Schon wieder eine Straßensperrung. Schon wieder die Pappelallee in Prenzlauer Berg (Bezirk Pankow). Schon wieder Bauarbeiten, Schienenersatzverkehr und eine Umleitung für Autofahrer. Die BVG lässt die Gleise auf der Pappelalleebrücke über die Bahn erneuern.
Die Arbeiten beginnen am heutigen Mittwoch und dauern bis Mitte September. In dieser Zeit ist die Brücke für Fahrzeuge komplett gesperrt. Nur Fußgänger können sie noch überqueren. „Wir empfehlen, den Bereich weiträumig zu umfahren“, teilen die Verkehrsbetriebe mit.
Das Unternehmen hatte erst 2010 die Tramgleise auf der Pappelallee austauschen und neue Haltestellen bauen lassen. Die Straße war über Monate aufgerissen. BVG-Kunden mussten Umwege mit dem Bus fahren, Kraftfahrer mussten sich eine andere Route suchen. Dass nun schon wieder Bauarbeiten mit Staub, Lärm und Sperrungen einsetzen, ist für Anwohner und Geschäftsleute eine mehr als ärgerliche Situation.
Anwohner sind genervt
Am Dienstagnachmittag können Miriam Scholz und Erol Aslan noch ungestört mit ihren beiden Töchtern über die Brücke laufen. „Wir sind tagtäglich auf dieser Straße unterwegs“, erzählt die 27 Jahre alte Mutter. „Schule und Kindergarten sind in der Nähe, am anderen Ende der Straße arbeitet meine Mutter.“ Oft fährt die Familie mit der Straßenbahn. „Wir haben kein Auto, wir sind auf die Bahn angewiesen.“ Denn Tochter Nela ist erst eineinhalb Jahre alt und sitzt im Kinderwagen. Ihre ältere Schwester Alea ist vier Jahre alt.
Nun wird alles umständlicher, weil statt der Straßenbahn der Bus fährt, der einen Umweg macht. „Hier ist schon gebaut worden“, sagt Erol Aslan. „Und jetzt geht es wieder los.“ Ihn stört nicht nur die Unbequemlichkeit, die diese Arbeiten für seine Familie bedeuten. Es sei Geldverschwendung, meint der 35-Jährige, wenn die Straße zwei Mal aufgerissen und gesperrt wird, anstatt alle Arbeiten in einem Zuge zu erledigen. Doch das sei nicht möglich gewesen, sagt die BVG.
Zuerst keine Genehmigung
„Wir brauchen eine Baugenehmigung vom Senat für diese Arbeiten“, sagt BVG-Sprecherin Petra Reetz. Diese Genehmigung sei 2010 nur für die Arbeiten auf der Pappelallee, aber nicht auf der Brücke erteilt worden. „Wir haben die Auflage bekommen, in zwei Teilen bauen zu müssen.“ Die Brücke sei 2010 noch für die Verkehrslogistik gebraucht worden. Dies gebe es auch bei anderen Bauvorhaben.
„Der Eingriff auf der Pappelallee war schon 2010 sehr stark“, so erklärt es die Sprecherin. „Wir haben diese Ecke frei gelassen, damit der Umleitungsverkehr über die Brücke fahren konnte.“ Trotz der Straßensperrung damals habe man diese Zufahrt offen gelassen. Nun gebe es die Baugenehmigung für die Gleiserneuerung auf der Brücke. Etwa zwei Millionen Euro kostet das Vorhaben. Die Gleise seien erneuerungsbedürftig. „Das geht aus dem Schienenkataster hervor“, sagt Petra Reetz. Dieses Regelwerk sage aus, wann Gleise angelegt wurden und wann sie erneuert werden müssen. „Die Brückengleise sind diesem Regelwerk zufolge jetzt dran.“
An die Bauarbeiten von 2010 kann sich Miriam Scholz aus Pankow genau erinnern. „Es war sehr nervig“, sagt sie. Damals schob sie noch Tochter Alea im Kinderwagen durch die Straße. „Es war laut und staubig, wenn wir an der Baustelle vorbeigegangen sind. Aber es ließ sich nicht vermeiden, weil ich zu meiner Mutter wollte oder Freunde getroffen habe.“ Nun wird der Straßenbahnverkehr zwischen Schönhauser Allee und Wisbyer Straße erneut unterbrochen. Bis Mitte September fährt die Linie 12 nach Auskunft von BVG-Sprecherin Reetz vom Pasedagplatz in Weißensee bis Björnsonstraße in Prenzlauer Berg und wieder zurück.
Straßen werden 2014 umgestaltet
Vom Kupfergraben in Mitte kommend, fährt sie bis zum U-Bahnhof Eberswalder Straße und dann wieder in die Gegenrichtung. Die Strecke dazwischen, über Pappelallee und Stahlheimer Straße, wird von Bussen des Schienenersatzverkehrs überbrückt. Schon wenige Monate später beginnen die nächsten Bauarbeiten auf der Pappelallee und der Stahlheimer Straße. Vom Frühjahr 2014 an lässt das Bezirksamt Pankow beide Straßen nach dem Vorbild der Kastanienallee umgestalten. Das Amt verwirklicht damit einen Beschluss der Bezirksverordneten von 2012. Ziel ist, die Verkehrssituation für Radfahrer sicherer zu machen. Sie rollen bislang in der Mitte der Straße, wo auch die Straßenbahn und Autos fahren. Die Unfallgefahr ist hoch. Im kommenden Jahr werden Radfahrstreifen am Rand der Fahrbahn angelegt, wo bislang Autos abgestellt sind. Parkbuchten werden angelegt.
Geplant ist, die Gehwege zu erneuern und Bordsteinkanten abzusenken, sodass Rollstuhlfahrer und Eltern mit Kinderwagen bequemer die Fahrbahn überqueren können. Auch die Straßenbeleuchtung wird auf der 1,5 Kilometer langen Strecke ausgewechselt. Etwa drei Millionen Euro kosten diese Arbeiten, die voraussichtlich bis 2015 dauern. Von Geschäftsleuten und Anwohnern wird viel Geduld verlangt. Miriam Scholz und Erol Aslan haben wenig Verständnis dafür, dass die Pappelallee innerhalb weniger Jahre drei Mal zur Baustelle wird. „Warum kann man die Arbeiten nicht besser abstimmen?“, fragt Miriam Scholz.





