Elektro, Jazz, Rock, Dancehall – in Berlin gibt es zwischen 250 und 300 Clubs verschiedenster musikalischer Richtungen, inklusive Bars, deren Kernelement Musik ist. Rund 150 dieser Clubs sind namhaft, einige international berühmt wie Berghain, Tresor oder Watergate.

„Clubs verstehen sich als Orte, die mit ihrer Musik eine bestimmte Zielgruppe ansprechen“, sagt Lutz Leichsenring, Sprecher der Clubcommission Berlin, einem Lobbyverband der Berliner Club- und Partyveranstalter, der sich auch als Sprachrohr der Szene versteht. „Sie sind experimentell und vertreten einen bestimmten Musikstil, der nicht dem Mainstream zuzurechnen ist.“ Oft sind diese Clubs, deren Geburt in die 1990-er Jahre zurückgeht, temporär, illegal oder semilegal. Sie öffnen, schließen und eröffnen an einem anderen Ort wieder aufs Neue.

Manche lassen sich nieder und werden so lange zu festen Institutionen der Clubgänger, wie es ihnen die Stadtplanung erlaubt. Denn der Berliner Senat, der einerseits mit der florierenden Clubszene wirbt, bietet ihrem Aushängeschild andererseits keine Planungssicherheit. Für einen guten Grundstückspreis wurde schon so mancher Club einfach mal wieder geschlossen. Ein Ärgernis, das die Clubbetreiber vor große Probleme stellt. Denn immerhin beschäftigen sie Personal, Festangestellte und Freiberufler, manche bilden sogar aus – etwa Eventmanager oder Licht- und Tontechniker.

Jobs in der Clubszene

Für das Watergate etwa arbeiten laut Clubcommission rund 50 bis 60 Personen, für das Berghain sind es rund 200. Hinterm Tresen schenkt das Barpersonal Drinks aus, Türsteher kontrollieren den Einlass, Selekteure filtern die Besucher, Garderobieren verwalten Jacken und Taschen, Runner schleppen Bierkisten oder füllen Toilettenpapier nach, Nightmanager haben alles im Blick, ein DJ legt Platten auf. Das Nachtgeschäft verwaltet der Geschäftsführer, die Bar beaufsichtigt der Barchef.

„Die großen Clubs haben meist noch eine angeschlossene Bookingabteilung, die teilweise auch Labelfunktion hat, die sowohl eigene Künstler in der Welt weiterverbuchen und auch Musik vermarkten, die in ihrem Dunstkreis entsteht.“ Zudem würden Agenturen beauftragt, die Flyer und Plakate gestalten, zudem Firmen, die für Licht-Ton und DJ-Softwaretechnik sorgen.

„Nicht zu vergessen den ganzen Bereich Food und Beverage“, sagt Leichsenring. „Es gibt die Lieferanten und die Produzenten.“ Denn es gebe viele Getränkemarken, die in Berlin entstehen, kleine Biermanufakturen und die Szene sei dafür bekannt, dass sie nicht auf Mainstreammarken setzt, sondern auf nachhaltige Anbieter.

Abenteuer Club-Gründung

Trotz der Probleme, die die Berliner Clubs haben – Verdrängung aus dem Kiez, Ärger mit Nachbarn, Reeperbahnisierung des Nachtlebens – gibt es immer wieder Abenteuerlustige, die das Risiko Club eingehen möchten. „Leute die einen Club aufmachen wollen, sind meist schon Veranstalter, die die Szene kennen“, sagt Leichsenring. „In diesem Bereich gibt es nicht den klassischen Existenzgründer, das ergibt sich so.“ Wer sehe, dass seine Partyreihe gut laufe, würde erst einmal versuchen, einen Raum oder eine Location für eine Zwischennutzung zu bekommen. Hier seien die behördlichen Auflagen und die Investitionen nicht so hoch.

Wer sich aber ein Konzept ausdenkt, das auf mehrere Jahre Bestand haben soll, muss sich auch mit Regeln und Vorschriften auseinandersetzen. Hier kommt die Clubcommission ins Spiel, die mit ihrer Tochter Club Consult Clubgründern mit Rat und Tat zur Seite steht. „Die Szene ist bekannt, dass sie sehr existenzialistisch ist, dass sie mit kleinen Dingen viel erreichen kann also mit Holzhütten und anderen Dingen.“ Hier zählt Kreativität, mit kleinen Mitteln Großes zu gestalten. „Den Behördenkram unterschätzt man jedoch“, so Leichsenring.

So kommen auf zukünftige Clubbetreiber Ausgaben für Schallschutz, Brandschutz, Notausgänge und sanitäre Anlagen zu. „Oft stehen die Investitionen in keinem Verhältnis zu den zu erwartenden Einnahmen“, sagt Leichsenring. In Berliner Top-Lagen zahle man inzwischen zwischen 30 bis 40 Euro pro Quadratmeter Miete. „So kommen auf den Clubbetreiber mehrere zehntausend Euro Miete zu, dazu je nach Clubgröße Gema-Gebühren, GEZ, Ausländersteuer für ausländische DJs, Abgaben für die Künstlersozialkasse, Löhne für die Mitarbeiter und Umsatzsteuer.“ Diese Kosten müssen durch Eintrittsgeld und Getränkeverkauf gedeckt werden.

Beratung für Clubbetreiber

Hier steht Club Consult den Clubgründern zur Seite, vermittelt Ansprechpartner und stellt stellt oft genug Kontakte zu anderen Clubbetreibern her. Die übernehmen Mentorenfunktion. „Man muss ja nicht jeden Fehler zwei Mal machen“, so Leichsenring. Ein Problem sind auch die Banken, die sich schwer damit tun, in ihre Kultur-Fördertöpfe zu greifen, um Kredite für Clubs bereitzustellen.

„Deswegen arbeiten angehende Clubbetreiber ein wenig nach dem Google-Prinzip“, erläutert Leichsenring. „Erst einmal eine Beta-Version auf den Markt werfen, einen Raum temporär anmieten, die Leute mit dieser abgefahrenen Location begeistern, Geld ansparen und dann als Club auf den Markt gehen.“

Eines sollte jedoch klar sei, sagt der Szenekenner. „Ein Clubbetreiber lebt nicht allein von der Liebe zur Musik, auch seine Mitarbeiter nicht.“ Er brauche neben musikalischem Know-how, auch technische, statisch-akustische, juristische, gastronomische sowie steuer- und betriebswirtschaftliche Kenntnisse. Das sei nur in einem starken Team abzudecken. Leichsenring: „Spätestens wenn das Gesundheitsamt oder Ordnungsamt vor der Türe steht, ist man nicht mehr die Insel, die man gerne wäre.“