Hotelberufe

Menschen im Hotel: Arbeiten, wo andere Urlaub machen

Rezeptionisten oder Restaurantfachleute können durch Weiterbildung aufsteigen. Jobs im Ausland sind nur eine Option auf eine abwechslungsreiche Karriere. Fachkräfte werden in allen Bereichen gesucht.

Foto: Christian Kielmann

Schon als Kind war Samira Seghmouti fasziniert, wenn sie im Urlaub mit ihren Eltern in einem Hotel übernachtete – dieses besondere Flair, diese eigene Stimmung hatten es ihr angetan. Heute hält sich Samira Seghmouti nicht mehr nur als Gast in einem Hotel auf, mittlerweile gehört sie „dazu“: Die 21-Jährige macht eine Ausbildung zur Hotelfachfrau im Fünf-Sterne-Haus „Regent Berlin“ am Gendarmenmarkt. Im kommenden Sommer hat sie ausgelernt und hofft auf eine spannende Karriere.

Diese Hoffnung dürfte sich erfüllen: In der Hotellerie werden gute Kräfte gesucht. Und zwar weltweit und in allen Facetten der Branche – vom Luxushaus über das Tagungshotel bis hin zum kleinen Privathotel. „Durch die Ausbildung lerne ich den Beruf von der Pike auf“, sagt Samira Seghmouti.

Die angehenden Hotelfach und -kaufleute durchlaufen in ihrer Lehrzeit verschiedene Abteilungen eines Hotels. So arbeiten sie unter anderem im Frühstücksservice, in den Restaurants, im Housekeeping, aber auch „hinter den Kulissen“ wie etwa im Einkauf. Die Hotelkaufleute werden verstärkt in den administrativen Bereichen wie Sales & Marketing, Buchhaltung oder Public Relations eingesetzt. Restaurantfachleute sind in den hoteleigenen Restaurants sowie im Roomservice im Einsatz, beides wird natürlich von Köchen des Hauses versorgt.

Duale Ausbildung als Grundlage

Eine duale Ausbildung gilt als ideale Grundlage. So können Köche zum Küchenchef oder Küchendirektor aufsteigen, Restaurantfachleute zum Sommelier, Food-and-Beverage-Manager oder Bankettleiter. Manch einer sattelt auch ein Studium oben drauf wie BWL, Tourismusmanagement oder Marketing. „Studieren ist nichts für mich“, sagt Semira Seghmouti, „ich möchte im Hotel arbeiten und ins Ausland gehen. Südafrika oder Mauritius wären toll.“ Auch einen Job auf einem Kreuzfahrtschiff hat sie im Blick. „Diese Jobs sind sehr beliebt, weil sie super sind für den Lebenslauf.“ Denn: Wer auf einem Schiff gearbeitet hat, gilt bei Personalchefs als emsig und belastbar.

Semiras Kollege Marco Pollini will in eine ganz andere Richtung gehen: Ihn interessiert der Bereich Führungspsychologie, angesiedelt in der Personalabteilung. Der 23-Jährige hat einen noch recht neuen Weg eingeschlagen: Er lässt sich in einem dualen Studiengang an der Internationalen Berufsakademie in Berlin ausbilden, bei dem das Studium der BWL mit Schwerpunkt Hotel- und Tourismusmanagement mit der praktischen Ausbildung im Hotel verbunden wird.

Drei Jahre dauert die Ausbildung, während Pollini drei Tage in der Woche im Hotel Regent wie ein Hotelfachmann lernt und zwei Tage für das Studium reserviert sind. „Als Page habe ich angefangen, mittlerweile war ich im Sales & Marketing, in der Reservierungsabteilung und im Front Office“, erzählt er, „aber ich freue mich besonders auf das Sternerestaurant.“

Viele Abbrecher

Solch begeisterte Kräfte kann die Hotel-Branche gebrauchen: Die Arbeitszeiten in der Hotellerie schrecken potenzielle Azubis oft ab und verleiten manch einen, sich spätestens bei einem Wunsch nach eigener Familie umzuorientieren und in verwandte Branchen mit geregelten Arbeitszeiten einzusteigen. Denn man arbeitet oft, wenn andere frei oder Feierabend haben.

