Betonmischer-Unfall

Jetzt spricht die Schwester der toten Radfahrerin

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Die Trümmer des Fahrrads der getöteten Frau und ein sogenanntes Geisterrad liegen auf der Bundesallee in Berlin-Wilmersdorf.

Die Trümmer des Fahrrads der getöteten Frau und ein sogenanntes Geisterrad liegen auf der Bundesallee in Berlin-Wilmersdorf.

Foto: Paul Zinken/dpa

Die Zwillingsschwester der Fahrradfahrerin, die von einem Betonmischer-Fahrzeug überfahren wurde, hat mit dem "Spiegel" gesprochen.

Berlin. Zu Beginn der vergangenen Woche sorgte ein Verkehrsunfall auf der Berliner Bundesallee bundesweit für Entsetzen. Dabei war eine 44-jährige Fahrradfahrerin von einem Betonmischer erfasst worden. Das Unfallopfer starb später im Krankenhaus. Einige Medien hatten den Tod der Berlinerin dem gleichzeitig stattfindenden Klimaprotest auf der Autobahn A100 angelastet. Nun hat sich die eineiige Zwillingsschwester der Verstorbenen zu Wort gemeldet.

In einem emotionalen Interview mit dem "Spiegel" äußerte sich Anja Umann über den Tod ihrer Schwester Sandra, das gemeinsame Verhältnis, die Blockade-Aktion der Klimaaktivisten sowie das Thema Verkehrssicherheit. An das Magazin hatte sich Umann gewandt, nachdem von Seiten der "Letzten Generation" "ignorante" Aussagen über den Tod ihrer Schwester in der medialen Berichterstattung kursierten.

Zwillingsschwester: "Zu 100 Prozent" mit Idealen des Klimaschutz identifizert

"Sie ist meine Welt gewesen, so wie ich ihre Welt", beschreibt die Hinterbliebene die Beziehung zu ihrer Schwester. "Wir sind mit 16 von zu Hause ausgezogen, unsere Eltern sind tot. Es gab immer nur uns zwei, keine Partner, kaum enge Freunde. Meine Schwester war Autistin, hatte ihr Leben lang schwere Depressionen und litt unter Angststörungen."

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Gemeinsam hatten die beiden ein veganes Modelabel aus der Taufe gehoben. Mit den Idealen der Klimaschutzbewegung hätten sich beide "zu 100 Prozent" identifiziert. "Uns liegt der Schutz der Natur sehr am Herzen. Aber wie ignorant mit dem Schicksal meiner Schwester umgegangen wird, verletzt mich sehr." Erst im Gepräch mit dem Journalisten erfuhr die 44-Jährige davon, dass die Autobahn-Blockade wahrscheinlich keinen Einfluss auf die Rettungsmaßnahmen für ihre Schwester hatten.

In ständiger Angst: Fahrradfahrer im Berliner Straßenverkehr

Sie spüre keine Wut auf die Aktivisten. "Nur ihre Methodik stelle ich manchmal infrage." Ihre Hoffnung sei es, dass die Gruppe überdenke, "ob es nicht vielleicht doch einen anderen Weg gibt, für das Überleben unseres Planeten zu kämpfen, ohne dass andere Menschen möglicherweise zu Schaden kommen."

Beide hatte eine Leidenschaft für Ausdauersport verbunden. Daher waren beide im Berliner Stadtgebiet in der Regel auf zwei Rädern unterwegs gewesen. Weil die Verkehrssicherheit speziell für Fahrradfahrer in Berlin noch nicht ausreichend sei, seien sie stets umeinander in Angst gewesen. "Wir haben immer geschaut, gibt es gute Radwege? Wo tut die Stadt etwas, damit die Radwege sicherer werden?"

Für ihre Schwester hofft sie, einen ruhigen Platz in einem Friedwald zu finden: "Ein Friedhof wäre zu viel für sie mit ihrer Erkrankung, weil dort so viele Menschen liegen. Das heißt, sie wird vielleicht unter einer großen Eiche in einem ruhigen Wald ihren Frieden finden."

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