31.10.13

Film

"Der Teufelsgeiger" - David Garrett, bleib bei deinen Saiten

Ach, Ach, dreimal Ach: Als Musiker ist David Garrett ein Weltstar. Als Schauspieler scheitert er grandios. Auch wenn er in "Der Teufelsgeiger" seinen großen Seelenverwandten Paganini verkörpert.

Von Peter Zander
Foto: ©Summerstorm/Dor/Construction/BR/Arte. Photo: W. Wehner

Wallemähne, eingefrorene Mimik und Gestik: David Garrett als Paganini
Wallemähne, eingefrorene Mimik und Gestik: David Garrett als Paganini

Wie der Teufel von einem Besitz ergreifen und zu schlechten Ideen verführen kann, das wird hier sehr anschaulich dargestellt. Es klopft. Einmal. Zweimal. Der Geiger hat längst "Herein" gesagt. Aber von draußen erschallt es: "Du musst es dreimal sagen." Jeder, der mal den "Faust" gelesen hat, weiß da, was Sache ist. Natürlich wird der Teufel dennoch hereingelassen. Im Film verleiht er dem Geiger endlich den Ruhm, nach dem er sich immer gesehnt hat. Dafür verkauft man schon mal seine Seele.

So ähnlich muss auch David Garrett verlockt, verführt worden sein. Der Mann an der Geige spielt in einer Liga, die den meisten Klassik-Musikern verwehrt bleibt. Er wird weltweit gefeiert. Genießt Kultstatus wie ein Popstar. Die Fans, vor allem die weiblichen, liegen ihm zu Füßen. Aber dann muss der Teufel an seine Tür geklopft haben: Du hast alles erreicht in den Konzertsälen, so muss er geschmeichelt haben, aber willst du nicht auch die Kinos erobern? Es wird Zweifel und Einwände gegeben haben, aber Garrett hat sie alle weggeschoben. Und sich diesem Projekt verschrieben. Er spielt nicht nur die Hauptrolle in diesem Kinofilm, er hat ihn wesentlich vorangetrieben.

Vergleich mit dem großen, wahnsinnigen Kinski

Aber dann gleich Paganini. Das war bekanntlich Klaus Kinskis letzte Wahnsinnsrolle. Als Quereinsteiger den ersten Film drehen – und sich gleich an Kinski messen. Alle Achtung. Der traut sich was. Nun ja: In Paganini sieht David Garrett so etwas wie einen Seelenverwandten. Auch der wurde damals wie ein Popstar gefeiert. Auch ihm lagen die Damen zu Füßen. Und er konnte so schnell geigen, dass das nicht mit rechten Dingen zugehen konnte, dass der Teufel mit im Saiten-Spiel sein musste. David Garrett hat schon mit 17 eine erste CD mit Werken des Wundergeigers einstudiert, "Paganini Caprices". Er ist an ihm gewachsen. Und sieht wohl viele Parallelen zum eigenen Leben.

Es hätte ja gut gehen können. Wenn man den Star-Geiger vor allem hätte geigen lassen. Damit geizt der Film von Bernard Rose aber überraschend. Es hätte trotzdem gut gehen können. Wenn man aus dem Leben Paganinis schräg-schrillen Trash-Camp gemacht hätte wie weiland Ken Russell in Kultfilmen wie "Lisztomania" oder "Tschaikowsky – Genie und Wahnsinn". Aber nein. Seriös sollte es sein. Und dann gibt es gar diese faustische Ebene, dass der Teufel den Virtuosen verleitet. Und als sein Manager agiert. An Faust ist schon so manch gestandener Mime gescheitert. Wie soll ein Laie darin bestehen.

Zwei Stunden zum Fremdschämen

Ach. Ach. Dreimal Ach. David Garrett kann, außer der Geige, einfach nicht spielen. Jede Szene ein Scheitern. Keine Mimik. Keine Gestik. Kein Sinn, wie man Dialoge richtig spricht. Mister Garrett streift sich durch sein Walleehaar und seinen Dreitagebart (auch wenn der zu Paganinis Zeiten höchst anachronistisch ist), er schenkt uns diesen schmelzenden, immer irgendwie flirtenden Blick, den wir von der Bühne kennen. Und ja, es gibt auch Nackt- und Bettszenen, worauf mancher Fan fiebern mag. Aber all das rettet das verteufelte Drama nicht. Zwei Stunden zum Fremdschämen.

Regisseur Rose muss das irgendwann erkannt haben. Er lässt Garrett immer aus dem Bild, von der Kamera wegschauen, auf dass das Schlimmste verhütet werde. Nebenhandlungen werden aufgeplustert, um zu überdecken, wie dünn der Hauptstrang ist. Und die anderen Schauspieler wurden wohl angewiesen, schwächer zu spielen, um den armen Garrett nicht so traurig aussehen zu lassen. Manchmal beschleichen einen gar merkwürdige Gedanken. Sollte "Der Teufelsgeiger" nur eine immens angelegte PR sein? Der Film zum Soundtrack "Garrett vs. Paganini", der gerade erschien?

Wir hätten nicht gedacht, dass wir bei diesem Klassik-Thema mit einer Analogie aus der Welt des Boxens aufwarten würden. Aber vor drei Jahren ging schon Henry Maske im Kino als Boxlegende "Schmeling" K.o. Es reicht nicht, aus demselben Metier zu stammen und das Handwerk zu beherrschen. Um Filme zu erzählen, bedarf es noch einer anderen Kunst. Der des Schauspiels nämlich. Hoffen wir, dass Garretts Kinoausflug nur ein Saiten-Sprung war. Etwas Gutes hat "Der Teufelsgeiger" aber doch: Er zeigt uns, dass selbst Genies ihre Grenzen haben. Ist ja auch tröstlich.

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