Zakrisson. Die Sprache sei jedoch nicht der einzige Grund, warum Luzie einen schwedischen Kindergarten besuche: „In Schweden haben alle Förskola-Betreuer eine universitäre Ausbildung. Und es wird ein pädagogischer Lehrplan verfolgt.“ Dieser enthält Grundregeln wie zum Beispiel, dass Kinder nicht in Geschlechtsrollen gepresst werden dürfen. Sucht sich ein Junge beispielsweise ein rosa Prinzessinnenkleid aus der Verkleidungskiste, soll man das nicht kommentieren. „Weder soll man sagen, dass seine Wahl in irgendeiner Hinsicht ungewöhnlich sein könnte, noch soll man sein Aussehen überhaupt beurteilen“, sagt Ben Zakrisson. „Stattdessen soll man das Kind lieber dafür loben, dass es etwas alleine gemacht hat.“ Die Selbstständigkeit der Kinder soll gefördert werden.

Tochter Luzie läuft mit dem Tablet-PC zu ihren Eltern: „Guck mal, Mama, ich hab’ der Mumie die Zähne gemacht“, sagt sie und deutet auf das Display. Mama lächelt. Papa nimmt den Tablet-Computer entgegen und lobt. Wo Luzie lieber in den Kindergarten gegangen ist? „In Schweden“, sagt die Fünfjährige. Etwas verschämt versteckt sie sich hinter ihrer Mutter. „Was war in Schweden denn besser?“ Die Kleine geht sich mit der Hand durch das Gesicht. „Da waren meine Freunde“, sagt sie. Das Baumhaus in ihrem Kinderzimmer hat ihr ihr Vater als „Entschädigung“ für den Umzug im vergangenen Jahr gebaut.

Wenn Feierabend ist, ist Feierabend

Nach der Elternzeit haben schwedische Eltern Anspruch darauf, ihre Arbeitszeit zu verringern und nur noch 75 Prozent zu arbeiten. „Zwischen 10 und 15 Uhr ist man zudem am Arbeitsplatz flexibel. Man darf Termine machen – zum Beispiel, um seine Kinder abzuholen oder sie zum Arzt zu bringen“, sagt Anna Zakrisson, die während ihrer Studienzeit auch schon am Max-Planck-Institut in Köln gearbeitet hat. „Und wenn Feierabend ist, ist in Schweden Feierabend.“

Dass die skandinavische Arbeitsmentalität anders ist als die deutsche, dem stimmt auch Jens Listrup in Steglitz zu. „Vielleicht lässt sich das auch auf die Erziehung zurückführen“, überlegt er. Als Listrup in Waltersdorf anfing, hätten seine Mitarbeiter einen Chef wie seinen deutschen Vorgänger erwartet: „Dieses Bild des starken, seine Ideen durchsetzenden Chefs, das gibt es in Schweden seltener“, sagt Listrup. „Hier gilt der Chef als Vermittler. Er sammelt die Ideen seiner Mitarbeiter und wägt dann gemeinsam mit ihnen ab, welche Idee umgesetzt wird.“ Teamwork würde groß geschrieben. In der Vorschule, Schule und auch Zuhause verfahre man ähnlich. „Man setzt einem Kind keine Regeln vor, man erarbeitet sie gemeinsam und begründet sie auch“, sagt Listrup: „Bei uns gilt die Faustregel: Wenn es für etwas keinen Grund gibt, dann muss man es auch nicht machen.“

Am schwedischen Arbeitsplatz gelten flache Hierarchien, in der schwedischen Grundschule gibt es bis zur sechsten Klasse keine Noten. „Dahinter steckt die Idee, dass keine Kind ausgeschlossen werden soll“, sagt Charlotte Listrup. „Der ,Oh, du bist gut, dich wollen wir fördern’- Gedanke steht nicht im Vordergrund. Vielmehr möchte man, dass alle möglichst die gleichen Chancen haben.“ Bis zur neunten Klasse bleiben alle Schüler gemeinsam auf der Grundschule. Ab der siebten Klasse können sie erstmals wählen: Möchten sie eher leichtere Kurse in Mathematik oder schwerere? Mit der zehnten Klasse endet die Schulpflicht. Die meisten Schüler entscheiden sich jedoch, weiter zu machen und die gymnasiale Oberstufe zu absolvieren. Hier kann der schwedische Schüler wählen: Möchte er lieber in Richtung Ökonomie, Naturwissenschaften oder Sozialwissenschaften gehen?

Ihre drei Kinder schickt Charlotte Listrup in Berlin nicht auf eine deutsche, sondern auf eine internationale Schule. Nora (11), Hedvig (17) und Vera (15) sprechen perfektes Englisch. Kein Wunder, in Schweden beginnt der Fremdsprachenunterricht mit der ersten Klasse. Deutsch hat die Älteste nach einem Jahr Unterricht an der Berlin Brandenburg International School in Kleinmachnow gleich wieder abgewählt. Sie braucht es nicht. Im Unterricht wie mit ihren Freunden spricht sie Englisch. „Die Internationale Schule, die wir in Schweden besucht haben, war sehr schwedenorientiert. Die Berlin Brandenburg International aber ist wirklich multikulturell“, sagt Hedvig.

