Bürotürme zu Wohnhäusern – diesem Trend könnte auch der Steglitzer Kreisel an der Schloßstraße folgen. Gerade erst wurden die neuen Pläne für das Kudamm Karree präsentiert, die die Umwandlung eines ehemaligen Bürohauses in Apartments vorsehen.

Angesichts der neuen Entwicklungen auf dem Wohnungsmarkt kann sich auch das Immobilienunternehmen Becker und Kries – neben dem Land Berlin Miteigentümer des Steglitzer Kreisels – gut vorstellen, dass in dem 118 Meter hohen ehemaligen Verwaltungssitz des Bezirks Wohnungen entstehen könnten.

„Jahrelang galt die Büronutzung als die einzig denkbare Perspektive für diesen Standort“, sagt Christian Kube vom Vorstand des Immobilienunternehmens. Wohnraum habe sich für Investoren nicht gerechnet. Jetzt habe der enorme Bau an Büroflächen allerdings zu einem wachsenden Leerstand geführt.

Im Gegenzug sei der Wohnungsmarkt in die Diskussion geraten. Ein immer knapper werdendes Angebot habe zu einer Preissteigerung auf dem Wohnimmobilienmarkt geführt. „Auf dem Wohnungsmarkt lässt sich jetzt wieder Geld verdienen“, sagt Kube. Daher halte er den Kreisel mittlerweile für einen guten Wohnstandort. Dieser Auffassung haben sich Immobilienexperten längst angeschlossen.

Becker und Kries gehört das Sockelgeschoss mit Hotel und Geschäften, das schon vor Jahren vom Asbest befreit wurde.

Asbestsanierung im Kreisel kann beginnen

Die Diskussion, ob in dem asbestverseuchten Bürohaus Wohnungen entstehen könnten, wurde bereits vor sechs Jahren geführt. Der damalige Baustadtrat Uwe Stäglin (SPD) hatte keine Probleme gesehen, das Planungsrecht, das für ein Büro- und Geschäftshaus vorliegt, anzupassen. Er favorisierte eher Lofts als ein Shoppingcenter in dem Gebäude. Dennoch fand sich kein Investor für diese Pläne.

Seit Ende 2007 stehen die 27 Stockwerke leer. Die Bezirksverwaltung musste ausziehen, weil die Gesundheit der Mitarbeiter durch den Asbest in den Wänden in Gefahr war. Der Liegenschaftsfonds hat seitdem mehrere Anläufe unternommen, das Gebäude zu verkaufen. Ohne Erfolg.

Vor allem die Frage, wer den Kreisel vom Asbest befreit – der neue Investor oder das Land Berlin als Eigentümer – stand in den Verhandlungen immer zur Debatte. Nachdem sich kein Käufer für das unsanierte Haus fand, hat der Senat beschlossen, den Rückbau des Asbests zu übernehmen. 30 Millionen Euro sind dafür veranschlagt.

Jetzt kann die Asbestsanierung im Steglitzer Kreisel beginnen: „Die Ausschreibung ist gelaufen, Angebote sind gekommen, und der Auftrag ist erteilt“, teilte Irina Dähne, Sprecherin des Liegenschaftsfonds mit. Damit sei eine entscheidende Hürde genommen.

Sollte sich jetzt nach dem Start der Arbeiten ein Käufer für das ehemalige Bürohochhaus an der Schloßstraße finden, könnte er vertraglich in die Sanierung mit einsteigen. Die Sanierung sei nun kein Hindernis mehr für den Verkauf. Mitte 2015 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

Investor entscheidet über spätere Nutzung

Letzten Endes hänge es vom Investor ab, was aus dem Kreisel werde, sagt Christian Kube von Becker und Kries. Er sei für alles offen. Als Ultima Ratio könnte er auch einen Abriss des Hochhauses nicht ausschließen. Dieser Fall tritt ein, wenn sich auch nach der Asbestsanierung kein Käufer findet.

Weder die Mieter im Sockelgeschoss noch das Publikum in der Schloßstraße werden viel davon mitbekommen. Denn das Sanierungskonzept wurde überarbeitet und kommt ohne Gerüst und Einhausung aus. Auch die Befürchtungen, ein Stahlskelett bleibe übrig, ein sogenannter „Palast der Republik in Hochformat“, sind unbegründet.

Die Arbeiter werden sich in einer Hängerüstung an der Fassade entlangbewegen und Stück für Stück den Asbest aus der Brüstung ausbauen und ein provisorisches schwarzes Metallelement wieder einsetzen. „Am optischen Erscheinungsbild ändert sich nach der Sanierung nicht viel“, so Kube. Die Sanierung beginnt an derselben Seite, die Arbeiter kommen sich von unten und oben entgegen. Die Entsorgung der Schadstoffe erfolgt im Gebäude-Inneren über sogenannte Materialschleusen. Der Abtransport erfolgt über den Keller.

Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich noch während der Sanierungsphase ein Käufer für das Hochhaus findet. „Wir führen mit mehreren Interessenten Gespräche und hoffen, im ersten Halbjahr eine Auswahl treffen zu können“, sagt Irina Dähne vom Liegenschaftsfonds. Vielleicht sorgt der enge Wohnungsmarkt tatsächlich für neues Leben in dem Hochhaus. Der Kreisel wäre nur ein weiteres Beispiel dafür, dass ehemalige Büroflächen in Wohnraum umgewandelt werden können. In Friedrichshain soll ein Verwaltungsgebäude des VEB-Kosmetik-Kombinats an der Straße Alt-Stralau zu einem Haus mit 100 Wohnungen umgebaut werden.