05.02.13

Lokalderby

Union-Fans diffamieren mit Plakat Hertha-Anhänger

Mit einem Transparent haben Union-Anhänger die Grenze des guten Geschmacks überschritten. Der Verein will das "Missverständnis" aufklären.

Foto: pa/dpa

So einträchtig beieinander sieht man Union und Hertha nur selten
So einträchtig beieinander sieht man Union und Hertha nur selten

Union schlägt Sandhausen mit 3:1, Hertha fegt Regensburg sogar mit 5:1 aus dessen eigenem Stadion – zwei Resultate, die die Hauptstadt noch mehr dem Derby am 11. Februar im Berliner Olympiastadion entgegenfiebern lassen. Ganz Berlin freut sich auf ein Fußballfest. Schade nur, dass schon jetzt ein Teil der Fans über das Ziel hinausgeschossen ist.

"Herthatreff am Knabenstrich - alte Liebe rostet nicht", hieß es auf einem Transparent der Union-Fans – ein Spruch, der weit über die üblichen Frotzeleien im Derby-Vorfeld hinausgeht. Es ist das letzte und bislang peinlichste Kapitel in der Geschichte um einen Treffpunkt, von dem die Fans aus ins Olympiastadion pilgern wollen.

Union-Fans hatten unter dem Motto "Osten und Westen – unser Berlin" den Breitscheidplatz an der Gedächtniskirche als zentralen Sammelpunkt auserkoren. Die Reaktion der Hertha-Anhänger war die Verkündung des blau-weißen Derbytreffs am Bahnhof Zoo mit den Worten: "Es gibt Dinge, die lassen wir uns nicht nehmen!" Grund genug offenbar für ein Teil der Unioner für jenen unnötig provokanten Einzeiler – denn dass der Bahnhof Zoo mit minderjährigen Prostituierten in Verbindung gebracht wird, ist stadtweit bekannt.

Obszönitäten schon beim Fanprotest im Vorjahr

Damit ist es dem sonst doch so kreativen Anhang der Köpenicker Kicker, zumindest einem Teil davon, zum zweiten mal innerhalb weniger Wochen gelungen, de Grenzen des guten Geschmacks zu überschreiten. Schon im Zuge der Fanproteste gegen das Sicherheitskonzept im Dezember vergangenen Jahres verloren sich die Statements zum Teil in Obszönitäten.

Wenig begeistert vom aktuellen Transparent der Unioner waren die "Hertha-Junxx", der erste schwul-lesbische Fanclub der Blau-Weißen. Er hat die Union-Verantwortlichen jedenfalls schriftlich zu einer Stellungnahme zu dem Vorfall aufgefordert.

Deutliche Positionierung gegen Diskriminierung

"Dieses Spruchband einiger Fans sollte offenkundig den Derby-Gegner provozieren – mehr nicht. Eine homophobe oder gar pädophile Beleidigung war hier ganz sicher nicht beabsichtigt und eine derartige Interpretation halte ich für absurd", kommentierte Lars Schnell, Unions Fanbeauftragter: "Dieses Missverständnis werden wir schnellstmöglich in einem Gespräch mit Betroffenen, die sich an uns gewandt haben, ausräumen. Der 1. FC Union Berlin hat sich wiederholt sehr klar und deutlich gegen jegliche Art von Diskriminierung positioniert und wird das auch weiterhin tun."

Fanfreundschaft soll vertieft werden

Dass es durchaus auch anders geht, beweisen die Initiatoren der Internetplattform hertha-union-freun.de. Deren Ziel ist es, die Freundschaft zwischen beiden Lagern wieder aufleben zu lassen und zu vertiefen. "Denn wir sind Berlin, und Berliner halten immer zusammen egal welche Farbe der Verein trägt", heißt es auf der Homepage. Treffpunkt der Sympathisanten dieser Internetpräsenz ist übrigens die Weltzeituhr am Alexanderplatz.

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