Start-up Klash

Mit ungewöhnlichen Wett-Spielen im Netz Geld verdienen

Über die App Klash rufen Nutzer Wettbewerbe im Internet aus, in denen sie sich gegenseitig messen. Entwickelt wurde sie vom gleichnamigen Berliner Start-up. Die Spiele locken auch Firmen an.

Foto: Sergej Glanze / Glanze

Ein junger Italiener, Alessandro Petrucciani, ein Österreicher, Alex Napetschnig, und ein Türke, Baris Tamer, sitzen am Strand von Fuerteventura. Vor ihnen brechen meterhohe Wellen und schäumt der Atlantische Ozean. Die drei jungen Männer haben Surfbretter dabei. Einer von ihnen aber, Baris, hat sich noch nie zum Surfen in die Wellen gestürzt. „Wenn Du dich traust, Baris, bekommst du einen Kasten Bier“, sagt Alex Napetschnig. Die zwei erfahrenen Surfer sticheln ihren Freund und necken ihn – bis der sich schließlich das Surfbrett greift. Das war im Jahr 2011.

So erzählt Alex Napetschnig vom Gründungsmythos seines jungen Unternehmens, das rund zwei Jahre später eine App entwickelt hat, die den Namen Klash trägt. Denn an jenem Tag an den Stränden der Kanareninsel entstand aus einer lustig gemeinten Mutprobe so etwas wie ein Geschäftsmodell. Es basiert auf dem Spieltrieb der Menschen und ihrem Ehrgeiz, gegeneinander zu wetten und sich zu überbieten. „Ein Klash ist ein Wettbewerb, der Dich aus deiner Komfortzone herausholt“, sagt der Mitgründer des Start-ups Alex Napetschnig.

Raus aus der Komfortzone

Komfortzone. Dieses Wort fällt immer wieder, wenn der Gründer von Sinn und Zweck seiner Software erzählt. Die Leute sollen raus aus der Bude, die Passivität vorm Computer ablegen, sich in aberwitzige Abenteuer werfen. Auch wenn es nicht gleich ein wagemutiger Sprung in die Wellen des Ozeans sein muss. Vieles ist denkbar, erklärt der Gründer. Zum Beispiel ein gegenseitiges Messen darin, wer die größten Kaugummiblasen schafft. Ein Wettkampf, mit dem das Start-up durchaus Geld verdienen könnte – wie Alex Napetschnig später erklärt.

Im hellen Büroraum in Berlin-Mitte liegen bunte Luftballons herum. Gerade hat das achtköpfige Team den Geburtstag eines Mitarbeiters gefeiert. Der 26 Jahre alte Mitgründer Baris Tamer holt sein iPhone aus der Hosentasche und öffnet die App Klash. Das Programm ist momentan auf dem Apple-Smartphone und als App beim sozialen Netzwerk Facebook verfügbar. Auf dem Display erscheinen die aktuellen Wetten: „Vera, I klash you to drink 5 Espresso in a row“. Die Nutzerin wird also von einem anderen Benutzer dazu aufgefordert, sich einem Koffein-Flash auszusetzen.

Aktionen wie bei „Jackass“

Die meisten solcher Wetten rufen die Benutzer der App im privaten Raum aus, über Facebook, so dass die breite Öffentlichkeit keinen Einblick in die Wettbewerbe hat. Mal geht es darum, den nächsten Passanten, den ein Nutzer auf der Straße trifft, zu umarmen und zu küssen. Mal darum, sich ein Tierkostüm überzuwerfen oder wie ein Superheld zu verkleiden und durch die Stadt zu laufen.

Die Aktionen erinnern oftmals an die US-amerikanische Fernsehsendung „Jackass“, in der die Protagonisten in Stunts und Streichen gegeneinander antraten. Die Mutproben dort provozierten, weil sie ekelerregend und teils lebensgefährlich waren. Der Sender MTV verschob die Serie schließlich ins Nachtprogramm, aus Jugendschutzgründen.

Zu solchen Wettbewerben will das Team von Klash nicht motivieren, betonen die Macher. „Die Grundidee besteht darin, witzige Dinge aus dem echten Leben ins Netz zu bringen und sich gegenseitig zu motivieren, Blödsinn zu machen. Damit sollen diese zwei Welten noch mehr miteinander verschmelzen“, sagt Alex Napetschnig. Doch es gibt auch sinnvolle Wetten, zum Beispiel darüber, ob jemand es schafft, mit dem Rauchen aufzuhören. Oder einen Marathon zu laufen.

Klash ruft regelmäßig zu Wettbewerben auf

Die digitalen Herausforderungen, im Jargon der Macher Klashes genannt, werden auf zwei Ebenen ausgetragen. Entweder im mehr oder minder geschützten und privaten Raum des eigenen Facebook-Accounts. Oder ganz öffentlich in der Klash-Community, zu der jeder Zugang hat, der die App auf seinem Smartphone installiert hat. „Für den letzteren Bereich rufen wir als Firma regelmäßig zu Wettbewerben auf, bei denen die Teilnehmer etwas gewinnen können“, sagt der 26-Jährige Gründer.

Eine künftige Erlösquelle des Start-ups, sagt Napetschnig, könne zum Beispiel darin bestehen, dass Unternehmen und Marken über die Plattform zu Wettbewerben aufrufen. Das sei Werbung für die jeweilige Firma und sporne die Wettbewerbs-Teilnehmer dazu an, die Produkte zu kaufen. „Ein großer Kaugummi-Hersteller könnte etwa einen Klash ausrufen, in dem es darum geht, wer die größten Kaufgummiblasen machen kann“, sagt der 26-jährige Mitgründer.

Mini-Videos als Beweis

Beweise für die ungewöhnlichen Taten der Nutzer sind Fotos oder animierte Mini-Videos, sogenannte GIFs. Bei dem Grafics Interchange Format handelt es sich um ein digitales Bildformat, das Einzelbilder hintereinander darstellt und so den Eindruck eines kurzen Videos erweckt. Aus den Bewertungen der anderen Nutzer ergeben sich Ranglisten. Die Community kürt den Sieger.

Trotz Nonsens-Wetten will das Team um Alex Napetschnig durchaus etwas bewegen. „Wir sind davon überzeugt, dass 90 Prozent der tollsten Erlebnisse erst gemacht werden, wenn man seine Komfortzone endlich verlässt und irgendetwas Verrücktes macht“, sagt der ehemalige Student der Betriebswirtschaft, der die zwei Mitgründer während des Studiums in Barcelona kennengelernt hat. Bevor das Trio Anfang 2012 mit der ersten Version von Klash an den Start ging, gründeten die drei Betriebswirtschaftler bereits ein anderes Start-up, das ebenfalls etwas mehr Spaß ins Netz bringen sollte.

„Dabei handelte es sich um eine Facebook-App, die alle Handy-Fotos, auf denen ein Lächeln zu sehen ist, automatisch ins Web lädt“, sagt Napetschnig. Nach dieser unternehmerischen Fingerübung hatte die drei Jungs der Ehrgeiz gepackt. Aus Barcelona zog es sie nach Berlin. „Gleich am ersten Wochenende haben wir an einem Ideenwettbewerb teilgenommen – und gewonnen“, sagt Napetschnig. Sie gewannen ein Büro, das sie fortan nutzen durften. Seit Februar 2013 finanziert sie der Förderer Venista Ventures mit einem sechsstelligen Betrag. 20.000 Nutzer hat Klash bereits, täglich melden sich neue Nutzer an.

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