Währungen

Ungarischer Forint stürzt auf historisches Tief

Die Devisenmärkte fürchten eine unberechenbare Wirtschaftspolitik in Ungarn. Der Kurssturz der Währung Forint setzt sich ungebremst fort.

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Die Talfahrt des ungarischen Forint hält auch im neuen Jahr an. Vor dem Hintergrund der unberechenbaren Wirtschaftspolitik der Regierung des Rechts-Nationalisten Viktor Orbán fiel die Währung auf einen historischen Tiefststand gegenüber dem Euro.

Auf den Märkten waren in den Vormittagsstunden für einen Euro bis zu 319,81 Forint zu bezahlen. Analysten begründeten den Kurssturz mit der Ungewissheit über einen von Ungarn dringend benötigten Notkredit von Internationalem Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Union (EU).

Ungarn will seit November letzten Jahres über einen derartigen Kredit verhandeln. Zugleich ließ sich die Regierung Orban nicht davon abbringen, durch neue Gesetze und Verfassungszusätze die Unabhängigkeit der Notenbank einzuschränken.

Am Dienstag waren in Budapest Meldungen aus Insider-Kreisen aufgetaucht, wonach die Regierung Orbán in Wirklichkeit gar keinen – mit strengen Auflagen verknüpften – IWF-Kredit mehr anstrebe, s ondern die Staatsschulden über den Zugriff auf die Devisenreserven der Nationalbank finanzieren möchte. Ein Regierungssprecher hatte diese Spekulationen umgehend dementiert. Die EU-Kommission will wegen der Ausweitung der Regierungskontrolle über die Notenbank im Augenblick mit Ungarn nicht über ein Kreditabkommen verhandeln. Vielmehr erwägt sie die Einleitung eines Vertragsverletzungsverfahrens gegen Budapest.

IWF-Chefin Christine Lagarde wird am 11. Januar einen Abgesandten Orbans zu „informellen Sondierungen“ empfangen. Doch ohne Beteiligung der EU wird sich auch der IWF nicht auf Kredit-Verhandlungen mit Ungarn einlassen, betonten Analysten.

Ungarn erklärte hingegen, das Land wolle bei der deutschen und französischen Regierung um Unterstützung für weitere internationale Finanzhilfen werben. Er werde in Vorgesprächen über mögliche Kredite von Europäischer Union und Internationalem Währungsfonds auch Deutschland, Frankreich und Österreich besuchen, sagte der für die IWF-Verhandlungen zuständige Minister Tamas Fellegi dem Wochenmagazin „Figyelo“.

Die Regierung wird demnach bereits in der nächsten Woche mit dem IWF verhandeln. Danach werde er noch im Januar nach Brüssel reisen, erklärte Fellegi.