19.01.13

Plagiatsvorwurf

Annette Schavan und die Operation Titelverteidigung

Kein Rückzug: Bildungsministerin Schavan will sich trotz der Affäre um ihre Doktorarbeit als Bundestagskandidatin nominieren lassen.

Foto: picture alliance / dpa
Plagiatsverdacht: Bildungsministerin Schavan kommt aus der Defensive
Plagiatsverdacht: Bildungsministerin Schavan kommt aus der Defensive

In der Plagiatsaffäre um Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) hat die Universität Düsseldorf ihren Vorwurf offenbar abgeschwächt. Der Promotionsausschuss werfe ihr nicht mehr vor, in ihrer Doktorarbeit absichtlich getäuscht zu haben, berichtete die "Süddeutsche Zeitung".

Schavan habe aber mit ihrer Zitierweise in Kauf genommen, gegen die Regeln des wissenschaftlichen Arbeitens zu verstoßen. Die Kommission habe dem Fakultätsrat dennoch einstimmig empfohlen, ein Verfahren zur Aberkennung ihres Doktortitels einzuleiten. Auch im Fakultätsrat selbst gebe es dafür eine Tendenz, berichtete das Magazin "Focus" .

Der Düsseldorfer Fakultätsrat entscheidet am Dienstag, ob ein Verfahren eröffnet wird. Selbst wenn die Wissenschaftler dafür votieren, bedeutet das für Schavan aber nicht automatisch den Verlust des Titels: Möglich ist auch, dass die Prüfer die genannten Gründe für nicht hinreichend befinden.

Schavan wird vorgeworfen, in ihrer Doktorarbeit zum Thema "Person und Gewissen" aus dem Jahr 1980 getäuscht zu haben. Der Vorsitzende des Promotionsausschusses, Stefan Rohrbacher, stellte in einer im vergangenen Jahr erstellten Analyse eine "leitende Täuschungsabsicht" fest.

Mängel, aber keine Täuschung

Namhafte Professoren sehen das anders. "Die Mängel in der Arbeit sind offensichtlich, ich sehe jedoch keine Täuschungsabsicht", sagt etwa der ehemalige Präsident der Humboldt-Universität Berlin, Christoph Markschies.

Er hat die Doktorarbeit gelesen und viele der Vorwürfe überprüft. "Ich halte die Fehler für nicht drastisch genug, um den Doktorgrad abzuerkennen." Falls dies passiere, müsste die Uni "sicherlich noch vielen anderen Personen den Doktorgrad entziehen".

Rohrbacher habe aber darin nicht die maßgebliche Frage erörtert, "ob die Arbeit einen selbständig erarbeiteten wissenschaftlichen Beitrag erbringt, der die Vergabe des Doktortitels rechtfertigt", zitierte der "Focus" aus einem Gutachten des emeritierten Philosophie-Professors Ludger Honnefelder, das dieser auf eigene Initiative erstellt habe. Vielmehr orientiere sich der Ausschussvorsitzende in seiner Darstellung an "formalen Textvergleichen".

Am Freitag meldete sich dann auch noch die Allianz der Wissenschaftsorganisationen mit einem indirekt formulierten Rundumschlag gegen die Uni Düsseldorf. Unterm Strich heißt es da: Die Hochschule hätte mehrere Gutachter einschalten müssen. Ein Fachfremder wie Rohrbacher könne die Leistung der Arbeit nicht angemessen beurteilen. Zudem dürfe ein Gutachter nicht zugleich die Fehler auflisten, bewerten und dann noch darüber entscheiden.

Schavan kommt aus der Defensive

Die Ministerin, die lange mit dem Rücken zur Wand stand, kommt langsam aus der Defensive. Wie geht es jetzt weiter? Die Hochschule schweigt dazu. Nahezu ausgeschlossen ist, dass am Dienstag eine endgültige Entscheidung fällt. Der Titel wird in dieser Woche voraussichtlich weder aberkannt, noch kann Schavan das Verfahren abschütteln. Stattdessen wird wohl weiterer Aufklärungsbedarf angemeldet werden. Doch mit Frieden hat das nichts zu tun.

Schavan hat die gegen sie erhobenen Plagiatsvorwürfe immer zurückgewiesen und Rücktrittsüberlegungen dementiert. Sie will drei Tage nach der Entscheidung des Fakultätsrat in die Offensive gehen: Die CDU-Politikerin will sich in jedem Fall am Freitag als Bundestagskandidatin für den Wahlkreis Ulm/Alb-Donau nominieren lassen.

"Ich trete am 25. Januar an. Das bin ich der Wissenschaft schuldig", sagte sie der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Die 57-Jährige will auch dann kandidieren, sollte der Fakultätsrat der Universität Düsseldorf am Dienstag ein Verfahren zur Aberkennung ihres Doktorgrades einleiten.

"Schavanplag" brachte Stein ins Rollen

Schavan war stellvertretende CDU-Vorsitzende und gilt als eine der wenigen engen Vertrauten von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Zehn Jahre war die CDU-Politikerin Kultusministerin in Baden-Württemberg und seit 2005 ist sie Bundesministerin für Bildung und Forschung in Berlin.

Den Stein ins Rollen gebracht hat im Mai vergangenen Jahres ein anonymer Blogger. Auf der Internetseite "schavanplag" warf er/sie der CDU-Politikerin vor, an mehreren Stellen ihrer Doktorarbeit abgeschrieben und Quellen nicht genannt zu haben. Dort heißt es: "Insgesamt gibt es 97 Seiten im Haupttext der Dissertation von Seite 11 bis 335, auf denen Übernahmen aus 45 Quellen nicht oder nicht ausreichend kenntlich gemacht werden."

Quelle: dapd/mim
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