Kurssturz des Forint

Währungsverfall bringt Ungarn dem Bankrott näher

Misstrauen gegenüber der ungarischen Politik schickt den Forint auf Talfahrt. Die Währung erreicht täglich neue Rekordtiefs im Vergleich zum Euro.

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Die Furcht vor einer Zahlungsunfähigkeit Ungarns hat weiter zugenommen. Die Währung des Landes fiel den zweiten Tag in Folge auf ein Rekordtief zum Euro . Gleichzeitig stiegen die Kosten für die Absicherung ungarischer Staatsanleihen per Credit Default Swaps (CDS) auf einen neuen Höchstwert.

Ein Euro verteuerte sich um bis zu 1,2 Prozent auf 324,10 Forint. Ein Dollar kostete mit zeitweise 251,98 Forint so viel wie zuletzt im März 2009. Die Renditen der fünf- und zehnjährigen Anleihen lagen mit jeweils rund 10,7 Prozent auf einem Zweieinhalb-Jahres-Hoch.

Die Absicherung eines zehn Millionen Forint schweren Pakets ungarischer Bonds verteuerte sich um 38.000 auf 754.000 Forint. Der Budapester Aktienindex verlor in der Spitze vier Prozent auf 16.454,24 Punkte. Damit summiert sich das Minus seit Jahresanfang auf sieben Prozent. Das ist der schlechteste Jahresauftakt seiner Geschichte.

„Es gibt nur zwei Akteure, die diese Entwicklung stoppen können“, sagte ein Börsianer. „Die Notenbank mit einer Intervention oder Zinserhöhung und die Regierung, indem sie sich mit dem IWF einigt.“ Ungarn bemüht sich beim Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Union um dringend benötigte Hilfskredite, um die heimischen Finanzmärkte zu stützen. Viele ungarische Lokalregierungen und Privatleute, die in den vergangenen Jahren Fremdwährungskredite aufgenommen haben, sind wegen des rapiden Kursverfalls des Forint überschuldet .

Allerdings wurden die Gespräche wegen umstrittener Verfassungsänderungen vorerst auf Eis gelegt. Ungarn signalisierte inzwischen aber Kompromissbereitschaft. „Der Regierung ist der Ernst der Lage bewusst“, sagte der für die Verhandlungen mit dem IWF und der EU zuständige ungarische Minister Tamas Fellegi.

Demnach ist Ungarn zu Diskussionen über alle Themen bereit, was Fegelli zufolge indes nicht bedeutet, dass sein Land alle Bedingungen annehmen wird . Fegelli sagte, es sei beispielsweise eine Art „vorbeugender Stand-by-Kredit“ für sein Land denkbar. Ein solches Instrument ist beim IWF jedoch bislang nicht vorgesehen. Während ein sogenanntes vorbeugendes Abkommen als Sicherheit zu verstehen ist, die nicht zwangsläufig genutzt wird, sieht ein Stand-by-Kredit regelmäßige Kontrollen der Wirtschafts- und Finanzpolitik des Landes durch den IWF vor.

Ursprünglich wollte Ungarn mit dem IWF und der EU-Kommission über eine vorbeugende Sicherheit von 15 bis 20 Milliarden Euro verhandlen, doch IWF und EU setzten die Gespräche im Dezember aus, um ihren Protest gegen eine Reform der ungarischen Zentralbank zum Ausdruck zu bringen.

Die konservative Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban hatte in den vergangenen Wochen eine neue Verfassung mit anti-demokratischen Tendenzen sowie umstrittene Verfassungsgesetze verabschiedet. Fegelli will am kommenden Mittwoch nach Washington reisen, um die Gespräche mit dem IWF wieder aufzunehmen. Er versprach, dass seine Regierung die Unabhängigkeit der Zentralbank respektieren werde. Für die EU ist dies die Bedingung für eine Fortsetzung der Verhandlungen.