Ermittlungen

Büroräume durchsucht – Bushido spricht von „Schlagabtausch“

Die Staatsanwaltschaft Berlin ermittelt gegen Bushido wegen Volksverhetzung, Gewaltverherrlichung und Beleidigung. Nun wurde sein Büro durchsucht. Der Rapper wehrt sich gegen Vorwürfe.

Am Mittwoch haben Beamte der Berliner Staatsanwaltschaft und des Landeskriminalamtes die Räume des Musiklabels „Ersguterjunge“ des umstrittenen Rappers Bushido durchsucht. Von 9 Uhr morgens an wurden im Rahmen des Ermittlungsverfahrens gegen die Musiker Bushido und Shindy richterliche Durchsuchungs- und Beschlagnahmebeschlüsse vollstreckt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt, wie berichtet, wegen Volksverhetzung, Gewaltverherrlichung und Beleidigung gegen die beiden Rapper.

Bei der knapp zweistündigen Aktion seien umfangreiche Unterlagen und Datenträger beschlagnahmt worden, sagte eine Sprecherin der Berliner Staatsanwaltschaft. Ziel der Razzia in den Geschäftsräumen an der Puderstraße in Plänterwald (Treptow-Köpenick) sei es gewesen, Beweismittel unter anderem zur Entstehungsgeschichte des inzwischen indizierten Bushido-Songs „Stress ohne Grund“ zu finden.

Gesucht wurden auch Beweismittel zu den Vertriebswegen und den bereits erzielten Einnahmen, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Zudem sollten Exemplare der CD „NWA“ („Nie wieder arbeiten“) beschlagnahmt werden. Die Polizei schickte nach dem Ende der Durchsuchung zwei Mannschaftswagen vor das Gebäude des Musiklabels in Treptow. Dort hätten sich Reporter durch Männer aus dem Umfeld des Rappers bedroht gefühlt, sagte ein Polizeisprecher. Die Beamten hätten daraufhin Präsenz zeigen wollen.

Der umstrittene Rapper selbst war ebenfalls vor Ort. Noch während die Beamten die Geschäftsräume durchsuchten, gab sich Bushido in einem Gespräch mit der Berliner Morgenpost gelassen. „Das ist jetzt nicht so das große Problem. In letzter Zeit wurden die Büroräume ja öfter kontrolliert oder durchsucht“, sagte der Musiker. Er sei um kurz nach 9 Uhr angerufen und über die Durchsuchung informiert worden. Am Morgen hatte er getwittert:

Rapper weist Vorwürfe zurück

Bushido kündigte ferner an, gegen die Vorwürfe rechtlich vorgehen zu wollen. „Dass man mir bestimmte Dinge vorwirft, ist okay. Das muss ich jetzt erst mal so hinnehmen, man hat ja auch Mittel und Wege, sich zu wehren“, sagte er. Den Vorwurf der Volksverhetzung, Beleidigung und Gewaltverherrlichung wies der Rapper zurück. „Das sind Vorwürfe und es bleiben Vorwürfe bis bewiesen ist, dass es auch so ist.“ Er sehe die Sache anders. „Ich habe niemanden bedroht und will auch niemanden bedrohen. Ich denke, das, was ich in meiner Musik mache, ist ein Schlagabtausch, den ich nicht begonnen habe.“

Bushidos umstrittener Rap-Song „Stress ohne Grund“ enthält Textzeilen, die sich unter anderem gegen die Politiker Claudia Roth (Grüne) und Serkan Tören (FDP) richten. Neben Tören hatte auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) Strafanzeige gegen Bushido gestellt. Der Song enthält schwulenfeindliche Passagen, die mit dem Regierungschef in Verbindung gebracht werden.

Das Album „NWA“ des Rappers und Bushido-Zöglings Shindy, auf dem auch „Stress ohne Grund“ zu hören ist, war vor zwei Wochen vorläufig als jugendgefährdend eingestuft und auf den Index gesetzt worden. Laut Prüfstelle wirke der Inhalt verrohend, reize zur Gewalt und diskriminiere Frauen und Schwule. Die Staatsanwaltschaft geht nun nach eigenen Angaben dem Verdacht nach, dass Bushido mit Rap-Partner Shindy in dem Song die „Bevölkerungsgruppe der männlichen Homosexuellen“ herabwürdige, indem diese zum „Objekt von Gewalttätigkeiten gemacht werden darf“. Außerdem sollen einzelne Personen darin im Zusammenhang mit angeblicher oder tatsächlicher Homosexualität „in ehrverletzender Weise abgewertet“ worden sein. Auch gegen Shindy laufen entsprechende Ermittlungen.

Erst im Mai hatten Ermittler wegen des Verdachts einer Steuerstraftat des Musikers Bushido zehn Wohn- und Geschäftsräume in Berlin und im Umland durchsucht. Steuerfahnder besuchten auch den Steuerberater des Rappers. „Bushido ist der Beschuldigte“, sagte der Sprecher der Anklagebehörde, Martin Steltner, damals.