Tagesgeld und Festgeld

Was bedeutet der Nullprozent-Leitzins für Sparer?

Die EZB hat den Leitzins auf null Prozent gesenkt. Gleichzeitig will sie mit Anleihekäufen noch mehr Geld in den Markt pumpen.

EZB-Präsident Mario Draghi möchte offensichtlich, dass Verbraucher mehr konsumieren anstatt zu sparen. Dennoch sollte man sein Erspartes anlegen.

EZB-Präsident Mario Draghi möchte offensichtlich, dass Verbraucher mehr konsumieren anstatt zu sparen. Dennoch sollte man sein Erspartes anlegen.

Foto: iStock (bluejayphoto)

Berlin. Erstmals in ihrer Geschichte hat die EZB unter Mario Draghi ihren Leitzins auf null Prozent gesenkt. Banken in der Eurozone müssen somit ab kommenden Mittwoch keine Zinsen mehr zahlen, wenn sie sich für die Dauer einer Woche Geld von der Notenbank leihen.

Verbraucher sollen konsumieren und nicht sparen

Banken, die jedoch Geld über Nacht bei der Europäischen Zentralbank parken wollen, werden dafür tiefer in die Tasche greifen müssen, denn Mario Draghi hat den Einlagezins (als eine Art Parkgebühr für Geld) von minus 0,3 auf minus 0,4 Prozent gesenkt. Die EZB will damit die Deflation (den anhaltenden Rückgang des Preisniveaus für Waren und Dienstleistungen; Anm. der Red.) bekämpfen und Finanzinstitute dazu bringen, mehr Kredite zu vergeben, um so die europäische Konjunktur anzukurbeln. Der EZB-Präsident will offensichtlich, dass nicht gespart, sondern konsumiert und investiert wird.

Für Sparer klingt das erst einmal beunruhigend und nicht vielversprechend. Da Banken an ihnen nichts mehr verdienen, wird es für Spareinlagen auf dem Sparbuch, dem Tages- oder Festgeldkonto demnächst wohl noch weniger Zinsen geben als aktuell. Bis sich aber der EZB-Zinsentscheid auch auf die Sparzinsen niederschlägt, dürfte noch etwas Zeit vergehen – Zeit, in der Sparer nach gut verzinsten Anlageformen Ausschau halten sollten. Und diese gibt es immer noch. So beispielsweise bei der maltesischen Fimbank oder der VW- oder Audi-Bank. Hier sind Renditen von bis zu 1,50 Prozent möglich. Ein Vergleichsrechner kann sehr hilfreich sein, wenn Verbraucher Geld anlegen wollen.

Welche Auswirkungen hat der Nullprozent-Zins für Girokonten?

Ebenfalls auf schlechtere Konditionen müssen sich auch Inhaber von Girokonten einstellen (wir berichteten). Vermutlich werden nicht viele Banken die Minuszinsen der EZB 1:1 an ihre Kunden weitergeben, Zwar dürften die meisten Banken davor zurückschrecken, die Minuszinsen der EZB eins zu eins an ihre Kunden weiterzugeben, Kontoinhaber sollten dafür mit steigenden Kontoführungsgebühren und anderen Kosten für Finanzdienstleistungen rechnen.

Fazit: Die Niedrigzinsphase müsste jedem Verbraucher Anlass geben, über die Verteilung der eigenen Ersparnisse und Spareinlagen nachzudenken. Lohnt sich ein Tagesgeldkonto noch? Hat man mehr Geld übrig, das man in Aktien anlegen kann oder wäre es nicht sogar sinnvoller, einen bestehenden Kredit mit Erspartem zu tilgen? Denn die Zinsen für Kredite sind so günstig wie schon lange nicht mehr.

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