U-Bahnbau

Tunnelbohrer „Bärlinde“ buddelt unter der Spree

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Markus Falkner

Foto: Florian Schuh / dpa

„Bärlinde“ bohrt wieder und taucht bald ab: In den nächsten Tagen wird unter der Spree gegraben - der bisher schwierigste Teil der Bauarbeiten. Die erste Tunnelröhre soll im November fertig sein.

Die Tunnelbohrmaschine „Bärlinde“ bohrt wieder. Am Dienstag hat der 700-Tonnen-Koloss nach Angaben der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) seine Arbeit für den Lückenschluss der U-Bahnlinie U5 wieder aufgenommen. In den kommenden Tagen wird die Maschine einen der heikelsten Abschnitte der 1,6 Kilometer langen Tunnelstrecke zwischen Rotem Rathaus und Brandenburger Tor graben. In vier bis sechs Metern Tiefe unterhalb des Flussbettes fährt die sogenannte Schildvortriebsmaschine unter der Spree – nahe dem eigens errichteten Bauhafen am Marx-Engels-Forum – hindurch. Der Schiffsverkehr kann laut BVG auch während der Arbeiten ungehindert laufen.

Vor der Flussunterquerung hatte „Bärlinde“ zuletzt mehr als zwei Wochen pausiert. Vor dem neuen Bauabschnitt musste die Maschine noch einmal gründlich überholt und von der Technischen Aufsichtsbehörde (TAB) des Landes Berlin abgenommen werden. Die Strecke unterhalb der an dieser Stelle 45 Meter breiten Spree gilt unter den Bauexperten als besonders anspruchsvoll. „Wir sind mit den notwendigen Vorbereitungen und Prüfungen gut vorangekommen, sodass die Gutachter und Ingenieure von Bilfinger und BVG ihre Freigaben erteilen konnten“, sagte am Dienstag Udo Kailuweit, Projektleiter für die U5 bei der Baufirma Bilfinger Construction. Gesamtprojektleiter Jörg Seegers zeigte sich überzeugt, dass der bisher schwierigste Teil der Bauarbeiten ohne Pannen bewältigt wird. „Wir sind gut darauf vorbereitet, die Spreeunterquerung in Angriff zu nehmen“, sagte er. „Die Unterfahrung der Spree wird, wie der gesamte Tunnelvortrieb, von einem umfassenden Messsystem überwacht.“

Anfangs im Schleichtempo

Ende Juni hatte „Bärlinde“ ihre Fahrt am Marx-Engels-Forum schräg gegenüber dem Roten Rathaus begonnen. In den ersten Wochen ging es nur im Schleichtempo vorwärts. Erst 105 Meter Tunnel wurden bisher gegraben. Die durchschnittliche Tagesleistung lag damit bei etwa 2,5 Metern. In den unkomplizierteren Abschnitten der Baustrecke soll die Maschine bis zu acht Meter Röhre pro Tag bohren. Die erste Tunnelröhre für die U5 unter der historischen Mitte Berlins soll nach den Planungen im November dieses Jahres fertig sein. Der zweite Tunnel soll dann im kommenden Jahr gebohrt werden. Eine Verzögerung im Zeitplan für das mit Kosten von 433 Millionen Euro kalkulierte Infrastrukturprojekt hat die Zwangspause des Tunnelbohrers nach BVG-Angaben nicht verursacht. Und auch den Kostenrahmen konnten die Verkehrsbetriebe als Bauherr bisher einhalten, wie eine Sprecherin bestätigte. Allerdings gehen BVG-Chefin Sigrid Nikutta und Finanzsenator Ulrich Nußbaum (für SPD), zugleich BVG-Aufsichtsratschef, davon aus, dass es bei dem Mammutprojekt in der Innenstadt in den kommenden Jahren noch Kostensteigerungen geben kann.