Die zwölf Berliner Bezirke sind so verschieden wie zwölf unterschiedliche Großstädte. Neben der turbulenten Mitte mit den Touristenströmen gibt es ruhige Stadtteile wie Zehlendorf und Frohnau genauso wie die Hochhaussiedlungen in Marzahn oder Gropiusstadt. Jeder Bezirk hat seine eigenen Probleme, Schwerpunkte und Erfolge.
Gemeinsam haben sie aber das Ziel, lebenswerte Kieze zu gestalten. Welche Aufgaben haben sie auf diesem Weg? Wo liegen die großen Herausforderungen? Wir haben die elf Bezirksbürgermeister und eine Bezirksbürgermeisterin nach einer ersten Bilanz in diesem Jahr gefragt.
Den Auftakt der Serie macht Norbert Kopp (CDU), Bezirksbürgermeister von Steglitz-Zehlendorf.
Berliner Morgenpost: Herr Kopp, was sind die Schwerpunkte Ihrer Politik, von denen die Bürger Verbesserungen erwarten können?
Es ist mir wichtig, dass aus der Schutzfristenregelung im Kleingartenentwicklungsplan für landeseigene Kleingartenflächen endlich eine dauerhafte Absicherung wird, worüber allerdings das Abgeordnetenhaus entscheiden wird. In dem Zusammenhang verweise ich auf den Mehrheitsbeschluss der Bezirksverordnetenversammlung, alle Kleingartenanlagen durch Bebauungspläne abzusichern. Und dort, wo für eine Kleingartenanlage Gefahr besteht, handelt das Bezirksamt sofort und leitet die Absicherung ein, wie es die Beispiele Schlachtensee-Süd oder Eugen-Kleine-Brücke in Steglitz gezeigt haben.
Was steht noch als wichtiges Thema an?
Ich werde mich weiter unverändert für ein Gründer- und Technologiezentrum im Bezirk stark machen. Ähnlich wie am erfolgreichen Standort Adlershof ist es überaus sinnvoll, in der Nähe zur Freien Universität, zur Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung, zu Max-Planck-Instituten und der Helmholtz-Gesellschaft ein Zentrum für junge Unternehmen aus dem Wissenschaftsbereich zu gründen. Vorschweben als Ansiedlungsfläche würde mir dafür das ehemalige amerikanische Krankenhaus an der Fabeckstraße. Und die Herstellung gleichwertiger Lebensbedingungen ist auch in unserem Bezirk ein stetig fortschreitender Prozess, in dem es um den Abbau vielfältiger Barrieren geht, wie beispielsweise die Absenkung von Bordsteinen oder die barrierefreie Gestaltung von öffentlichen Gebäuden. Neben der Beseitigung baulicher Barrieren ist jedoch insbesondere ein Bewusstwerdungsprozess in der Gesellschaft insgesamt erforderlich. Es geht um mehr Akzeptanz und Respekt gegenüber Menschen mit Behinderung als einen Bestandteil unserer vielfältigen Gesellschaft und um eine gleichberechtigte Teilhabe.
Welches Projekt wollen Sie noch in diesem Jahr angehen?
In diesem Jahr begründen wir eine neue internationale Städtepartnerschaft: Im April besuchte ich bereits mit einer Delegation aus Steglitz-Zehlendorf den Bezirk Songpa der südkoreanischen Hauptstadt Seoul, wo wir sehr herzlich aufgenommen wurden. Ziel des Besuchs war es nicht nur, den Bezirk und seine Menschen näher kennenzulernen, sondern auch, die Absichtserklärung für eine Städtepartnerschaft zwischen Steglitz-Zehlendorf und Songpa zu unterzeichnen. Ein Gegenbesuch mit dem Ziel der offiziellen Begründung einer Städtepartnerschaft wird im September 2013 erfolgen, dafür laufen die Planungen jetzt bereits auf Hochtouren. In Abstimmung mit der Botschaft der Republik Korea werden die Gäste dabei auch am offiziellen Programm zum diesjährigen Jubiläum „130 Jahre Koreanisch-Deutsche Beziehungen“ teilnehmen. Übrigens wurde für ihre Verdienste um die deutsch-koreanischen Beziehungen die Leiterin des seit 2005 bestehenden Instituts für Koreastudien an der Freien Universität, Professorin Eun-Jeung Lee, kürzlich erst mit dem Mirok-Li-Preis der Deutsch-Koreanischen Gesellschaft im Gutshaus Steglitz ausgezeichnet.
Stichwort Müllprobleme: Auch an den Badeseen im Südwesten sieht es nach einem schönen Wochenende oft schlimm aus. Welche Möglichkeiten sehen Sie, dass Parks und Plätze wieder schöner werden?
