Der eine versteigert seinen Bart, der andere schmeißt einen Pokerabend. Sie alle tun es für den guten Zweck – und für sich selbst. Getrieben sind sie vom Unternehmergeist und dem Wunsch, auf 350 Kilometern ein Netzwerk zu knüpfen. Techbikers nennt sich diese Veranstaltung, die der Londoner Google Campus Chef Eze Vidra im vergangenen Jahr ins Leben gerufen hat.

Er hatte die Idee, ein Networking Event mit einer Fahrradtour zu verbinden, auf der die Teilnehmer Spenden für einen guten Zweck sammeln. „Es gibt so viele Meet & Greets in der Branche, bei denen man sich auf ein Bier trifft, Visitenkarten austauscht und sich dann aus den Augen verliert“, sagt Lea Bauer, die bei Google in Berlin als Strategic Partner Manager tätig ist. Sie ist bei der ersten Tour von Paris nach London mitgeradelt und war so begeistert, dass sie sich dazu entschlossen hat, etwas Ähnliches auf die Beine zu stellen – gleiches Prinzip, gleiches Logo, andere Strecke.

Gründer und Investoren

Gemeinsam mit sechs anderen Freiwilligen aus Berlin, Hamburg und Prag organisiert sie nun in ihrer Freizeit ein neues „Chapter“, einen Ableger der Tour Paris-London aus dem vergangen Jahr: Vom 26. bis 28. Juli radelt nun eine Gruppe von 40 Techbikern für den guten Zweck von Prag nach Berlin.

Im letzten Jahr waren neben Kapitalgebern, Ingenieuren, PR-Experten aus dem Techbereich und Managern von Technologie-Firmen etwa 50 Prozent der Teilnehmer Gründer. In diesem Jahr ist es Lea Bauer und ihren Mitorganisatoren gelungen, auch einige alten Hasen aus der Szene für die Tour Prag-Berlin zu gewinnen: Mit dabei sind zum Beispiel Menschen, die hinter Unternehmen wie dem Telekom Incubator Hubraum, der Herausforderungsplattform Klash oder dem Prager Start-up node5 stehen.

Wer mitfahren will, muss ein Ticket für 280 Euro kaufen. Da dieser Betrag nicht die tatsächlichen Kosten der Radtour abdeckt, bemühen sich die Organisatoren von Techbikers, passende Sponsoren zu finden. Diese bessern durch das soziale Engagement ihr Corporate Social Responsibility (CSR)-Profil auf und knüpfen zudem wertvolle Kontakte zur Start-up-Szene – eine Win-Win- Situation für alle Beteiligten.

„Das Ganze funktioniert aber nicht nach dem Motto‚ ich lasse mir mal meinen Urlaub finanzieren“, sagt Organisatorin Lea Bauer. Denn im Gegenzug zu den relativ günstigen Ticketpreisen verpflichten sich die Teilnehmer der Radtour dazu, je 750 Euro Spendengelder zu sammeln, die dem Start-up dotHIV zugute kommen.

Das sozial ausgerichtete Berliner Start-up will nichts Geringeres, als dem Internet eine rote Schleife zu verpassen. Mit der Einführung der Webadressen-Endung .hiv wollen sie ein Thema wieder in den Fokus zu rücken, das seit den 90er-Jahren langsam aus dem Blickfeld geraten ist – HIV und Aids.

Immerhin tragen in Deutschland derzeit rund 63.000 Männer, 15.000 Frauen und 200 Kinder das Virus in sich. In Berlin steckt sich mindestens ein Mensch pro Tag an. Mit der Kampagne wollen die Start-upler die Aufmerksamkeit für das Thema HIV und Aids wiederbeleben und die Stigmatisierung derer senken, die damit leben.

Die Idee: Firmen, die sich mit HIV-Infizierten solidarisieren wollen, zahlen einen jährlichen Beitrag in den Spendentopf des gemeinnützigen Vereins, können die Adresse ihrer Webseite mit .hiv verorten und so ihre Solidarität mit HIV-Infizierten zeigen. Aus dem Erlös sollen Engagierte auf der ganzen Welt unterstützt werden. „Die Kombination aus technologischem Lösungsansatz und globaler Strategie, die auch die Start-up-Szene prägt, macht dotHIV zu einem idealen Partner“, sagt Lea Bauer.

Geld für ein Schulprojekt

Im vergangenen Jahr haben die Teilnehmer für ein Schulprojekt in Nepal 30.000 Euro gesammelt. Diese Marke wollen die Techbiker auch in diesem Jahr erreichen und damit auch ein klein wenig das Image der Start-up-Szene gerade biegen: Viele sehen nämlich in den Gründern lediglich Jungunternehmer, die nur auf das schnelle Geld aus sind. Die Teilnehmer aber wollen zeigen, dass sie verantwortungsbewusst sind: „Wir haben es für etwas getan, das größer ist als wir selbst. Ich weiß eigentlich immer noch nicht so genau, was passiert ist. Wir, eine Gruppe aus mehreren Einzelnen, wurden zu einem Ganzen“, sagt Benjamin Southworth von „thisiswhatgoodlookslike“, ein Sponsor aus dem letztem Jahr.

Mit dabei war damals auch die Unternehmerin Emily Brooke. Sie hat auf der Tour Menschen kennengelernt, die den Launch ihres Start-ups „Blaze Components“ überhaupt erst möglich machen. Sie will ein Tool auf den Markt bringen, dass Radfahrer sicher durch den Straßenverkehr bringt. Vielleicht finden sich ja auch zwischen Prag und Berlin wieder clevere Gründer, die gemeinsam den Durchbruch wagen wollen.