03.02.13

5:1 in Regensburg

Hertha BSC schießt sich für das Derby gegen Union warm

Nach schwachem Beginn der Herthaner ergriff Ronny in der zweiten Hälfte die Initiative. Es folgte eine Leistungsexplosion.

Von Jörn Meyn
Foto: dpa

SSV Jahn Regensburg - Hertha BSC 1:5 (0:0) Die Berliner bleiben auch nach der Winterpause auf Aufstiegskurs. Beim Tabellenletzten aus der Oberpfalz taten sie sich jedoch in den ersten 45 Minuten schwer. Die Gastgeber um den von Hertha ausgeliehenen Marco Djuricin (l.) hielten Fabian Holland (u.) und Co. mit Einsatz und Kampfbereitschaft in Schach.

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Zur Belohnung gab es eine Umarmung für den Mann des Tages. Als Jos Luhukay am Sonntag kurz vor dem Abpfiff des Auswärtsspiels seiner Mannschaft beim Tabellenletzten SSV Jahn Regensburg Spielmacher Ronny vom Feld nahm, lächelte Herthas Cheftrainer breit übers Gesicht, hob freudig die Arme und schloss Ronny herzlich darin ein.

Der Niederländer hatte allen Grund dazu, den 26-Jährigen mit dieser persönlichen Geste extra zu würdigen. Wieder einmal hatte er es vornehmlich Ronnys Extraklasse zu verdanken, dass sein Team eine zähe Partie am Ende doch deutlich mit 5:1 (0:0) für sich entscheiden konnte. Dank Ronnys zwei Toren und zwei Vorlagen bleibt Hertha auch im 18. Spiel in Folge ohne Niederlage und festigt mit dem 13. Saisonsieg Tabellenplatz zwei in der Zweiten Liga.

Dabei hatte es eine ganze Halbzeit lang nicht danach ausgesehen, dass Hertha im ersten Spiel nach der 50 Tage langen Winterpause Grund zum Jubel bekommen sollte.

Die Berliner begannen vor 10.212 Zuschauern im Jahnstadion ungewohnt nervös und unkonzentriert. Auf dem seifigen Geläuf taten sich die Herthaner gegen das kompakt auftretende Team des polnischen Trainers Franciscek Smuda zunächst schwer.

Luhukay hatte gegen die Oberpfälzer im Vergleich zur letzten Begegnung 2012 gegen den FSV Frankfurt (2:1) auf zwei Positionen umgestellt. Für Felix Bastians verteidigte links in der Viererkette Fabian Holland (der allerdings die fünfte Gelbe Karte sah und damit für das Stadtderby gegen den 1. FC Union in einer Woche gesperrt ist).

Verteidiger Hubnik im Berliner Mittelfeld überfordert

Für Kapitän Peter Niemeyer, der wegen einer Zehenverletzung ausfiel, brachte der 49-Jährige überraschend Abwehrspieler Roman Hubnik im defensiven Mittelfeld. Daran krankte das Aufbauspiel der Berliner deutlich. Aus Mangel an Anspielstationen im Mittelfeld operierten die Blau-Weißen zunächst fast ausschließlich mit langen Bällen nach vorn, welche die Regensburger Hintermannschaft aber nicht in Verlegenheit bringen konnten. "Wir haben uns zu Beginn sehr schwer getan", befand auch Luhukay nach der Partie. "Ich habe eine zu große Verkrampftheit und Unsicherheit gesehen."

So dauerte es 37 Minuten, bis die Gäste zum ersten Mal gefährlich vor dem Regensburger Schlussmann, dem Ex-Herthaner Timo Ochs, auftauchten – doch der Kopfball von Adrian Ramos ging knapp daneben. Der Jahn antwortete in Person von Herthas Leihgabe Marco Djuricin. Der 20-Jährige scheiterte allerdings aus zehn Metern an Berlins Torwart Thomas Kraft (43. Minute). Mit hängenden Köpfen und viel Gesprächsbedarf gingen die Hertha-Spieler in die Pause.