Derartige Klagen sind mir – nicht zuletzt aus meinen monatlichen Bürgersprechstunden – natürlich nicht unbekannt. In Zeiten knapper Kassen ist es jedoch unumgänglich, auch auf die Eigeninitiative der Bürgerinnen und Bürger zu setzen. Das Bezirksamt bildet jedes Jahr erfolgreich Gärtnerinnen und Gärtner in der Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau aus. Typische Einsatzorte während der dreijährigen Ausbildung sind dabei unter anderem die Umgestaltung öffentlicher Spielplätze oder Schulhöfe. Und selbstverständlich sehen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Tiefbau- und Grünflächenamtes tagtäglich in der Pflicht, das öffentliche Grün zu pflegen. Aber jede Unterstützung – sei es durch Spenden oder ehrenamtliches Engagement – ist hilfreich, und deshalb haben wir im Bezirksamt eine Mitarbeiterin, die sich gezielt um sogenannte Grünpflegepaten kümmert, die beispielsweise als Einzelperson oder Initiative etwas in ihrem Wohnumfeld tun möchten, sei es Laubsammeln auf Friedhöfen, Übernahme von Baumpatenschaften, Baumscheibenbegrünung etc. Interessierte erreichen die Kollegin unter der Telefonnummer 902 99-78 21.
Wie sieht die Verkehrsstrategie für Ihren Bezirk aus? Wird es weitere Parkzonen geben? Sollen Straßen zugunsten von Radfahrern/Fußgängern verkleinert werden?
Die Förderung des Radverkehrs ist ein Ziel im Rahmen des Programms „Steglitz-Zehlendorf 2100 – Nachhaltigkeitsziele für den Bezirk“. Das Bezirksamt will den Fahrradverkehr, bezogen auf 1990, bis 2020 verdreifachen. Es hat nur mittelbaren Einfluss auf die Nutzung des Fahrrads, indem es für eine Radverkehrsinfrastruktur sorgt, über Vorteile des Fahrradverkehrs aufklärt und im eigenen Handlungsbereich vorbildhaft tätig ist. Beispiele aus der letzten Zeit sind der fahrradfreundliche Umbau der Schloßstraße mit der Einrichtung von Radspuren und Abstellanlagen und die Erarbeitung des bezirklichen Nebenroutennetzes. Zudem gibt es einen „Runden Tisch Fahrradverkehr“, der mehrmals im Jahr tagt und in dem Ämter sowie Gruppen und Verbände vertreten sind.
Mietsteigerungen, Wohnungsmangel – auf der anderen Seite Proteste von Anwohnern bei Neubau-Vorhaben. Wie geht Ihr Bezirk, wie gehen Sie mit diesem Interessenkonflikt um? Wo sehen Sie Wohnungsbaupotenziale in Ihrem Bezirk?
Mit der Idee einer Wohnungsnutzung in solch einer lukrativen Lage wie an der Schloßstraße hätte auch der Steglitzer Kreisel wieder eine Zukunft. Ein weiteres interessantes Potenzial für Wohnungsneubauten ist das ehemalige Truppenübungsgebiet Parks Range in Lichterfelde, wo es bereits zahlreiche Gespräche zwischen dem Bezirksamt und dem Investor Klaus Groth gab, denn neben 2200 bis 2700 neuen Wohnungen soll dort auch ein Teil der Fläche als Landschaftspark erhalten bleiben. Zwangsläufig wird es gerade im Fall von der Bebauung solcher Biotope auch immer wieder zu Interessenkonflikten zwischen den einzelnen Parteien kommen, wobei es gilt, Interessen abzuwägen und miteinander an einem Tisch ins Gespräch zu kommen, um gemeinsam Lösungen zu erarbeiten, die dann auch möglichst von allen mitgetragen werden. Und natürlich unsere „Großbaustelle“ rund um die Kreuzung Clayallee und Argentinische Allee in Zehlendorf: Hier entstehen derzeit 300 Wohnungen im ehemaligen US-Headquarter, bis zu 170 Wohnungen auf der ehemaligen Truman Plaza und 58 Wohnungen auf einem Parkgrundstück Am Hegewinkel. In naher Zukunft erfolgt auch der erste Spatenstich zum Wohn- und Gesundheitsstandort „Oskar-Helene-Park“ auf dem Gelände der ehemaligen Orthopädieklinik, mit etwa 30 Häusern und rund 130 Wohnungen.
Offenbar gibt es einen ernsthaften Interessenten für den Steglitz Kreisel. Büronutzung oder Wohnungen: Wo sehen Sie die Chance in diesem Gebäude?
Der Steglitzer Kreisel ist bis weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt und galt bis zu seinem Leerstand als eine städtebauliche Dominante, ein Wahrzeichen des Bezirks. In diesem Sinne begrüße ich die mittlerweile angelaufene Asbestsanierung und wünsche mir, dass das Gebäude auf jeden Fall erhalten bleibt, sei es als Bürohaus oder als Wohngebäude. Jahrelang galt die Büronutzung als die einzig denkbare Perspektive für diesen Standort, jetzt – bei immer knapper werdendem Wohnraum – kann ich mir den Kreisel auch als einen guten Wohnstandort vorstellen. Letzten Endes wird es von einem potenziellen Investor abhängen, was aus dem Kreisel wird. Von Bezirksseite besteht keinerlei Interesse, die Verwaltung dort wieder unterzubringen.
