Wohnstudie

Am Berliner Stadtrand ist das Leben teurer als in der City

Besonders in der Berliner Innenstadt sind die Mieten deutlich gestiegen. Doch ein Umzug an den Stadtrand lohnt - zumindest aus Kostengründen - nicht. Das liegt vor allem an hohen Mobilitätskosten.

Gerade hat der Senator für Stadtentwicklung den neuen Mietspiegel vorgestellt. Daraus geht hervor, dass das Wohnen insbesondere in den Altbauquartieren in der Innenstadt deutlich teurer geworden ist. Doch Berliner, die nun darüber nachdenken, aus der Stadtmitte an den Stadtrand zu ziehen, sollten gewarnt sein: Die Mieten sind am Stadtrand und im Brandenburger Speckgürtel zwar deutlich geringer als im Zentrum, dennoch lohnt sich der Umzug allein aus Kostengründen nicht. Denn die günstigere Miete oder auch die günstigeren Kaufpreise für eine Wohnung am Stadtrand werden von den deutlich höheren Kosten für die Mobilität wieder wettgemacht. Das geht aus einer Studie hervor, die die Staatssekretäre für Wohnen, Ephraim Gothe, und für Verkehr, Christian Gaebler (beide SPD), am Donnerstag vorgestellt haben.

Im Rahmen der Studie wurden die Wohn- und Mobilitätskosten von 27 unterschiedlichen Haushaltstypen, differenziert nach der Anzahl der Haushaltsmitglieder, deren Altersstruktur und dem Einkommen, an 60 Wohnstandorten in Berlin und 62 in den sogenannten Brandenburger Umlandgemeinden bilanziert. In dem Kostenmodell wurden die aktuellen Immobilienpreisdaten der Hamburger Firma F+B, die auch den aktuellen Berliner Mietspiegel erstellt hat, sowie die Pkw-Kostenkennwerte des Automobilclubs ADAC, die VBB-Tarife für den öffentlichen Nahverkehr sowie die Einkommensstatistik, die das statistische Bundesamt veröffentlicht, ausgewertet. Abgeglichen wurden diese Daten mit der sogenannten SrV-Befragung, für die regelmäßig Haushalte zu ihrem Mobilitätsverhalten befragt werden.

Das Ergebnis dieser Studie lässt sich am besten in einer Karte verdeutlichen. Darin wird abgebildet, wie viel ein Beispielhaushalt jeweils für das Wohnen und die Mobilität in den einzelnen Untersuchungsbereichen ausgeben muss. Für die Berechnung wurde eine Familie, bestehend aus zwei Erwachsenen und einem Kind, zugrunde gelegt, die mit einem durchschnittlichen Nettoeinkommen von 2200 bis 2600 Euro eine 80 Quadratmeter große Mietwohnung (kein Neubau) bewohnt. Das Ergebnis: Am wenigsten muss die Familie demnach zahlen, wenn sie zwar nicht im unmittelbaren Zentrum wohnt, aber noch innerhalb des S-Bahnringes, entlang der Stadtbahn oder in U-Bahn-Nähe.

In den dunkelgrün dargestellten Bereichen kommt die Familie mit weniger als 1190 Euro im Monat aus, in den kräftig rot gefärbten Untersuchungsgebieten muss dagegen mehr als 1470 Euro gezahlt werden, also rund 300 Euro mehr. Diese kräftig roten Zonen finden sich vor allem in den Umlandgemeinden Kleinmachnow, Stahnsdorf und Teltow, aber auch in Berlin in Kladow, Gatow und Zehlendorf und Grunewald. „Zehlendorf und Grunewald sind zwar gut angebunden an das Schienennetz“, so Staatssekretär Gothe zur Erklärung. Allerdings seien die Immobilienpreise und die Ausstattung mit Privatfahrzeugen so hoch, dass die Nähe zum Nahverkehrsnetz offenbar nicht die entscheidende Rolle spiele. Ähnlich sieht es im Norden von Reinickendorf, aber auch in Friedrichshagen am Müggelsee aus.

Hohe Kosten für Pkw und Sprit

„In der Regel sind die Immobilienpreise am Stadtrand und in den Umlandgemeinden deutlich günstiger als in den zentralen Stadtbereichen“, so Staatssekretär Gothe. Diese vermeintliche Ersparnis werde aber durch die höheren Mobilitätskosten in aller Regel ganz oder teilweise aufgezehrt. Nicht selten erweisen sich Wohnstandorte am Rand – trotz der günstigeren Kauf- und Mietpreise – als insgesamt teurer.

Die zwischen Stadtzentrum und Umland ansteigenden Mobilitätskosten haben vor allem einen Grund: „Die Haushalte am Stadtrand und im Umland finanzieren für ihre Alltagsmobilität üblicherweise deutlich mehr Autos“, so Gaebler. Zum reinen Besitz jedes (zusätzlichen) Pkw kommen zudem noch die Spritkosten für die täglichen Fahrten. Der ADAC hat ermittelt, dass der Besitz eines Pkw und der damit verbundenen Nebenkosten durchschnittlich zwischen 300 und 600 Euro pro Monat beträgt. Die Monatskarte für BVG und S-Bahn dagegen ist für 77 Euro im Monat für den Berliner Stadtbereich zu haben, im Jahresabo wird sie sogar noch günstiger.

„Wohnen in der Stadt und in gut an den öffentlichen Nahverkehr angeschlossenen Gebieten lohnt sich für alle Haushalte“, so Gothe weiter. Dies gelte selbst für Seniorenhaushalte, die nicht dazu gezwungen seien, regelmäßig zur Arbeit zu pendeln. Durch die geringeren Mobilitätskosten eröffneten sich finanzielle Spielräume, die für das Wohnen selbst oder für anderes eingesetzt werden könnten. „Wohnen in der Stadt ist sozial, es ist bezahlbar und verbessert die Chancen auf gesellschaftliche Teilhabe“, so seine Schlussfolgerung. Die Studie bestätige das stadtentwicklungspolitische Ziel einer integrierten Siedlungs- und Verkehrsentwicklung sowohl auf der städtischen wie auch auf der regionalen Ebene.

Die Aktivitäten der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt zielen darauf, das Wohnen in der wachsenden Stadt mit einem Bündel von Maßnahmen zu unterstützen. „Daher sollen die Ergebnisse der Studie in Form eines internetgestützten Kostenrechners für private Haushalte nutzbar gemacht werden.“ Ziel sei es, ein Informationsinstrument anzubieten. Bislang jedoch ist die Studie nur mit ausgewählten Bereichen im Internet abrufbar.

Staatssekretär Gaebler: „Vor dem Hintergrund der wachsenden Stadt, der bis 2030 erwarteten Einwohnerzuwächse sowie der demografischen Veränderungen, vor allem der Alterung der Bevölkerung mit entsprechenden räumlichen Konzentrationen, wird es auch darum gehen, eine hohe Qualität des öffentlichen Nahverkehrs zu sichern.“