„Frost legt viele S-Bahnlinien lahm“, „Frieren auf dem Bahnsteig“, „Erneut Zugausfälle bei der Berliner S-Bahn“. So lauteten in den vergangenen Monaten Schlagzeilen der Berliner Morgenpost. Zehntausende Fahrgäste waren bei Schnee und Eis in diesem ungewöhnlich langen Winter immer wieder von Einschränkungen betroffen.

Und doch fällt die Bilanz der S-Bahn und der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) für die kalte Jahreszeit vergleichsweise positiv aus. Selbst der Berliner Fahrgastverband Igeb stellt der viel gescholtenen S-Bahn ein positives Zeugnis aus. „Das Unternehmen hat einen großen Schritt nach vorn gemacht“, sagt Igeb-Vize Jens Wieseke. Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) bestätigt: „Die S-Bahn ist generell etwas besser als in den Vorjahren mit dem Winter zurechtgekommen.“

Die monatlichen Qualitätsanalysen des VBB belegen diese Einschätzung. Von Dezember bis Februar konnte die S-Bahn ihre Pünktlichkeit kontinuierlich von gut 90 auf mehr als 97 Prozent steigern. Im Februar fuhren 97,1 Prozent der S-Bahnen mit weniger als vier Minuten Verspätung – das war der höchste Wert seit April 2011. Durch den erneuten, massiven Wintereinbruch im März ist die S-Bahn zwar wieder unter diese Marke gefallen – das Unternehmen gibt vorläufig eine Pünktlichkeitsquote von 92,32 Prozent an (Stand 20. März) – doch auch intern spricht man bei der S-Bahn von deutlichen Verbesserungen beim Wintereinsatz.

Fahrzeugflotte war deutlich zuverlässiger

Hauptgrund für den positiven Trend war nach Angaben eines S-Bahn-Sprechers die höhere Zuverlässigkeit der Fahrzeugflotte. Am schlechtesten Tag des laufenden Winters, dem 12. März, konnte die S-Bahn immer noch 486 ihrer 650 Doppelwagen einsetzen. Ein Jahr zuvor waren es am schlechtesten Wintertag nur 464 der sogenannten Viertelzüge, 2011 sogar nur 409. Aktuell kann das Unternehmen in der Hauptverkehrszeit 519 Viertelzüge in den Einsatz schicken, elf mehr als noch im Januar und 33 mehr als im Durchschnitt des Vorjahres.

Nach den Chaos-Wintern der Vorjahre hatte die S-Bahn die Züge der modernsten und zahlenmäßig wichtigsten Baureihe 481 mit großem Aufwand winterfest gemacht. Unter anderem wurden 2550 Motoren aufgearbeitet und ausgetauscht. Für die Züge der Baureihen 481 und 480 wurde von der Firma Knorr zudem eine automatische Funktionsüberwachung sowie ein Beheizungssystem für die Besandungsanlagen entwickelt. Die Baureihe 485 (wegen der ehemals roten Lackierung bekannt als „Coladosen“) erwies sich als extrem anfällig. Vor allem mit Tür- und Motorstörungen fielen in diesem Winter teilweise fast zwei Drittel der Coladosen aus und mussten durch andere Fahrzeuge ersetzt werden.

Blitzeis sorgte für stundenlange Störungen

„Leider sind die 485er offenbar eine Schönwetter-Baureihe“, sagt Fahrgastvertreter Wieseke und fordert Konsequenzen. S-Bahn und Senat müssten gemeinsam mit den Fahrgastverbänden verlässliche Betriebskonzepte für den künftigen Verkehr bei Eis und Schnee diskutieren.

Extreme Wetterlagen sorgten in dieser Frostsaison für gleich zwei große Störungen bei der BVG. Ursache: Blitzeis. Am 23. Dezember traf es die U3. Weil Fahr- und Stromschienen vereist waren, brach der Verkehr zwischen Breitenbachplatz und Krumme Lanke vom frühen Morgen bis zum Nachmittag völlig zusammen. Die gleiche Ursache sorgte am 10. März für eine mehrstündige Unterbrechung im morgendlichen Berufsverkehr auf der Linie U2 zwischen Olympiastadion und Ruhleben. Trotz dieser Pannen zieht auch die BVG eine positive Winterbilanz. Selbst die stundenlangen Ausfälle hätten zu keinem signifikanten Absinken der Pünktlichkeitswerte geführt, sagte Unternehmenssprecher Klaus Wazlak.