Multikulturelles Berlin

Sie feiern christliche und jüdische Feiertage. Ihre Klassenkameraden stammen aus Deutschland, Amerika und Israel. Viele Schweden gibt es an der Schule nicht. „Es ist ganz schön hier, etwas Besonderes zu sein“, sagt Vera. Ihr zwei Jahre ältere Schwester stimmt ihr zu: „Die Vorurteile über Schweden, mit denen wir konfrontiert werden, sind immer sehr positiv. Mal heißt es, wie seien alle höflich, mal, wir seien alle hellhaarig und hübsch.“ Die 17-Jährige lacht: „Kommt mal nach Schweden, dann werdet ihr schon einen anderen Eindruck gewinnen.“

Dass in Deutschland das Klischee vom perfekten Vorzeigeland Schweden verbreitet ist, dem schon gar nicht mehr einfällt, wie es seine Gesellschaft noch verbessern soll, das hat Anna Zakrisson auch schon gehört. „Dabei erreichen die rechten Schwedendemokraten gerade Umfragewerte bis zu zehn Prozent“, sagt sie. Das letzte Mal, dass die Rechtspopulisten so stark vertreten gewesen seien, sei während der Bankenkrise in den 90-er Jahren gewesen. Anna Zakrisson vermutet, dass heute die wachsende soziale Ungleichheit der Grund für die Popularität der Schwedendemokraten ist. „Früher sah man in Stockholm keine Bettler auf der Straße sitzen, heute gehören sie zum Stadtbild.“ Privatschulen kosteten die Schüler zwar nichts, entstünden aber ausschließlich in finanziell besser gestellten Gegenden. Die staatlichen Schulen in schlechteren Gegenden hingegen würden schlechter finanziert und blieben so hinter ihren Möglichkeiten zurück.

„Obwohl ich in Stockholm gearbeitet habe, sind wir in das eine Autostunde entfernte ländliche Mariefred gezogen“, erzählt Anna Zakrisson. „Ganz einfach, weil es in Stockholm so gut wie keine Mietwohnungen gibt.“ Würde man in der schwedischen Hauptstadt wohnen wollen, müsse man eine Wohnung kaufen. Das Leben in Schweden sei generell teuer. „Einfach mal so ausgehen, mit Freunden essen gehen: Das ist nicht möglich. Das macht man vielleicht einmal im Monat“, sagt Ben Zakrisson.

Auf Grund der strikteren Alkoholgesetze kann ein 0,5 Liter-Glas Bier in Schweden bis zu neun Euro kosten. „Als wir die ersten Wochen in Berlin waren, sind wir lachend durch die Straße gelaufen. Wir konnten gar nicht glauben, was wir uns jetzt alles leisten können“, sagt Anna Zakrisson. Hedvig und Vera Listrup freuen sich in Berlin über die lockere Gesetzeslage für Jugendliche: „Wenn man als Jugendlicher in Schweden ausgeht, dann besucht man Freunde. In eine Bar darf man da erst ab 18.“

Wenn die Zakrissons abends ausgehen wollen, können sie sich nun in Berlin einen Babysitter leisten. „In Schweden wäre das finanziell nicht möglich gewesen“, sagt der Familienvater. Er macht keinen Hehl daraus, dass ihm das Leben in seinem Heimatland besser gefällt als das in Schweden. Er nimmt Berlin vielfältiger wahr. „Vieles funktioniert in Schweden vielleicht auch deswegen reibungsloser, weil es eine Art Monokultur ist. In Berlin gibt es mehr unterschiedliche Lebensentwürfe und Möglichkeiten. Das Leben ist hier bunter.“

Familie Listrup sieht das ähnlich: „In Schweden gibt es immer etwas, das gerade tonangebend ist, was dann alle machen müssen.“ Beim Sport sei beispielsweise gerade alles, was lange dauert und beschwerlich ist, en vogue. „Marathon laufen zum Beispiel“, sagt Listrup: „Vor ein paar Jahren haben sich stattdessen noch alle auf ihre Einrichtungen besonnen. Das Haus verbessern, den Garten pflegen – das waren die großen Themen“, sagt der Geschäftsführer eines Möbelhauses.

Bessere Lebensqualität

In der Ferne vermissen beide Familien vor allem die schwedischen Feiertage. Dank der schwedischen Gemeinde in Wilmersdorf können sie diese aber auch in Berlin feiern. „Wir sind Feiertagsfetischisten geworden“, sagt Anna Zakrisson. „Wir feiern das schwedische Midsommar mit Hering essen, mit Aquavit und Ringtanz. Aber auch die deutschen Feiertage wie Sankt Martin, die es in Schweden nicht gibt.“ Sollte die Biologin nach ihrer Promotion einen Job in Berlin bekommen, möchte sie in Deutschland bleiben. „Natürlich gibt es in Schweden eine Menge praktische Vorteile, vor allem in bürokratischen Dingen, aber dennoch überwiegt für uns hier die Lebensqualität.“ Tochter Luzie soll in einem Jahr auf eine deutsche Grundschule gehen.

Familie Listrup möchte nicht für immer in Berlin bleiben. Sie sehen sich als Auswanderer-Familie. Wenn ihre befristeten Verträge auslaufen, werden sie weiterziehen. Ihre drei Töchter haben keine Pläne, was einen Wohnort betrifft. Vorstellungen für ihre Zukunft haben sie aber schon. Nora möchte Architektin, Hedvig Ärztin und Vera Kinderärztin oder Krankenschwester werden. Hausfrau allerdings, das möchte keine von ihnen einmal sein.

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