Das Licht ist düster, die Fliesen bröckeln, die überlange Rolltreppe steht meistens still. Nutzer der U-Bahn-Linie U9 können es kaum übersehen: Der Bahnhof Schloßstraße ist – wie auch die benachbarten Stationen Friedrich-Wilhelm-Platz und Rathaus Steglitz – deutlich in die Jahre gekommen.
Vom kommenden Jahr an planen die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) daher die Grundsanierung der drei Steglitzer Bahnhöfe, die zwischen 1971 und 1974 in Betrieb genommen wurden. Etwa 45 Millionen Euro soll das Großprojekt kosten.
Voraussichtlich bis 2017 werden die Arbeiten dauern, und die Fahrgäste müssen sich ab 2015 deshalb wohl auf monatelange Sperrungen auf dem südlichen Ast der Linie U9 einstellen. „Die Bahnhöfe wurden vor 40 Jahren gebaut und sind entsprechend sanierungsbedürftig“, bestätigte BVG-Sprecher Klaus Wazlak. „Da müssen wir ran.“
Zweitlängste Rolltreppe vom Berliner U-Bahnnetz
Besonders marode ist nach Wazlaks Angaben der Bahnhof Schloßstraße. Fahrgäste beklagen vor allem, dass die mehr als 30 Meter lange Rolltreppe häufig nicht funktioniert. Sie stammt noch aus der Bauzeit des Bahnhofs Anfang der 70er-Jahren. „Teilweise gibt es gar keine Ersatzteile mehr für dieses Modell“, so Wazlak. Wenn solche Teile ausfallen, müssten sie oft von Hand neu hergestellt werden.
Das kostet Zeit und Geld. Deswegen soll die zweitlängste Rolltreppe im Berliner U-Bahnnetz (nur am Bahnhof Gesundbrunnen geht es tiefer hinab) nach der Sanierung der Bahnhöfe komplett verschwinden. Möglich wird dies, weil auch der Bahnsteig tief im Untergrund künftig nicht mehr benötigt wird.
Bisher ist der Bahnhof Schloßstraße nämlich eine Kuriosität im Berliner U-Bahn-Netz. Die Züge halten dort seit der Eröffnung im Jahr 1974 an zwei übereinander liegenden Bahnsteigen. Auf jeweils einer Seite des Perrons liegen die Gleise der U9, auf der anderen hinter Absperrgittern ein totes Gleis ohne Stromschiene.
Der Grund: Die Station war als Umsteigebahnhof zwischen der U9 und der damals geplanten Linie U10 von Steglitz über Mitte und Prenzlauer Berg nach Weißensee geplant. Fahrgäste sollten – wie etwa am Bahnhof Mehringdamm – ohne Treppen zu steigen von einer Linie auf die andere wechseln können. Doch die U10 wurde nie gebaut und wird es wohl auch nie mehr.
Ärgerlicher Zustand an der Schloßstraße soll sich verbessern
Die Grundsanierung der südlichen U9 nutzt die BVG deshalb jetzt, um den für Fahrgäste ärgerlichen Zustand zu beenden. Nach dem Umbau der Station werden die U-Bahn stadteinwärts und stadtauswärts vom selben, nämlich dem oberen Bahnsteig aus fahren. Die Rolltreppe hat ausgedient und wird durch eine moderne Aufzugsanlage ersetzt. Am Ende verbessere sich damit die gesamte Situation an der Schloßstraße deutlich, sagte BVG-Sprecher Wazlak.
Bevor es soweit ist, müssen die Fahrgäste aber viel Geduld haben. 2014 sollen erste Vorbereitungen für die Sanierung der drei Stationen beginnen. Die eigentlichen Arbeiten sind für 2015 und 2016 geplant. Fahrgäste müssen dann mit mehrmonatigen Sperrungen der U9 im Süden rechnen, wie Wazlak bestätigte. Auch 2017 seien möglicherweise noch Restarbeiten zu erledigen. Die genaue Planung für die Baustelle und die nötigen Verkehrseinschränkungen wird erst in einigen Monaten abgeschlossen sein.
Arbeiten an der U6 verlängern sich
Einige Monate müssen sich auch noch die Nutzer der U-Bahn-Linie U6 gedulden. Die wichtige Nord-Süd-Verbindung ist in der Innenstadt seit etwa einem Jahr zwischen den Stationen Friedrichstraße und Französische Straße unterbrochen. Grund ist der Neubau eines Umsteigebahnhofs unter der Kreuzung Unter den Linden und Friedrichstraße. Dort wird sich künftig die U6 mit der verlängerten Linie U5 kreuzen. Nach ursprünglichen Planungen sollten die Arbeiten spätestens am 1. Advent dieses Jahres so weit fortgeschritten sein, dass die U6 wieder durchgehend fahren kann. Doch aktuell liegen die Arbeiten hinter dem Zeitplan zurück – unter anderem, weil ein riesiger Findling aus der Eiszeit im Untergrund gefunden wurde und mit Spezialmaschinen zerkleinert werden musste.
„Es hat Verzögerungen gegeben“, bestätigte BVG-Sprecher Wazlak auf Anfrage. „Die Frage ist, ob sie bis Dezember noch aufzuholen sind oder nicht.“ Auch für Autofahrer gibt es noch keine Entwarnung. Die für die Baustelle gesperrte südliche Friedrichstraße sollte eigentlich im August wieder für den Verkehr freigegeben werden. Ob dieser Termin zu halten ist, darüber will die BVG sich derzeit nicht äußern. Noch würden die Details und der Zeitplan für die Wiedereröffnung mit der Verkehrslenkungsbehörde abgestimmt, sagte Wazlak.
Planmäßig, wenn auch im Schneckentempo, sind hingegen nach seinen Angaben die Bauarbeiten für den ersten der beiden jeweils 1,6 Kilometer langen Tunnel der künftigen U5 zwischen Alexanderplatz und Brandenburger Tor angelaufen.