Hertha schämt sich für erste Hälfte - und dreht auf

"Wir haben uns in der Halbzeit fast schon geschämt, was wir da abgeliefert haben", erzählte Abwehrspieler Marcel Ndjeng nach dem Spiel. Auch Kraft ärgerte sich über eine leblose Vorstellung seiner Vorderleute: "Da hat uns der Willen und die Galligkeit gefehlt", sagte der 24-Jährige. Deutliche Worte fand auch Trainer Luhukay in der Kabine. "Er hat uns mit seiner Ansprache aufgeweckt", sagte Ronny und lächelte. Die Maßnahme zeigte Wirkung, nach dem Wiederanpfiff lief es plötzlich.

Ronny ergriff nun die Initiative auf dem Feld und setzte Ramos mit einem Doppelpass in Szene, doch der Kolumbianer verfehlte noch knapp (48.). Drei Minuten später machte es der 27-Jährige besser. Nach einer Ecke von Ronny stieg Ramos im Strafraum hoch und köpfte aus kurzer Distanz zur 1:0-Führung ein (52.). Es war bereits Ramos' siebter Saisontreffer.

Ronny verwandelt Elfmeter zum 2:0

Wiederum nur drei Minuten später brachte Regensburgs Christian Rahn den heranstürmenden Peer Kluge im Strafraum zu Fall – Schiedsrichter Guido Winkmann entschied zu Recht auf Elfmeter, und Ronny verwandelte sicher zum 2:0 (56.). "Wieder einmal waren es zwei Standardsituationen, die uns in die Erfolgsspur gebracht haben, aber das ist auch unsere Extraqualität", sagte Luhukay. Wie recht er hatte, zeigte sich in der 67. Minute. Erneut lief Ronny zu einem Freistoß an, bedient den eingewechselten Sandro Wagner, der unbedrängt zum 3:0 einköpfte (67.). Es war bereits Ronnys neunte Vorlage in der laufenden Spielzeit.

Nachdem Kapitän Kluge nach einem Zusammenprall mit Hubnik angeschlagen raus musste, stockte das Spiel der Herthaner allerdings kurz. Regensburg nutzte eine Unsicherheit zum 1:3 durch den eingewechselten Denis-Danso Weidlich (77.). "Ein dummes Gegentor, das uns nicht passieren darf", ärgerte sich Schlussmann Kraft.

Mehr Grund zum Frust gaben ihm seine Kollegen aber nicht mehr. Im Gegenteil: Hertha drehte nun erneut auf. Wieder war es Ronny, der nun als Ersatzkapitän die Binde trug, der von Ramos bedient wurde und mit einem satten Schuss ins lange Eck traf, 4:1 (84.). Damit besserte der im zweiten Durchgang famos aufspielende Brasilianer sein Torkonto auf nunmehr elf Treffer. Und weil sich kurz vor Abpfiff auch noch der eingewechselte Marvin Knoll in einen Befreiungsschlag der Regensburger warf und das Spielgerät vom 22-Jährigen ins Tor sprang, hieß es am Ende gar 5:1 (90.).

Comeback von Lasogga

Nachzutragen bleibt: Von Ronny wanderte die Kapitänsbinde zu Fabian Lustenberger. Und in den letzten 180 Sekunden feierte Stürmer Pierre-Michel Lasogga 274 Tage nach seiner Kreuzband-Verletzung sein Comeback.

"Aller Anfang ist schwer", zog ein sichtlich gelöster Luhukay nach der Partie Bilanz. Er habe nicht damit gerechnet, "dass wir in der zweiten Halbzeit noch einmal so explodieren würden". Nach schwacher Anfangsphase habe man Moral bewiesen, sagte Ndjeng. Der Trainer habe das Team richtig wachgerüttelt. "Vielleicht war das heute ein Hallo-Wach-Effekt für uns, dass die nächsten Spiele keine Selbstläufer werden."

Auch Luhukay war froh, dass der Start nach der Winterpause mit dem zweithöchsten Saisonsieg nach Maß gelang. Bei wem er sich dafür aber am meisten bedanken musste, wusste Luhukay genau: "Am Ende hatten wir Ronny, der absolut den Unterschied ausgemacht hat." Für das Prestigeduell gegen Union in einer Woche aber, auch davor verschloss Luhukay trotz des hohen Sieges nicht die Augen, "müssen wir uns steigern".

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