01.02.13

Berliner Kaufhaus

KaDeWe-Chefin abgelöst - Rätselraten über die Gründe

Das Büro von KaDeWe-Chefin Ursula Vierkötter wurde geräumt. Nun wird gerätselt: Was ist los im berühmtesten deutschen Kaufhaus?

Von Hans Evert
Foto: M. Lengemann

Abgelöst: Ursula Vierkötter führte seit 2009 das KaDeWe. Ihr Büro hat sie seit Anfang der Woche geräumt
Abgelöst: Ursula Vierkötter führte seit 2009 das KaDeWe. Ihr Büro hat sie seit Anfang der Woche geräumt

Das Berliner KaDeWe macht jede Menge her. Kein Kaufhaus in Deutschland ist berühmter, keins größer und keins exklusiver. Derzeit ist wohl auch keins rätselhafter. Es geht um die schlichte Frage, wer eigentlich im Einkaufstempel an der Tauentzienstraße das Sagen hat.

Die Geschäftsführung von Karstadt schweigt, ebenso die Pressestelle. Noch nicht einmal die Standardphrase, nach der "wir uns dazu nicht äußern werden", ist zu vernehmen. Auch die Frau, die angeblich die Führung übernommen hat, lässt wie alle anderen, die es wissen könnten, Anrufe unbeantwortet.

Gewiss ist nur: Ursula Vierkötter, seit 2009 Chefin des exklusivsten deutschen Kaufhauses, ist ihren Posten los. Ihr Büro ist angeblich schon seit Montag geräumt. Offenbar ist die Entscheidung über ihren Rauswurf am vergangenen Wochenende gefallen.

Aus der Essener Karstadt-Zentrale, von wo aus das KaDeWe gelenkt und kontrolliert wird, gab es bis Donnerstagabend keine Mitteilung an die Mitarbeiter. Einem Bericht der "Bild"-Zeitung zufolge soll Petra Fladenhofer ab sofort die Geschäfte am Wittenbergplatz führen. Von ihr selber ist dazu nichts zu vernehmen.

Fladenhofer war Pressesprecherin des KaDeWe und zuletzt Marketingchefin der Karstadt Premium GmbH. In dieser Tochtergesellschaft hat Karstadt den Betrieb seiner drei Edelkaufhäuser – neben dem Flaggschiff KaDeWe, das Oberpollinger in München und das Alsterhaus in Hamburg – gebündelt.

Verwunderung und Erstaunen über diese Personalie

Im KaDeWe und bei Karstadt herrscht Verwunderung und Erstaunen über diese Personalie. Offenbar wurde die Entscheidung unmittelbar von der Karstadt-Spitze um Andrew Jennings getroffen. Warum? Selbst zum Spekulieren fehlt es an Stoff.

Eine Version, die die Runde macht, lautet: Jennings sei mit der geschäftlichen Entwicklung des KaDeWe nicht sonderlich zufrieden. Doch warum dann dieser plötzliche und abrupte Abgang. Die üblichen Zeichen, die häufig einer Manager-Entlassung vorausgehen – Entfremdung zum Boss, Gerüchte über Nachfolger – soll es nicht gegeben haben.

Es gibt einige spärliche Indizien. In den ersten Wochen 2013 wurde oberhalb der KaDeWe-Leitungsebene personell rochiert. Seit Anfang des Jahres hat die Karstadt Premium GmbH mit Miguel Müllenbach, gleichzeitig Finanzchef der Karstadt-Gruppe, einen neuen Geschäftsführer. So jemand könnte natürlich eine Neuordnung an der Spitze des wichtigsten Hauses verfügen. Hätte, könnte – eine Erklärung ist es nicht.

Ohnehin deutlich vernehmbare Unruhe beim Kaufhauskonzern

Die Ablösung von Vierkötter verstärkt die ohnehin deutlich vernehmbare Unruhe beim Kaufhauskonzern und seinem Berliner Vorzeigehaus. Rund zwei Jahren ist es her, dass der Investor Nicholas Berggruen das Unternehmen aus der Arcandor-Insolvenzmasse erwarb. Zunächst wurde er als Retter gefeiert.

Eine Milliarde Euro Investition in die teils maroden Häuser wurde versprochen. Die Belegschaft verzichtete auf Gehalt, um die Unternehmung "Karstadt 2015" mit günstigen Kosten zu flanieren. Wie das Geschäft unter der Ägide von Berggruen und dem direkten Management von Jennings läuft, ist nicht bekannt. Selbst für das vorletzte Geschäftsjahr wurde noch kein Bericht veröffentlicht.

Besonders gut kann es aber nicht gelaufen sein. Im vergangenen Jahr schockte Karstadt-Chef Jennings mit Plänen, 2000 Vollzeitstellen bei Karstadt abbauen zu wollen. Bei den Mitarbeitern, die sich noch gut an die Trübsal des Pleitejahres 2009 erinnern, kommt das verständlicherweise nicht gut an.

Und dann sind da noch die Gerüchte über einen Verkauf des KaDeWe zusammen mit dem Oberpollinger und dem Alsterhaus sowie den Sporthäusern des Konzerns. Erst im Herbst wurde die KaDeWe-Immobilie am Wittenbergplatz zusammen mit 16 weiteren Karstadt-Häusern an den österreichischen Investor René Benko veräußert.

Das Oberpollinger in München gehörte Benkos Signa-Gruppe schon länger. Der Mann interessiert sich aber nicht nur für Steine und Grundstücke. Beim Metro-Konzern fühlte er vorletztes Jahr wegen der zum Verkauf stehenden Kaufhof-Gruppe vor. Metro lehnte ab. Berggruen wiederum hat auch schon mal wegen Kaufhof nachgefragt. Es wird weiter spekuliert. Die Frage, wer das KaDeWe führen soll, ist da fast eine Randnotiz.

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