22.12.12

Kaufhausgebäude

Wiener Investor kauft das Berliner KaDeWe

Die österreichische Signa-Holding von René Benko zahlt dem bisherigen Eigentümer rund 500 Millionen Euro für die Nobelimmobilie KaDeWe.

Von René Gribnitz
Foto: dpa

Investor René Benko (35) hat in den zurückliegenden Jahren einen rasanten Aufstieg als Immobilienentwickler in Österreich und auch in Deutschland erreicht
Investor René Benko (35) hat in den zurückliegenden Jahren einen rasanten Aufstieg als Immobilienentwickler in Österreich und auch in Deutschland erreicht

Das Berliner Kaufhaus des Westens (KaDeWe) hat einen neuen Eigentümer. Die Immobilie am Tauentzien ist an den österreichischen Investor René Benko verkauft worden. Der Verkäufer ist die Investorengruppe Highstreet, hinter der sich unter anderem die Deutsche Bank und die US-Großbank Goldman Sachs verbergen. Benko zahle für das Nobelkaufhaus und weitere 16 von Karstadt betriebene Warenhäuser rund 1,1 Milliarden Euro, teilte Highstreet mit. Allein für das KaDeWe seien 500 Millionen Euro gezahlt worden, hieß es. Wie ein Highstreet-Sprecher sagte, soll die Transaktion allerdings erst im neuen Jahr notariell beurkundet werden.

Bei dem Verkauf geht es allein um die Immobilie. Das Warenhaus selbst wird von Karstadt betrieben. Der Milliardär und Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen muss die Mietverhandlungen künftig mit Benkos Signa Holding führen.

Das KaDeWe empfängt auf seinen 60.000 Quadratmetern täglich bis zu 50.000 Kunden aus aller Welt, in der Weihnachtszeit werden sogar bis zu 100.000 Kunden gezählt. Es gilt als das größte Warenhaus Kontinentaleuropas. Der 1907 eröffnete und zuletzt 2004 umgebaute Einkaufstempel erstreckt sich über sieben Etagen.

René Benko gilt als einer der hundert reichsten Österreicher

Das KaDeWe-Gebäude gehört zu dem Immobilienpaket, das der frühere Karstadt-Chef Thomas Middelhoff 2006 an ein Konsortium (Highstreet) unter Führung der US-Investmentbank Goldman Sachs verkauft hatte, um mit dem Erlös das notleidende Geschäft des Kaufhauskonzerns zu finanzieren. Goldman Sachs zahlte für 51 Prozent der Immobilien-Anteile 3,5 Milliarden Euro. Die restlichen 49 Prozent übernahmen 2008 die Deutsche-Bank-Tochter Rreef, der italienische Finanzkonzern Generali sowie die ebenfalls aus Italien stammende Unternehmensgruppe Borletti und Prelios.

Nach der Insolvenz der Karstadt-Mutter Arcandor 2010 und der geplanten Übernahme des Warenhausgeschäfts durch Berggruen stand Highstreet im Mittelpunkt der Rettungsbemühungen. Über drei Monate zogen sich die Verhandlungen zwischen Highstreet und Berggruen um deutliche Nachlässe bei den Mieten für die Warenhäuser hin. Überzogene Mietzahlungen für die Highstreet-Häuser und andere Karstadt-Warenhäuser gelten als Grund für den Zusammenbruch des Handelskonzerns.

Der 35-jährige Investor Benko hat in den zurückliegenden Jahren einen rasanten Aufstieg als Immobilienentwickler in Österreich und auch in Deutschland erreicht. Seine Signa Holding ist das größte private Immobilienunternehmen in Österreich. Im Signa-Beirat sind zahlreiche bekannte Personen, darunter der frühere österreichische Bundeskanzler Alfred Gusenbauer und der ehemalige Porsche-Chef Wendelin Wiedeking.

René Benko gilt als einer der hundert reichsten Österreicher. Seine Signa-Gruppe verfügt nach eigenen Angaben über ein Immobilienvermögen von vier Milliarden Euro. In Deutschland gehören der Sitz der Deutschen Börse in Frankfurt-Eschborn und in München das von Karstadt gemietete Luxuskaufhaus Oberpollinger dazu. 2011 hatte sich Benko bereits für die deutsche Warenhauskette Kaufhof interessiert. Vonseiten des Eigentümers Metro wurden die Verkaufsgespräche dann aber überraschend auf Eis gelegt.

Zuletzt hatte Benko in Österreich in einem Korruptionsprozess für Schlagzeilen gesorgt. Von einem Wiener Gericht wurde er zusammen mit seinem Steuerberater im November zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Benko seinen Steuerberater 2009 beauftragt hatte, in einer italienischen Steuersache der Signa-Holding über den früheren kroatischen Premier Ivo Sanader in Italien zu intervenieren. Dafür hätte Sanader 150.000 Euro kassieren sollen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, Benkos Anwälte haben Berufung eingelegt.

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