Es hatte sich angedeutet – dort in den kühlen Katakomben des Berliner Olympiastadions am Mittwochabend, als Herthas Manager Michael Preetz ein Bekenntnis zu seinem Trainer vermied. Man werde erst einmal eine Nacht über alles schlafen, sagte Preetz nach der 0:1-Niederlage gegen Bayer 04 Leverkusen, der elften Saisonpleite im 19. Spiel, welche den Absturz auf Tabellenplatz 17 für den Hauptstadtklub bedeutet. Erst dann werde man eine Entscheidung über die Zukunft des Trainers fällen.

In jener Nacht sind Preetz und den Verantwortlichen bei Hertha BSC keine neuen Erkenntnisse gekommen. Nach einem Gespräch der Geschäftsführer verkündete der Verein am Donnerstag, dass Jos Luhukay, dessen Vertrag noch bis 2016 lief, mit sofortiger Wirkung als Cheftrainer entlassen ist.

Nachfolger von Luhukay bei Hertha werden interimsmäßig der ehemalige Berliner Profi Pal Dardai und der ehemalige Co-Trainer Rainer Widmayer. Das bestätigte Hertha BSC gegenüber der Morgenpost. Luhukays Assistentstrainer Markus Gellhaus und Rob Reekers sind ebenfalls beurlaubt.

„Wir glauben, dass wir einen Impuls von außen setzen mussten. Deshalb haben wir uns zu diesem Schritt entschieden“, sagte Preetz am Donnerstag bei der Vorstellung Dardais. Preetz und Dardai haben noch gemeinsam bei Hertha gespielt. „Ich bin total von Pals Qualitäten überzeugt. Er war als Spieler ein harter Hund und steht für diesen Verein“, so Preetz.

Rekordspieler des Vereins

Dardai, 38, ist Herthas Rekordspieler. Zwischen 1997 und 2011 stand er 297 Mal für die Berliner in der Liga auf dem Feld (286 Bundesliga- und elf Zweitligaspiele) und erzielte dabei 17 Tore. Zuletzt war er als U15-Trainer beim Verein angestellt und übernahm im Dezember 2014 zudem die ungarische Nationalmannschaft als Chefcoach, die er zuvor als Interimstrainer geführt hatte.

Dardais Engagement als Herthas Cheftrainer gelte „bis auf weiteres“, so Preetz. „Das heißt, wir haben Vertrauen in diesen Trainer. Auf der anderen Seite ist es auch unsere Pflicht, uns den ein oder anderen Gedanken mehr zu machen“, sagte der 47-Jährige.

Dardai selbst präsentierte sich gleich mit markigen Worten: „Die Mannschaft hat die Qualität für einen viel, viel besseren Tabellenplatz. Wir gehen das an mit viel Kampfgeist. Eins ist sicher: Ich arbeite bis zum Tod dafür, dass wir das schaffen.“ Es gehe nun darum, die Mannschaft mental wieder aufzubauen, die schon am Sonnabend bei Mainz 05 antreten muss.

Widmayer, 47, war bereits zwischen 2010 und 2011 als Assistent unter Cheftrainer Markus Babbel bei Hertha. Nach Babbels Entlassung im Dezember 2011 übernahm er Hertha als Interimstrainer und führte das Team durch ein 3:1 gegen den 1. FC Kaiserslautern ins DFB-Pokal-Viertelfinale. Danach ging er auf eigenen Wunsch, weil er weiter mit Babbel zusammenarbeiten wollte. Widmayer galt damals als sehr beliebt bei den Spielern.

2010/11 war Widmayer zudem auch Trainer von Dardai in dessen letzter Saison bei den Profis. „Er ist ein sehr guter Trainer“, sagte Dardai. Widmayer , der seit Dezember 2012 arbeitslos war, wird am Abend in Berlin erwartet.

Lange Talfahrt

Mit der Entscheidung für Dardai und Widmayer endet die 31 Monate lange Schaffenszeit von Jos Luhukay in Berlin. Der Niederländer hatte den Klub im Sommer 2012 übernommen, als er nach dem Bundesliga-Abstieg und den Wirrungen rund um die Relegation gegen Fortuna Düsseldorf sportlich und mental am Boden lag. Der 51-Jährige führte Hertha mit der Rekordpunktzahl von 76 Zählern als Zweitligameister zurück in die Bundesliga und schaffte dort in der darauffolgenden Spielzeit den Klassenerhalt mit 41 Punkte und Platz elf.

Doch Luhukays Talfahrt begann bereits im ersten Halbjahr 2014: Nachdem seine Mannschaft in der Hinrunde noch als Aufsteiger für Furore sorgen konnte und überraschend auf Rang sechs überwinterte, konnte Hertha in der Rückrunde nur noch 13 Punkte aus 18 Partien erspielen.

Nur vier Punkte aus den letzten sieben Spielen

In der aktuellen Saison gelang es Luhukay nicht, seine mit acht zum Teil namhaften Neuzugängen (Salomon Kalou, Valntin Stocker, John Heitinga) verstärkte Mannschaft zu stabilisieren. Den wenigen Siegen folgten stets Rückschläge. Mit nur 18 Punkten steht Hertha auf dem vorletzten Tabellenrang. Zuletzt verschärfte sich die Krise der Blau-Weißen von Spiel zu Spiel.

Von den letzten 21 möglichen Punkten holte Hertha nur vier. Nur ein Sieg gelang in den vergangenen sieben Partien. Zuletzt gab es drei Niederlagen in Serie (0:5 gegen Hoffenheim, 0:2 gegen Bremen und 0:1 gegen Leverkusen), bei der nicht ein einziges Tor erzielt werden konnte.

Nach Mirko Slomka (HSV), Jens Keller (Schalke 04) und Robin Dutt (Bremen) und Armin Veh (Stuttgart) ist Jos Luhukay der fünfte Trainer der aktuellen Bundesligasaison, der seinen Posten räumt. Vier wurden entlassen. Veh trat beim VfB zurück.