Interview

Karriere: Viele Politologen landen in Medienunternehmen

Journalist Christian Walther erklärt, welche Motive bei der Berufswahl mitspielen. Das können studierte Politikwissenschaftler werden.

Christian Walther, Reporter bei der Abendschau, Vorsitzender des Journalistenverbands JVBB

Christian Walther, Reporter bei der Abendschau, Vorsitzender des Journalistenverbands JVBB

Foto: Arne Sattler/Ishot

Berlin.  Christian Walther (62) ist Reporter bei der „Abendschau“, Vorsitzender des Journalistenverbandes JVBB, hat als Pressechef für die FU, eine Senatsverwaltung und die Leibniz-Gemeinschaft gearbeitet und war 16 Jahre Vorsitzender des OSI-Clubs, des Alumni-Vereins der FU-Politologen.

Er hat Politikwissenschaft in Berlin studiert und steht mit Master-Absolventen im stetigen Austausch. Francis Kahwe Mohammady sprach mit Christian Walther über die Stärken eines politikwissenschaftlichen Studiums.

Was sind die klassischen Berufe, die Studierende der Politikwissenschaft anstreben?

Christian Walther: Die Leute, die ich kenne und die ich über den OSI-Club kennengelernt habe, bilden ein unglaublich breites berufliches Spektrum ab – von Erwachsenenbildung über kulturelle Aktivitäten bis ins politische System hinein. Sei es, dass sie für Bundestagsabgeordnete arbeiten, sei es, dass sie Finanzstaatssekretär im Berliner Senat geworden sind, für Lobbyorganisationen oder für Gewerkschaften arbeiten. Und natürlich, wie ich selbst, in den Medien tätig sind. Das ist ein Bereich, in dem relativ viele Politologen Arbeit finden.

Inwiefern bereitet ein Politikstudium auf das Berufsleben vor?

Während des Studiums lernt man, einzelne Probleme aus sehr unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. Ökonomisch, juristisch, historisch, vielleicht auch psychologisch. Während des Studiums lernt man, eine Perspektivenvielfalt zu entwickeln, die den Politologen eindeutig in den Vorteil gegenüber einem Juristen bringt, der dazu neigt, alles nur von der juristischen Warte aus zu betrachten.

Durch ein Praktikum eine andere Welt entdecken

Ist es normal, dass sich die beruflichen Ziele und Interessen während des Studiums ändern?

Das ist komplett normal. Die Einstiegsmotivation bei vielen ist das theoretische Erkenntnisinteresse. Wie also Politik funktioniert. Wenn man dann nicht nur Politik als System verstehen will, sondern sich etwa konkreter mit Sozialpolitik befasst und sogar ein Praktikum in einem Sozialverband oder in einem Ministerium macht, lernt man eine komplett andere Welt kennen.

Sprechen Sie sich also für verschiedene Praktika während des Studiums aus?

Ich fand es schon zu meiner Studienzeit sehr gut, dass es Pflichtpraktika gab. Ich halte es für außerordentlich wichtig, dass ein unmittelbarer Kontakt zur Berufswelt stattfindet.

Zu viele Praktika sind auch nicht gut

Sollten Studierende möglichst viele Praktika absolvieren?

Nein. Im Gegenteil. Wenn ich selbst in der Situation bin, dass sich Leute bei mir vorstellen und ich sehe, die haben fünf, sechs, sieben Praktika hinter sich, habe ich das Gefühl, dass die ein bisschen orientierungslos durchs Leben laufen und sich nicht richtig entscheiden können, wo sie eigentlich hinwollen. Zu viele Praktika sind auch nicht gut.

Was sagen Sie jungen Leuten, die gerne Politikwissenschaft studieren möchten?

Wenn Geld euer primäres Ziel bei der Berufswahl ist, seid ihr hier falsch. Wenn ihr euch mit der Gesellschaft, in der ihr lebt, auseinandersetzen möchtet, wenn ihr über sie berichten wollt, sie verändern wollt, dann seid ihr hier richtig. Und sei der Ausschnitt noch so klein.