Das Anfangsgehalt ist im Vergleich zu anderen Branchen niedrig angesetzt. „Ich musste früher viele Kompromisse machen und manches Mal die Zähne zusammenbeißen“, erinnert sich Michael Frenzel, General Manager des privat geführten Hotel Palace. „Aber das gehört dazu. Man muss willens sein, für den Gast da zu sein. Man muss sich einfach mit den Freunden anders arrangieren. Das klappt.“

Die Branche leidet auch darunter, dass viele Lehrlinge ihre Ausbildung abbrechen. Frenzel sieht den Grund darin, dass Azubis in manchen Häusern und Regionen wie vollwertige Mitarbeiter eingesetzt werden und von ihnen eine viel zu hohe Kompetenz abverlangt wird, die sie aufgrund ihres Ausbildungsstandes jedoch noch gar nicht haben können: „Das entmutigt. Daher ist es ganz wichtig, Mitarbeitern zu zeigen, dass sie gesehen und geachtet werden.“

Das gilt in jedem Haus – vor allem aber in einem kleinen, privaten Hotel. „Hier kommt es noch mehr auf die Persönlichkeit, auf den Menschen an“, sagt Joachim Rissmann, Inhaber des Traditionshauses „Hotel Bogota“ in Charlottenburg. Das Hotel steckt in Schwierigkeiten, da der neue Hauseigentümer für seinen Besitz andere Pläne hat als einen Hotelbetrieb. „Ich bin kein Angestellter, sondern stehe für alles selbst gerade und trage die Konsequenzen“, so Rissmann.

Karriere im Familienbetrieb

Rissmanns Familie betrieb in Oberfranken einen Gasthof, in dem der kleine Joachim ein wenig mitarbeitete. Als er 13 Jahre alt war, ging die Familie nach Berlin, der Vater übernahm das Hotel Bogota. Sohnemann lernte Koch in einem Berliner Hotel, übte den Beruf jedoch nie aus. Vielmehr arbeitete er in verschiedenen Positionen in Fünf-Sterne-Traditionshäusern Europas, bevor er 1993 als Direktor ins Hotel Bogota einstieg.

Viele Mitarbeiter sind länger dabei als der Boss – typisch für kleine Häuser: Die Fluktuation der Mitarbeiter ist geringer als in großen Ketten, bei denen allerdings ein Wechsel in Häuser in aller Welt leichter ist. „Bei uns können Entscheidungen schnell und unkompliziert gefällt werden“, sagt Rissmann. „Bei einer Kette gibt es Vorgaben von ganz oben, bei uns ist mehr Eigeninitiative gefragt.“

Die musste auch Juliane Stenzel zeigen. Sie ist heute Leiterin der Abteilung Convention Sales im Swissôtel Berlin. Auf Rat ihres Vaters – „Tourismus wird nie aussterben“ – ging sie auf eine Fremdenverkehrsschule in Österreich. „Da wurde von allem ein bisschen gelehrt, das reichte als Basis nicht.“

Zurück in Berlin, begann Stenzel als Servicekraft im Restaurant eines Hotels, schielte aber neugierig auf den Bereich Veranstaltung. Mit Unterstützung fand sie einen passenden Job und wurde ins kalte Wasser geworfen. „Das Wasser war sehr kalt“, erinnert sich die heute 41-Jährige. Alles war neu, keiner arbeitete sie ein – sie musste sich selbst hineinfuchsen. „Ich fand den Bereich irre spannend, irgendwann ist der Knoten geplatzt.“ In mehreren Hotels organisierte sie Veranstaltungen und arbeitete sich hoch bis zur Abteilungsleiterin. Die Erfahrung zählt.

Abläufe sind ähnlich

Mit ihrem vierköpfigen Team organisiert Juliane Stenzel alle Veranstaltungen im Haus, von der Tagung bis zur Hochzeit. In der Abteilung werden auch Veranstaltungskaufleute ausgebildet. Der Kunde wird beraten, von der Bestuhlung über die Pausen bis hin zur Dekoration jedes Detail besprochen. Entscheidet sich der Kunde für das Angebot, wird es in einen Vertrag gegossen.

Die Zahl der Tagungen und Kongresse nimmt in Berlin zu – ein wichtiges Geschäftsfeld für Hotels, in denen die Tagungsteilnehmer meist übernachten. Tagungen, aber auch private Feiern sind auch in kleineren Hotels üblich. „Die Abläufe sind im Eventmanagement stets ähnlich“, meint Stenzel. „Die Arbeitsaufteilung ist von Hotel zu Hotel anders. Das kann man aber lernen.“

Was man von vornherein mitbringen sollte, ist die Freude daran, einem anderen Menschen eine gute Zeit zu bereiten. Ein nicht immer leichtes Unterfangen, denn manch ein Gast könnte gut einen Benimm-Kurs gebrauchen. „Man darf sich nicht alles zu Herzen nehmen und muss einen kühlen Kopf bewahren“, sagt Marco Pollini, „so wird man im Hotel nicht nur beruflich ausgebildet, sondern genießt auch menschlich eine gute Erziehung.“