Im Bezirk wird viel gebaut, vor allem rund um die Truman Plaza. Bereits jetzt gibt es Klagen, dass die Plätze an den Grundschulen nicht ausreichen. Wie beabsichtigen Sie, dem steigenden Bedarf, auch an Kita- und Freizeitangeboten, in diesem Kiez gerecht zu werden?
Natürlich ist die Problematik der sich konzentrierenden Neubauprojekte in der besagten Region erkannt und wurde bereits in verschiedenen Gesprächen aufgegriffen. Dabei wurden gemeinsam mit der Schulaufsicht Lösungsansätze für die zu erwartenden Schülerströme entwickelt. Der in Arbeit befindliche Schulentwicklungsplan wird die notwendigen Maßnahmen aufzeigen.
Verkehrsberuhigung, mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer, mehr Ruhezonen für Senioren sind Themen, vor allem in den Kiezen rund um die Schloßstraße. Dafür hat sich auch eine Initiative gegründet. Wie lässt sich das Leben für Anwohner, vor allem für Kinder und Senioren erleichtern?
Um den Kontakt zu den Bürgerinnen und Bürgern zu halten und über deren aktuelle Bedürfnisse im jeweiligen Kiez auf dem Laufenden zu bleiben, bieten meine Bezirksamtskolleginnen und Kollegen und ich monatlich Bürgersprechstunden an. Zudem gibt es sogenannte Runde Tische in bestimmten Kiezregionen, in denen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Jugendfreizeiteinrichtungen, der freien Verbände sowie des Bezirksamtes zusammen mit Anwohnern, Wohnungsbaugesellschaften, Mieterbeiräten sowie Fachleuten der Kirchenverbände und der Polizei zusammenarbeiten. Sie setzen sich für Verbesserungen im Wohnumfeld und für ein sicheres und friedliches Miteinander von Jung und Alt ein.
Worauf zielt die Arbeit der Runden Tische ab?
Die Arbeit der Runden Tische ist auf Nachbarschaftsentwicklung und Verbesserung des jeweiligen Wohnumfeldes ausgerichtet. Sorgen, Ängste und Veränderungswünsche der Bürgerinnen und Bürger werden dort angehört. Absicht dabei ist, die Probleme aus der Sicht der Anwohner vor Ort aufzugreifen, denn gerade deren Mitwirkung an der Problemlösung ist wichtig. Der Aktivierung der in den Kiezen lebenden und agierenden Bürgerinnen und Bürger kommt große Bedeutung zu, die Koordinierung liegt bei der Geschäftsstelle des Präventionsbeirates, der bei meiner Kollegin, Bezirksstadträtin Cerstin Richter-Kotowski, angesiedelt ist.
Die erste Hälfte des Jahres ist vorbei. Was ist gut, was ist schlecht gelaufen?
Nun, bislang ist die Bilanz des bereits Erreichten durchweg positiv: So stattete im ersten Quartal des Jahres Cornelia Yzer, die Senatorin für Wirtschaft, Technologie und Forschung, dem Bezirk Steglitz-Zehlendorf einen Besuch ab. Im Rahmen der dreistündigen Entdeckertour besichtigte sie Unternehmen und Forschungseinrichtungen im Berliner Südwesten, was mich sehr gefreut hat, weil wir das in der Öffentlichkeit oft zu wenig wahrgenommene Wissenschafts- und Wirtschaftspotenzial des Berliner Südwestens verstärkt bekannter machen wollen.
Mit welchen Veranstaltungen gehen Sie auf die Bürger zu?
In diesem Monat haben wir – im Rahmen der beliebten Steglitzer Woche – drei informative und vielseitige Veranstaltungen gemacht, die von den Bürgerinnen und Bürgern gut angenommen wurden: Das 2. Interkulturelle Fest unter dem Motto „Gemeinsam Leben – Gemeinsam Feiern“ am 7. Juni auf dem Hermann-Ehlers-Platz stieß auf große Resonanz. Auf diesem Marktplatz der Kulturen stellten unterschiedliche Verbände und Organisationen ihre Arbeit und Angebote vor. Ebenfalls gut angenommen wurde einen Tag darauf das 3. Bezirkssportfest im Stadion Lichterfelde, das vom Bezirkssportbund Steglitz-Zehlendorf e.V. organisiert wurde. Und am selben Tag führte das Bezirksamt in Kooperation mit öffentlichen Einrichtungen der Verkehrssicherheitsarbeit und weiteren Institutionen, Verbänden und Gruppierungen den „1. Mobilitätstag – sicher im Straßenverkehr“ auf dem Lichterfelder Platz des 4. Juli durch, der mit seinen vielfältigen Angeboten für die ganze Familie auch zahlreiche Interessierte anzog.
Wohin fahren Sie in Urlaub, wo werden Sie sich erholen?
Ich werde erst nach der Bundestagswahl in den Urlaub nach Gran Canaria fahren.





