Eine Duftmischung aus Räucherstäbchen, Gewürzen und Crêpes heißt die Besucher des Straßenfestes am Blücherplatz in Kreuzberg schon von Weitem willkommen – der 18. Karneval der Kulturen ist eröffnet. Auf dem Festgelände angekommen, weiß man gar nicht so recht, in welche Richtung man zuerst gehen oder wenigstens gucken soll.
Alles so schön bunt hier – an den Ständen originelle Kleidung aus aller Welt, Schmuck und internationale Speisen, ein Genuss für alle Sinne. An einem Stand werden allein rund 30 verschiedene getrocknete Früchtesorten angeboten.
In dem kleinen Park haben sich schon zum Start des Karnevals am Freitag um 16 Uhr mehrere Hundert Menschen versammelt. In ihrer Mitte steht ein englischer Straßenkünstler, er jongliert und versprüht Witz und Charme. Gleich daneben können sich die Besucher bunte Strähnchen in die Haare färben oder Henna-Tattoos auftragen lassen.
1,3 Millionen Besucher werden erwartet
Auf vier Bühnen treten Musiker, Tänzer und Kleinkünstler auf. Aber auch zwischen den Bühnen zeigen viele ihr Können, etwa fünf Männer, die kubanische Rhythmen vor allem auf Trommeln erzeugen. Ein paar Meter weiter geht es etwas poppiger zu. Sechs Jungen präsentieren eine humorvolle Breakdance- und Hip-Hop-Show. Enthusiastisch klatscht die Menge im Rhythmus der Bässe. Auch Gaukler und Wahrsager sind auf diesem Kulturfest vertreten. Und wer eine kleine Verschnaufpause braucht, kann sich bei einer Shiatsu-Massage entspannen.
Bis Pfingstmontag wird der Karneval der Kulturen wieder die Straßen Kreuzbergs in eine farbenprächtige Bühne verwandeln. Rund 1,3 Millionen Zuschauer werden erwartet. 1996 initiierte und veranstaltete die Werkstatt der Kulturen in Neukölln erstmals den Karneval. Die Idee dahinter ist, die verschiedenen Nationalitäten und Kulturen Berlins zusammenzubringen, sich mit Weltoffenheit und Toleranz zu begegnen – und vor allem Lebensfreude zu zeigen.
Zum Karneval gehören das Straßenfest am Blücherplatz, der Kinderkarneval am Sonnabend und, als Höhepunkt, der große Festumzug am Pfingstsonntag. Das Straßenfest ist nicht nur die Bühne für Tänzer und Musiker. An mehr als 350 Ständen kann man Kunsthandwerk shoppen und Speisen aus aller Welt testen. Auch Informationen über den Karneval sind hier erhältlich.
Musik, Workshops, Tanz und Theater
Tanzlaune schaffen insgesamt 740 Musiker und DJs auf vier Bühnen: auf der Bazaár-Berlin-Bühne auf der Hallesches-Tor-Brücke, der Eurasia-Bühne an der Zossener Ecke Blücherstraße, der Farafina-Bühne auf dem Parkplatz von Poco-Domäne und der Latinauta-Bühne am Waterlooufer/Ecke Zossener Straße.
Wer nicht nur zuschauen möchte, kann auf dem „Rasen in Aktion“ im Zentrum des Straßenfestes mitmachen. 125 Künstler sind dort mit verschiedensten Performances und interaktiven Aktionen unterwegs und bieten Workshops an, zum Beispiel in Tanz, Theater und Jonglieren.
Neu in diesem Jahr am Blücherplatz ist ein Workshop über Urban Gardening von der Künstlergruppe Artistania an der Zossener Straße. Dort präsentieren sich mehrere nachhaltig wirtschaftende Unternehmen. Zusätzlich lädt die Heilig-Kreuz-Kirche täglich zu Musikveranstaltungen und Diskussionsrunden ein.
Der Karnevalshöhepunkt für Familien ist der Kinderkarneval am Sonnabend, ebenfalls in Kreuzberg. Um 13.30 Uhr geht’s mit dem Kostümumzug am Mariannenplatz los. Dieses Jahr haben die Nachwuchskarnevalisten ihre Kostüme unter das Motto „Mit Trommeln und Tröte retten wir die Meeresschildkröte“ gestellt. Der Umzug endet im Görlitzer Park, dort ist von 15 bis 19 Uhr Kinderfest.
Karnevalshöhepunkt ist der große Straßenumzug am Pfingstsonntag. Startpunkt ist wie immer der Hermannplatz in Neukölln. Die bunte Karawane mit 75 Gruppen und 48 motorisierten Wagen zieht um 12.30 Uhr von dort aus mit Tanz und Musik über Hasenheide und Gneisenaustraße bis zur Yorckstraße/Ecke Möckernstraße, wo der Umzug gegen 21.30 Uhr endet.
Organisiert wird der Umzug von der Werkstatt der Kulturen, die die schon in der Vergangenheit fehlende Unterstützung durch das Land Berlin für Berlins größte öffentliche Veranstaltung kritisierte. Die Grünen im Abgeordnetenhaus haben einen Antrag für einen Karnevalsfonds eingebracht. Da es aber hierauf noch keine Reaktion gab, wird erstmalig ein Protestkunstwerk auf dem Hermannplatz vor dem Start des Umzugs präsentiert werden.
Schaden sollte die Aktion der guten Laune beim Umzug, der Sambatänzer bis Technoliebhaber auf die Beine bringt, aber nicht. Dieses Jahr wird mit rund 700.000 Zuschauern gerechnet.
Die U-Bahnhöfe Hallesches Tor (U1 und U6) und Mehringdamm (U6 und U7) liegen direkt am Straßenfestareal. Etliche Straßen sind gesperrt. Buslinien werden umgeleitet.





