Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) hat am Dienstagabend entschieden, dass die Musik-CD „NWA“ des Rappers Shindy aufgrund einer vorläufigen Anordnung auf den Index gesetzt wird. Das wurde am Mittwochmorgen mitgeteilt. Rechtswirksam wird das erst mit der Veröffentlichung im Bundesanzeiger. Dieser erscheint am 22. Juli 2013.
Bushido hatte gemeinsam mit Shindy den Song „Stress ohne Grund“ in einem Video präsentiert. Darin hatten die Rapper Politiker und Prominente angegriffen und bedroht.
Das Dreiergremium der Bundesprüfstelle stufte nun Inhalte der CD als jugendgefährdend ein, „weil sie verrohend wirken, zu Gewalttätigkeiten anreizen und Frauen und Homosexuelle diskriminieren“, heißt es. Den Jugendschutzbelangen sei nach Abwägung mit der Kunstfreiheit der Vorrang einzuräumen gewesen. „Indizierungsrelevant war unter anderem der Inhalt des Liedes ‚Stress ohne Grund‘ von Shindy, feat. Bushido."
Die Konsequenzen sind: Mit der Veröffentlichung der Indizierung im Bundesanzeiger unterliege die CD den weitreichenden Verbreitungs- und Werbebeschränkungen des Jugendschutzgesetzes. Insbesondere dürfe sie nur in gesonderten Ladengeschäften oder nur „unter dem Ladentisch“ an Erwachsene verkauft, teilten die Prüfer mit. Außerdem dürfe sie nicht mehr in der Öffentlichkeit beworben und nicht im Wege des Versandhandels vertrieben werden.
Henkel hofft auf kompromisslose Justiz
Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) begrüßt die Indizierung der CD und des Songs. Er seit froh, dass „diese Hass-CD vorerst nicht mehr für Kinder und Jugendliche zugänglich ist“, sagte er.
Allerdings werde dadurch die Verbreitung nicht völlig unterbunden. „Aber es erschwert, dass sich Bushido mit seinen Gewalttiraden weiter die Taschen füllt. Ich hoffe, dass jetzt auch die Justiz kompromisslos gegen den Sänger vorgeht", so der Politiker.
Ihn wundere sehr, dass sich der Burda-Verlag immer noch „vor einer Aberkennung des Bambis drückt“. „Dieser Hassrapper kann doch nicht ernsthaft ein Vorbild für unsere Jugend sein."
Bushido hatte am Dienstag seine Stellungnahme abgegeben
Rapper Bushido hatte am Dienstag eine offizielle Stellungnahme bei der Bundesprüfstelle eingereicht. Das Schreiben sei wie gefordert bis 14 Uhr eingegangen, sagte die Vorsitzende der Indizierungsstelle, Elke Monssen-Engberding. Zum Inhalt der Stellungnahme wollten sich weder sie noch der Rapper selbst äußern.
Im Anschluss an den Eingang des Schreibens begann das ehrenamtliche Gremium der Bundesprüfstelle am Nachmittag darüber zu beraten, ob das neue Album des Rappers auf den Index gesetzt werden soll.
Staatsanwalt prüft Anzeige von Wowereit
Die Staatsanwaltschaft in Berlin bestätigte unterdessen den Eingang der Anzeige des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit. „Die Anzeige ist hier eingegangen und wird nun geprüft“ sagte ein Sprecher. Klaus Wowereit und der FDP-Bundestagsabgeordnete Serkan Tören hatten Anzeige erstattet, weil sie sich durch den Hass-Song bedroht fühlen. Unabhängig davon ermittelt die Staatsanwaltschaft bereits seit vergangenem Freitag „aufgrund eines Hinweises“ gegen Bushido, sagte der Sprecher weiter.
Während sich Wowereit und Tören gegen die Beleidigungen in dem Songtext zur Wehr setzen, hält sich die Grünen-Politikerin Claudia Roth bewusst zurück. Allerdings prüfe der Bundesvorstand der Grünen, ob er Strafanzeige erstatte, sagte ein Sprecher. „Ich schieß auf Claudia Roth, und sie kriegt Löcher wie ein Golfplatz“, heißt es in dem neuen Song der Rapper Bushido und Shindy. Von Oliver Pocher, der in dem Song ebenfalls erwähnt wird, gibt es bisher keine Auskunft über etwaige rechtliche Schritte gegen Bushido.
In einem Interview hatte sich Bushido am Montag erstmals selbst zur Kritik an seinem neuen Song geäußert. „Ich möchte klarstellen, dass es auf keinen Fall ein Aufruf zur Gewalt sein soll“, sagte der Rapper dem Fernsehsender N24. „Es ist natürlich provokant. Ich habe die Mittel genutzt, die mir als Rapper zur Verfügung stehen.“
Er glaube, er sei „ein bisschen übers Ziel hinausgeschossen“, werde sich aber auf gar keinen Fall entschuldigen. Der Text sei auch eine „Retourkutsche“ gegen Leute wie Claudia Roth oder Serkan Tören, die ihn schon öfter beschimpft hätten. Auch Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) schaltete sich in die Debatte ein und sagte: „Dieses Video überschreitet alle Grenzen. Das ist jetzt ein Fall für die Justiz.“
sei/ur





