Friedrichstraße

U-Bahn ist in Berlin-Mitte wieder unter der Erde

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Markus Falkner

Foto: Stephanie Pilick / dpa

Die Anlieger der Friedrichstraße in Berlin-Mitte atmen wieder auf. Die oberirdischen Bauarbeiten für die U-Bahn sind beendet. Mitte November soll die U6 wieder fahren. Eine Verzögerung wäre fatal.

Nach 13 Monaten Lärm und Dreck können die Anlieger der Friedrichstraße in Berlin-Mitte, allen voran das Hotel Westin Grand, endlich aufatmen. Die Baugrube der U-Bahn entlang der Hotelfront ist unter einer neuen Straßendecke verschwunden.

Am Dienstag feierten die Anlieger, die Baufirma Bilfinger und die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) gemeinsam den, so BVG-Chefin Sigrid Nikutta, „ersten wichtigen Meilenstein“ beim U-Bahn-Bau durch die historische Mitte Berlins.

Am 17. November 2013 soll die U-Bahn-Linie U6 (Alt-Tegel–Alt-Mariendorf) erstmals wieder ohne Unterbrechung fahren. „Wir sind froh, dass es in der Stadt noch Projekte gibt, die im Zeitplan fertiggestellt werden“, sagte Hotelchef Rainer Bangert. Die Belastungen für die Gäste und das Personal seines Hauses seien beträchtlich gewesen.

Gebaut wird weiter, nun aber im Untergrund. Der U6-Tunnel, der in den vergangenen Monaten für den Neubau der tiefer liegenden Linie U5 teilweise abgerissen und völlig neu errichtet wurde, ist im Rohbau bereits fertig. Nur Gleisanlagen und Steuerungstechnik fehlen noch.

Die Zeit drängt. Eine Terminverschiebung bei der Wiedereröffnung der Nord-Süd-Linie durch Mitte wäre nämlich fatal für den Nahverkehr. Der Grund: Nach derzeitiger Planung wird der Nord-Süd-Tunnel der S-Bahn-Linien S1, S2 und S25 am 22. November 2013 für mehrere Wochen gesperrt. Zwischen Nordbahnhof und Anhalter Bahnhof wäre der S-Bahn-Verkehr voraussichtlich bis zum 8. Dezember unterbrochen, weil die Gleisanlagen im Tunnel erneuert werden müssen.

Ein Bahnsprecher bestätigte am Dienstag die Planungen. Noch seien allerdings nicht alle Details abgestimmt. Für den Fahrtgastverband Igeb ist aber bereits klar: „Wenn die S-Bahn unterbrochen wird, muss die U6 zwingend wieder fahren“, sagte Verbandssprecher Jens Wieseke.

Sackgasse bleibt vorerst

Die Anlieger an der Friedrichstraße treiben nach dem Schließen der Baugrube ebenfalls weiter Sorgen um. Denn trotz der neuen Asphaltdecke wird die Straße an der Kreuzung zum Boulevard Unter den Linden zunächst eine Sackgasse bleiben.

Die Verkehrslenkung Berlin (VLB) will die derzeitige Verkehrsführung nach aktuellen Planungen vorerst nicht ändern. Erste Spuren für den Autoverkehr in Nord-Süd-Richtung könnten nach BVG-Angaben zwar bereits Mitte September frei sein. Doch die Behörde befürchtet ein Verkehrschaos, wenn der Autoverkehr sich ohne Abbiegemöglichkeit durch ein Nadelöhr im Berliner Zentrum fädeln muss.

Wann wieder Autos auf der Friedrichstraße über die Kreuzung rollen können, ist deshalb nach wie vor offen, wie eine Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung am Dienstag bestätigte. Eine Option wäre demnach eine teilweise Öffnung parallel zur U6 Mitte November. Als wahrscheinlicher gilt aber, dass die Sackgassenlösung bestehen bleibt, bis auch Unter den Linden die U-Bahn-Baustelle unter einem Deckel verschwindet. Frühestens im Frühjahr oder Sommer 2014 ist das wohl nach bisherigem Stand realistisch. Eine vorzeitige Öffnung zumindest für den Radverkehr, wie sie zuletzt die Interessengemeinschaft (IG) Friedrichstraße gefordert hatte, habe die Behörde ebenfalls geprüft, aber wegen Sicherheitsbedenken verworfen, sagte die Sprecherin.

Neuer Engpass in Mitte

Für den Autoverkehr wird sich die Situation in Mitte in Kürze noch verschärfen. Der Energieversorger Vattenfall plant Bauarbeiten an der Charlottenstraße. Im September droht damit ein neuer Engpass ausgerechnet auf einer der wichtigsten Umleitungsstrecken für die gesperrte Friedrichstraße.

Rainer Boldt, Vorsitzender der IG Friedrichstraße, kündigte am Dienstag bereits Widerstand gegen die Planungen an. „Wir werden alles unternehmen, um das zu verhindern“, sagte er.

Ob das gelingen wird, ist aber fraglich. Laut Vattenfall-Sprecherin Barbara Meifert sind die Arbeiten unaufschiebbar. Ein defektes Bauteil der Fernwärmeleitung an der Ecke Charlottenstraße und Rosmarinstraße muss dringend ausgetauscht werden. Geplant ist das vom 13. bis 23. September 2013.

Beim Lückenschluss der U5 zwischen Alexanderplatz und Brandenburger Tor steht unterdessen schon die nächste große Etappe an. Voraussichtlich in der kommenden Woche soll die auf den Namen „Bärlinde“ getaufte Tunnelbohrmaschine ihre zuletzt unterbrochene Arbeit wieder aufnehmen. Vor der heiklen Unterquerung der Spree musste der 700-Tonnen-Koloss noch einmal überholt werden.

Ende dieser Woche soll „Bärlinde“ wieder abfahrbereit sein, wie BVG-Sprecherin Petra Reetz bestätigte. Die Maschine müsse vor dem nächsten Bauabschnitt aber noch einmal von der Technischen Aufsichtsbehörde abgenommen werden. Bisher hat die Maschine erst 105 Meter Tunnel gegraben. Bis November soll die erste der beiden rund 1600 Meter langen Röhren fertig sein. An der Friedrichstraße geht es dafür besonders tief hinunter. Die Sohle der U5-Tunnels wird 20 Meter unter dem jetzt fertiggestellten Bauwerk für die U6 liegen. Der zweite Tunnel soll im kommenden Jahr gebohrt werden.