Seit sechs Jahren versucht das Land Berlin, den asbestverseuchten Steglitzer Kreisel zu verkaufen. Alle Versuche, einen Investor für das 118 Meter hohe ehemalige Bürohochhaus an der Schloßstraße zu finden, sind bislang fehlgeschlagen. Nun kann der Liegenschaftsfonds, der für den Verkauf der Immobilie zuständig ist, einen Erfolg melden: Ein potenzieller Käufer macht endlich Ernst. Ende vergangener Woche habe der Investor eine Absichtserklärung, einen sogenannten Letter of Intent (LOI), unterschrieben, sagt Irina Dähne vom Liegenschaftsfonds.

Dieser Vertrag räume dem Interessenten eine viermonatige Frist „zur Prüfung des Ankaufs“ ein. In dieser Zeit muss der Investor herausfinden, ob sich das Hochhaus für seine Pläne eignet. Untersucht werden dabei die technischen, wirtschaftlichen und juristischen Voraussetzungen für die Umsetzung des Konzepts. Aus Immobilienkreisen heißt es, der Interessent plane Wohnungen in dem Bürohochhaus.

Dazu äußert sich der Liegenschaftsfonds jedoch nicht. Weitere Details seien noch vertraulich, sagt Irina Dähne. Am Verhandlungstisch haben nicht nur der Investor und Vertreter des Landes gesessen. Auch das Immobilienunternehmen Becker & Kries, dem das Sockelgeschoss mit Hotel und Geschäften gehört, hat die Absichtserklärung unterschrieben. Christian Kube vom Vorstand ist optimistisch. Es sei eine gute zielorientierte Entwicklung, die er unterstütze und die man vorantreiben sollte, sagt Kube. Auch er will sich nicht zu weiteren Einzelheiten äußern.

Schwieriger Wohnungsmarkt macht Steglitzer Kreisel interessant

Die prekäre Lage auf dem Wohnungsmarkt und die zunehmende Umnutzung von leer stehenden Büroflächen in Apartments, hat das Thema auch für den Steglitzer Kreisel wieder interessant werden lassen. Gleich nach dem Auszug der Bezirksverwaltung Ende 2007 hat es schon einmal die Idee gegeben, Lofts in die 27 Stockwerke einzubauen. Der damalige Baustadtrat Uwe Stäglin (SPD) wollte das Planungsrecht, das für ein Büro- und Geschäftshaus gilt, anpassen lassen. Gerade in jüngster Zeit galt die Nutzung des Kreisels als Wohnhaus wieder als ein rentables Geschäft.

Doch bevor die Apartments entstehen, muss der Asbest aus Wänden und Decken entfernt werden. Das Land hat im März mit den vorbereitenden Arbeiten für die Schadstoffsanierung begonnen. Im Sommer soll es richtig losgehen. Etwa 30 Millionen Euro kostet die Asbestsanierung, Mitte 2015 soll sie abgeschlossen sein. Die Sanierung sei kein Hindernis für den Verkauf, hat Irina Dähne bereits bei Beginn der Arbeiten gesagt. Sollte sich ein Käufer finden, könne er vertraglich in die Arbeiten mit einsteigen. Schon vor zwei Monaten sprach Irina Dähne von ernsthaften Interessenten, mit denen Verhandlungen geführt würden.

Piraten wollen Hochhaus dem Bezirk zur Verfügung stellen

Aber nicht nur auf Landesebene ist der Steglitzer Kreisel derzeit ein Thema. Auch die Bezirksverordneten haben ihn wieder auf der Tagesordnung gesetzt. Grund ist ein Antrag der Piraten. Sie fordern, das Hochhaus nach der beendeten Sanierung wieder dem Bezirk zur Verfügung zu stellen. „Es ist wichtig, dass der Bezirk bei der weiteren Nutzung des Gebäudes mitreden kann“, sagt Eric Lüders von den Piraten. Im Bezirk fehle Wohnraum, vor allem aber auch Platz für bedürftige Randgruppen. So könnten Wohnungen an freie Träger abgegeben werden, die betreutes Wohnen anbieten.

Die Piraten können sich aber auch vorstellen, den Kreisel in ein Studentenwohnheim umzuwandeln. „Die infrastrukturelle Anbindung ist super“, sagt Eric Lüders. Und letztlich sei die Qualität des Wohnraums nicht entscheidend für Studenten. Zu prüfen sei auch, ob wieder Teile der Verwaltung in den Kreisel ziehen könnten, gerade mit Blick auf die anstehende Sanierung des Rathauses Zehlendorf. Der Antrag der Piraten wird nun im Haushaltsausschuss beraten. Doch die Chancen, dass der Bezirk das Hochhaus wieder vom Senat übernehmen kann, sind eher unwahrscheinlich. „Wenn der Bezirk das Objekt haben möchte, müsste er Kosten für Erwerb und Ausbau des Kreisels zahlen“, sagt Irina Dähne vom Liegenschaftsfonds. Das Land werde den Kreisel asbestsaniert im Rohbauzustand an einen Investor übergeben.

Verwaltung hat kein Interesse an einem Umzug in den Kreisel

In der Verwaltung des Bezirks und den anderen Fraktionen in der Bezirksverordneten-Versammlung stößt der Vorschlag auf wenig Begeisterung. Für „nicht realisierbar, nicht praktikabel und nicht wünschenswert“, hält Torsten Hippe die Idee. „Die Bezirksverwaltung ist gut untergebracht“, sagt der CDU-Fraktionschef. Die Sanierung des Zehlendorfer Rathauses sei zwar notwendig, aber es sei beschlossene Sache, dass zuerst Geld in die Sanierung der Schulen fließen werde. Norbert Buchta, SPD-Fraktionschef, pflichtet ihm bei. „Wir haben kein Interesse, die Verwaltung wieder im Kreisel unterzubringen“, sagt er.

Ähnlich ist die Einschätzung bei den Stadträten. „Es gibt gar keinen Grund, alles wieder rückwärts zu drehen“, sagt Cerstin Richter-Kotowski (CDU), verantwortlich für Bildung und Kultur im Bezirk. Natürlich biete der Kreisel Vorteile wie kurze Wege und viel Platz. Dadurch konnten Synergieeffekte entstehen. Sie müsse viel zwischen dem Rathaus Steglitz und Rathaus Zehlendorf pendeln, das seien Fahrtzeiten, die für andere Unternehmungen fehlten. Doch schließlich sei die Verwaltung komplett in anderen Häusern untergekommen – und dabei solle es bleiben.

Als „sehr unausgegoren“ bezeichnet Immobilienstadtrat Michael Karnetzki (SPD) den Antrag der Piraten. Über freie Träger organisiertes betreutes Wohnen für nicht näher definierte „Randgruppen“ im Kreisel zu ballen, würde die sozialen Probleme an diesem Ort konzentrieren, vielleicht auch eine soziale Gettobildung befördern, sagt Karnetzki.

Sollte der Investor den Kreisel kaufen, wird sich die Diskussion der Politiker erübrigen. Dann liegt das Nutzungskonzept allein beim neuen Eigentümer.