15.02.13

Medizin

15-jähriger Schüler erfindet sensationellen Krebs-Test

Jack Andraka hat eine Methode zur Krebsfrüherkennung erfunden: 26.000 Mal günstiger, 90 Prozent zuverlässiger als jedes andere Verfahren.

Da war der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Da waren Minister, Senatoren und Abgeordnete. Und da war ein Knabe, gerade 16 Jahre alt geworden, der einen Großteil dieser Honoratioren durch sein Werk bereits in den Schatten stellt: Als Barack Obama am Dienstag im Kongress seine Rede zur Lage der Nation hielt, saß unter den Ehrengästen in der Loge der First Lady auch Jack Andraka, der aus dem Biologieunterricht heraus die Krebsmedizin revolutionierte.

Der Schüler aus Crownsville in Maryland erfand ein preiswertes und zudem sicheres Verfahren zur Früherkennung von Bauchspeicheldrüsen-, Lungen- und Eierstockkrebs. Im Mai vorigen Jahres, gerade vier Monate nach seinem 15.Geburtstag, hatte er den mit 75.000 Dollar dotierten Hauptpreis der Internationalen Wissenschafts- und Ingenieursmesse des amerikanischen Halbleiterherstellers Intel in Pittsburgh gewonnen.

Er jubelte und kreischte vor Glück

Auf YouTube gibt es Filme, die zeigen, wie der Teenager bei der Verkündung der Gewinner mit angespannter Miene im Publikum sitzt. Und dann mit gänzlich ungehemmter Begeisterung jubelnd und kreischend zur Bühne stürmt, als die Moderatorin nur die Siegerdisziplin "Medizin" nennt.

Da wusste Jack, dass er den renommierten Gordon-E.-Moore-Preis bekommen hatte. Er lachte, weinte, gestikulierte, und vorne ließ er sich auf die Knie fallen, sprang wieder auf, umarmte und drückte alle Umstehenden. Das lief jeder Freudenszene bei Oscar-Verleihungen den Rang ab und wirkte kein bisschen theatralisch.

Für einen Diabetes-Teststreifen hatte der Junge den Preis gewonnen, den man als Goldmedaille der "Olympischen Erfinderspiele" bezeichnen darf. Das Stückchen Papier erkennt das Protein Mesothelin, das bei Krebserkrankungen im Blut und Urin vorkommt. Ein tragisches Ereignis lieferte den Anlass für Jacks bislang wichtigste Erfindung. Ein Onkel starb an Krebs, der zu spät entdeckt worden war. Der Junge begann, nach einer sicheren Diagnose zu forschen.

Im Biologieunterricht an der North County Highschool entwickelte er "beim Ausspannen" die Lösung des Problems – und zwar durch das penible Auswerten vorliegender Studien und ein wenig Google-Recherche. Doch ein Labor, in dem er seine These hätte überprüfen können, gibt es an der Schule nicht.

Hunderte Absagen

200 Professoren der medizinischen Fakultät der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore und des renommierten National-Health-Instituts im nahen Washington schrieb Jack mit einem Budgetplan und der Bitte an, seine Erfindung in ihren Labors testen zu dürfen.

Rund 200 Absagen bekam er – bis einer der Johns-Hopkins-Professoren, der Onkologe und Biomolekularwissenschaftler Anirban Maitra, den Jungen zum Gespräch einlud. Der zu übersprudelnden Erklärungen neigende Schüler überzeugte den Professor.

Der von Jack entwickelte Teststreifen funktioniert ähnlich wie ein Filterpapier, ist aber getränkt mit einer Flüssigkeit mit Kohlenstoffnanoröhrchen. Diese Zylinder, deren Wände nicht dicker sind als ein einzelnes Atom, binden das Mesothelin und verändern sich dadurch geringfügig. Drei Cent kosten die Materialien, sagt Jack, und das sei 26.000-mal preiswerter als das gängige Nachweisverfahren, das auf der Erkennung von Antikörpern basiert (Elisa-Test).

Der Test habe sich in 90 Prozent der Fälle als zuverlässig erwiesen. An dieses Resultat kommt keine andere Früherkennung heran. Zudem erfordere seine Innovation nur fünf Minuten Zeit und sei damit 168-mal schneller als jedes andere Verfahren. Jack Andraka – man darf sich den Namen merken.

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Krebs in Deutschland
  • Krebserkrankungen

    In Deutschland erkranken jährlich fast 500.000 Menschen neu an Krebs. Für 2012 rechnet das Robert-Koch-Institut (RKI) mit 490.000 Neuerkrankungen. 2008 waren demnach 470.000 Menschen betroffen, 70.000 bis 80.000 Patienten mehr als zehn Jahre zuvor.

  • Krebs bei Männern

    Häufigste Krebsart bei Männern ist mit etwa 65.000 Neuerkrankungen im Jahr Prostatakrebs. Betroffen sind vor allem ältere Männer. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt bei 70 Jahren. An zweiter Stelle folgt Darmkrebs mit fast 40.000 Neuerkrankungen. Lungenkrebs ist mit knapp 35.000 Erkrankungen die dritthäufigste Diagnose bei Männern.

  • Krebs bei Frauen

    Bei den Frauen ist Brustkrebs die häufigste Krebsart (mehr als 70.000 Neuerkrankungen im Jahr). An zweiter Stelle steht Darmkrebs mit rund 30.000 Neuerkrankungen, gefolgt von Lungenkrebs (etwa 16.000 Neuerkrankungen).

  • Krebs beim Nachwuchs

    Bei Kindern und Jugendlichen wird die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen auf 1.800 geschätzt. Die Heilungschancen bei den Jungen und Mädchen liegen inzwischen bei 80 Prozent. Für Patienten unter 15 Jahren sind Leukämien (Blutkrebs), Tumoren des Gehirns und des Rückenmarks sowie Lymphknotenkrebs die häufigsten Krebsarten.

  • Überlebenschancen

    Die Überlebenschancen haben sich auch bei den älteren Patienten in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verbessert. Vor 1980 starben nach Angaben des RKI zwei Drittel der Erkrankten an Krebs, inzwischen ist es weniger als die Hälfte. Durch verbesserte Therapien geht die Sterberate laut RKI seit 1999 zurück. dapd

Vermeidbare Auslöser von Krebs
  • Angst vor Krebs

    Krebs führt die Rangliste der Krankheiten an, vor denen die Deutschen am meisten Angst haben. Von 3000 Befragten fürchteten sich 73 Prozent am meisten vor bösartigen Tumoren. Erst danach folgten Unfälle und Demenzerkrankungen. Das ergab eine Umfrage im Auftrag der Krankenkasse DAK.  Dabei haben es viele selbst in der Hand, etwas gegen die Angst und den Krebs zu tun

  • Platz 1: Rauchen

    23 Prozent der Krebserkrankungen bei Männern und rund 16 Prozent bei Frauen sind auf Tabakgenuss zurückführen.

  • Platz 2: Falsche Ernährung

    9 Prozent aller Krebsfälle wären vermeidbar, wenn die Menschen auf die Ernährung achten würden.

  • Platz 3: Übergewicht

    Übergewicht und Fettleibigkeit sollen 5,5 Prozent aller Krebsarten ausmachen.

  • Weitere Auslöser

    Mangelnde Bewegung, Sonnenlicht, Infektionen und Berufsrisiken sind weitere Punkte, die das Risiko für eine Krebserkrankung begünstigen, jedoch zum Großteil beeinflussbar sind.

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