23.01.13

Plagiatsverdacht

Für Frau Dr. Annette Schavan wird es ernst

Die Uni Düsseldorf leitet ein Verfahren zur Aberkennung des Titels der Ministerin ein. HU-Präsident Olbertz mahnt ein zweites Gutachten an.

Foto: dapd

Schwere Zeiten: Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) will um ihren Titel kämpfen, Dekan Bruno Bleckmann (l.) die Dissertation „ergebnisoffen“ prüfen
Schwere Zeiten: Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) will um ihren Titel kämpfen, Dekan Bruno Bleckmann (l.) die Dissertation "ergebnisoffen" prüfen

Man wird den 15 Mitgliedern des Rats der Philosophischen Fakultät an der Universität Düsseldorf nicht vorwerfen können, sie hätten sich die Sache an diesem Dienstag leicht gemacht: Stunde um Stunde verging hinter verschlossenen Türen, bis der Dekan Bruno Bleckmann schließlich nach 20 Uhr vor die Presse trat, um das zu verkünden, was Bildungsministerin Annette Schavan eines Tages womöglich ihr Amt, ihre Ehre und sogar den einfachen Studienabschluss kosten kann: Das Verfahren zur Aberkennung ihres Doktortitels wird eingeleitet.

Bleckmann versprach, was eine Selbstverständlichkeit sein sollte – dass es also "ergebnisoffen" geführt werde. Für die CDU-Politikerin ist das zwar formal zunächst nicht mehr als eine – freilich niederschmetternde – Etappenniederlage in dem seit vergangenem Jahr schwelenden Streit um die Qualität ihrer vor mehr als 30 Jahren angefertigten Dissertation.

Aber in der Unionsfraktion gibt es Kollegen, die voraussagen, dass Schavan es politisch kaum wird überleben können, wenn die Universität ihr am Ende der Untersuchung tatsächlich den Titel aberkennt. Auch wenn ansonsten die Einstellung vorherrscht, dass man sich von Gremienmitgliedern einer Düsseldorfer Universität keine Minister aus der Regierung schießen lassen will.

Olbertz fordert zweites Gutachten

Schavans Ausgangslage in dem Verfahren könnte jedenfalls besser sein, denn Bleckmann zufolge votierten die Mitglieder des Rats in geheimer Abstimmung mit geradezu sozialistischer Geschlossenheit: So gab es 14 Ja-Stimmen für das Verfahren, nur ein Mitglied enthielt sich. Nach einer Vorprüfung durch den Judaistik-Professor Stefan Rohrbacher hatte der Promotionsausschuss dem Fakultätsrat die Einleitung des Verfahrens gegen Schavan empfohlen. Die Personen, die am Dienstag darüber zu entscheiden hatten, waren so bunt zusammengewürfelt, wie es in Gremienuniversitäten üblich ist: Im Fakultätsrat sitzen Hochschullehrer, aber auch wissenschaftliche Mitarbeiter, sonstiges Personal und Studenten.

"Der Fakultätsrat hat alle Sachverhalte der Vorprüfung ausführlich diskutiert", sagte Bleckmann nach der Sitzung des Gremiums. Ihm zufolge soll es am 5. Februar 2013 eine weitere Sitzung des Fakultätsrats zum Fortgang des Verfahrens geben. Man werde die Vorwürfe "bis zur Entscheidungsreife" prüfen. Gegen eine mögliche Aberkennung ihres Doktortitels könnte Schavan allerdings innerhalb eines Monats vor Gericht klagen.

Den Stein ins Rollen gebracht hatte im vergangenen Frühjahr ein anonymer Blogger. Auf der Internetseite "schavanplag" warf er der Politikerin vor, an mehreren Stellen ihrer Doktorarbeit abgeschrieben und Quellen nicht genannt zu haben. In der 1980 verfassten, mehrere hundert Seiten starken Arbeit widmete sich die damals junge Studentin der Erziehungswissenschaften dem Thema "Person und Gewissen". Die Dissertationsschrift war zugleich die Abschlussarbeit der Politikerin, da es in diesem Studiengang damals gar keine Diplomabschlüsse gab.

Nach Bekanntwerden der Vorwürfe nahm sich dann die Heinrich-Heine-Universität des Falles an – und zwar auf Wunsch der Ministerin persönlich. Dabei lief manches schief: In dem im Oktober bekannt gewordenen internen Prüfbericht Rohrbachers, der eher beim "Spiegel" als bei Schavan gelandet war, wurde der Ministerin eine "leitende Täuschungsabsicht" unterstellt. Das war ein strafrechtlich relevanter Vorwurf, den man später darauf reduzierte, sie habe gegen wichtige Zitierregeln verstoßen. Schavan selbst äußerte sich am Dienstag nicht. Sie hatte aber bereits angekündigt, um ihren Titel und ihr Amt kämpfen zu wollen. Dazu passt, dass sie sich am Freitag im CDU-Kreisverband Alb-Donau/Ulm erneut für ein Bundestagsmandat bewerben wird.

Jan-Hendrik Olbertz, Präsident der Humboldt-Universität, sagte der Berliner Morgenpost: "Die Entscheidung zur Eröffnung des Verfahrens birgt wenigstens die Chance, dass es endlich zu einer vernünftigen Klärung der Vorwürfe gegen Annette Schavan kommt. Vielleicht nimmt es damit den geordneten Verlauf, den ich bisher nicht habe erkennen können. Zwingend ist zum Beispiel, dass ein zweites, unabhängiges Gutachten in Auftrag gegeben wird."

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